Liebe Leserin, lieber Leser,
stellen Sie sich mal den 15- oder 16-jährigen Teenager vor, wie er sich in die Mutter seiner Klassenkameradin verliebt, die dann auch noch seine Lehrerin ist. Sie schreiben zusammen ein Theaterstück um, eine gewisse Nähe entsteht. Dann zieht er weg, geht auf eine Eliteschule in Paris, studiert. Und als er alt genug ist, mit 29, heiratet er seine Jugendliebe, die Lehrerin, die fast 25 Jahre älter ist als er. Als ob das nicht schon genug Würze für eine gute Story ist, wird der junge Mann dann mit nur 39 Jahren Präsident. Und sie die First Lady.
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Sie haben es gleich erkannt: Es ist die Geschichte von Emmanuel und Brigitte Macron. Ein politisches Glamour-Paar, dessen Privatleben schlicht fasziniert, dabei ist nicht mehr als der Altersunterschied bekannt. Ein Altersunterschied, der zwischen Donald und Melania Trump mit 24 Jahren fast genauso groß ist, allerdings ist die Kombination alter Mann – junge Frau weitaus weniger aufregend.
Brigitte Macron soll ihr Bruder sein? Wer denkt sich diesen Blödsinn aus?
Mich beeindruckt, welch große Liebe mutmaßlich dahinter steckt. Und so wie sich das Paar präsentiert, hält die Liebe stand. Brigitte ist mit ihren 72 Jahren die Frau an der Seite des immer noch jugendlich wirkenden Präsidenten. Es ist ihnen zu wünschen, dass ihr Privatleben in Ordnung ist, denn während er an der Spitze eines nahezu unregierbaren Staates steht und sein politisches Überleben ungewiss ist, kämpft Brigitte gegen eine Verschwörungstheorie an, die absurder nicht sein kann: Demnach soll die dreifache Mutter gar nicht Brigitte sein, sondern Jean-Michel. So heißt ihr Bruder.
Verbreitet haben sich die Gerüchte über Jahre im Internet, es begann mit der Behauptung, Emmanuel Macron sei homosexuell. Dann verbreitete sich die Geschichte, Brigitte sei eine Trans-Frau. Die konservative US-Kommentatorin Candace Owens heizte die Verschwörung an und schrieb, der Bruder existiere gar nicht.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Ich frage mich wirklich, welche Motivation dahinter steckt, erstens so eine Geschichte zu erfinden, zweitens sie als Wahrheit zu verkaufen und drittens auch noch jede Menge Energie darauf zu verwenden, sie viral werden zu lassen. Unser Frankreich-Korrespondent erklärt die Hintergründe dieses krassen Falls von Cybermobbing, gegen den sich die Macrons inzwischen vor Gericht wehren.
Block-Prozess: Die Eltern wollten das Wohl der Kinder? Welch eine Farce
Zu den Geschichten, bei denen sich Abgründe auftun, gehört auch der Kriminalfall Block, der gerade vor dem Hamburger Landgericht läuft. Wäre ich Lektorin eines Belletristik-Verlages, ich würde den Plot mit den Keywords, die der Prozess hergibt, wegen Überdrehung durchfallen lassen.

Ich zähle mal auf: Steakhaus-Erbin, Kindesentführung, Israelischer Geheimdienst, Promi-Sportmoderator, Promi-Anwalt, Kinderpornografie und nun auch noch Königshaus. Welche Legenden dahinter stecken, welche Lügen und was die Wahrheit ist? Klar ist nur: Dass die Eltern ihren Antrieb mit dem Wohl der Kinder erklären, ist eine Farce. Denn in dieser Hinsicht haben sie voll versagt. Unsere Hamburger Redaktion begleitet den Prozess von Anfang an, hier finden Sie die neuesten Berichte.
Verschleppt vor sieben Jahren: Das Drama um Sonja Nientiet
Besonders getroffen hat mich in dieser Woche das Drama um Sonja Nientiet. Die deutsche Krankenschwester wurde vor sieben Jahren in der somalischen Hauptstadt Mogadischu entführt. Damals arbeitete sie für das Internationale Rote Kreuz. Im Frühjahr ist ein Video von ihr aufgetaucht – endlich ein Lebenszeichen. Christian Unger und Jan Jessen haben aufgeschrieben, was sie über den Fall wissen und warum es die Bundesregierung bisher nicht geschafft hat, sie aus den Händen der Islamisten zu befreien.
Ich frage mich, wie es sein kann, dass der Fall einfach so in Vergessenheit geraten konnte. Warum gibt es nicht mehr Aufmerksamkeit? Liegt es an Afrika? Emotionalisiert uns der Kontinent nicht so wie zum Beispiel Israel? Oder Gaza?

