Niemand kann sagen, wie das Gerücht entstanden ist. Wer es verbreitet hat, aber schon: Zehn Personen im Alter von 41 bis 60 Jahre müssen sich ab Montag in Paris wegen Online-Mobbing rechtfertigen. Sie hatten in den sozialen Medien das Geschlecht von Brigitte Macron in Frage gestellt und sie als Mann oder Transfrau hingestellt. Daraus ergaben sich Mutmaßungen über das Präsidentenpaar, bis hin zum Vorwurf der Pädophilie: Brigitte, die 39-jährige Lehrerin, solle den mit 14 Jahren noch minderjährigen Emmanuel Macron verführt haben. Die Macrons setzen den Zeitpunkt ihrer Beziehung dagegen zwei Jahre später an.

Brigitte Macron reichte 2024 Klage gegen Unbekannt ein. Die Justiz hat nun acht Männer und zwei Frauen unter Anklage gestellt. Darunter sind unter anderem ein Werber, ein Lehrer und ein Informatiker. Eine wichtige Rolle spielten die beiden Frauen: Die freie Journalistin Natacha Rey (Pseudonym) und das selbst ernannte „Medium“ Amandine Roy hatten das Trans-Gerücht über einen Youtube-Kanal ausgebreitet. Darauf schwappte es unaufhaltsam durch die sozialen Medien, das größte Echo fand es in amerikanischen Trump-Kreisen.

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Brigitte Macron: Berufungsgericht wies ihre erste Klage ab

Auf den ersten Blick scheint die Lage klar: Einer Frau – zumal einer Präsidentengattin – ohne Belege zu unterstellen, sie sei als Mann geboren und habe sich pädophiler Akte schuldig gemacht, ist ehrenrührig. Aber so einfach ist es offenbar nicht. Brigitte Macron und ihr Bruder Jean-Michel Trognieux – dessen Identität Brigitte laut Verschwörungstheoretikern übernommen haben soll – hatten bereits 2024 Klage wegen Diffamierung eingereicht. Im Juli wies ein Berufungsgericht die Klage ab. Mit einem eher kuriosen Argument: Eine Frau als Mann hinzustellen, sei nicht diffamierend, weil es ja nicht schändlich sei, trans zu sein und das Geschlecht zu wechseln.

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Macrons versuchen es deshalb jetzt nicht mehr mit dem Tatbestand der Diffamierung, sondern des Mobbings. Gegenüber den Ermittlern führte die First Lady aus, die Attacken machten ihr das Leben schwer: „Ich kann keinen Auslandbesuch unternehmen, ohne dass ich auf das Gerücht angesprochen werde. Es gibt nicht eine Präsidentengattin, die nicht auf dem Laufenden wäre.“

Brigitte Macron: So will sie beweisen, dass sie wirklich eine Frau ist

Unsicher ist das Schicksal einer weiteren Klage, die die Macrons in den USA angestrengt haben. Das Paar wirft der rechten Influencerin Candace Owens vor, sie habe die Gerüchte aus Frankreich unbesehen übernommen und daraus ihre millionenfach verfolgte Serie „Becoming Brigitte“ über die vermeintliche Geschlechtsumwandung fabriziert. Das sei rufschädigend.

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US-Anwälte warnen allerdings, dass die freie Rede in den USA sakrosankt sei; die Beweislast liege faktisch oft auf der Klägerseite. Nur weigerte sich Brigitte Macron bisher, einen klärenden DNA-Text vorzunehmen oder Fotos aus ihrer Kindheit oder ihrer Schwangerschaft zu veröffentlichen, um ihre Geschlechtszugehörigkeit zu beweisen. Sie stellt sich auf den Standpunkt, dass es nicht an ihr als Frau liege, zu beweisen, dass sie kein Mann sei. Diese Haltung bringt sie aber vor der US-Justiz nicht weiter. Die Macrons wollen jetzt deshalb auch private Fotos beibringen, die belegen sollen, dass die First Lady wirklich eine Lady ist.