Der Blick auf Sudan zeigt: Da könnte etwas dran sein. Dort kämpfen die Generäle der Armee und der paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) um die Macht, und zwar mit einer Rücksichtslosigkeit, die kein Beispiel findet. Das Ergebnis: Bomben, Hunger, Plünderungen, 14 Millionen Vertriebene. Und nun die Eskalation. Die RSF nahm die letzte Großstadt der Region um Darfur ein. Und damit drohe eine Eskalation der ohnehin größten humanitären Katastrophe der Gegenwart, kommentierte meine Kollegin Gudrun Büscher die jüngste Entwicklung.
Das Blut, das im Sudan fließt, ist aus dem All zu sehen
Nur entschlossenes Handeln der Staatengemeinschaft könne ein weiteres Massaker verhindern, warnte sie. Nun, einige Tage später, ist klar: Das Massaker ist bereits eingetreten. Satellitenbilder zeigen das Ausmaß: Es ist so viel Blut geflossen, dass es aus dem All zu sehen ist. Mehr über den verheerenden Krieg und seine Hintergründe lesen Sie im Bericht von Philipp Luther.
Und nun möchte ich etwas leichter werden. Es geht um die Geldanlage. Ich wünsche mir zum Beispiel einen kleinen Barren Gold, den ich wegschließen kann – falls mal schlechtere Zeiten kommen. Ab und zu könnte ich ihn mir ansehen, das würde mir besser gefallen als Geld für irgendwelche abstrakten ETFs abbuchen zu lassen. Dass gerade der Goldpreis nachgibt? Es würde mich weniger treffen. Denn der Barren ist ja noch da.
Weinberg statt Gold: Diese Anlage würde auch mir gefallen
Zugegeben: Der Gedankenfluss passt nicht zu meinem langweiligen Sparplan. Doch immer mehr Italiener – wenn Sie meinen Newsletter regelmäßig lesen, wissen Sie, dass ich Italien sehr mag – toppen meine Irrationalität mit ihrer Emotionalität: Statt Gold kaufen sie Weinberge als Anlage. Darin können sie dann sogar herumlaufen, vielleicht fühlen sie sich dann wie Dagobert Duck, der regelmäßig mit einem Kopfsprung in seine Goldmünzen taucht. Und sie können ihren eigenen Wein trinken. Besonders beliebt sind die großen Anbaugebiete in der Toskana und im Veneto; die werden immer teurer. Unsere Italien-Korrespondentin Micaela Taroni erzählt den Trend, der sich unter wohlhabenden Italienern verbreitet.

Bleiben wir beim Thema Gewinnmaximierung. Darum drehen sich auch die Pläne bei DM. Die Drogeriekette ist nicht nur kräftig auf Expansionskurs im EU-Ausland, sondern greift auch zunehmend die Apotheken an. So solle es künftig über den Online-Handel nicht verschreibungspflichte Medikamente geben. Außerdem laufen Planungen für Augen-, Haut- und Bluttests. Tobias Kisling und Katharina Engeln haben den Chef ziemlich kritisch befragt, was sich für Kunden ändern soll und ob die Ausweitung der Dienstleistungen womöglich das Apothekensterben anzeigt. Wie der CEO Christoph Werner antwortet, lesen Sie hier.
Ich muss ganz ehrlich sagen: Selbst beim Schnupfenspray bin ich froh, wenn mich eine Apothekerin fachgerecht beraten kann. Weil sie weiß, wie das Zeug wirkt, wo die Gefahren liegen und vor allem: Welche Alternativen es gibt. Neulich, als es mich kräftig erwischt hatte, riet sie mir glatt dazu, mich zwei Tage ins Bett zu legen. Was soll ich sagen: Ich habe den Rat befolgt. Das Schnupfenspray habe ich aber trotzdem genommen.
Wie immer wünsche ich Ihnen einen erholsamen Sonntag,
Ihre Birgitta Stauber




