Im Nahen Osten sehen wir bei verschiedenen Konflikten aus guten Gründen genau hin. Der 7. Oktober 2023, der Überfall der Hamas auf Israel, hat sich eingebrannt in unser kollektives Gedächtnis, weil er so unfassbar grausam war und einen Flächenbrand auslöste. Und im russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine kennen wir inzwischen alle Kriegsregionen, sind Experten in Waffen- und Drohnenkunde, wissen, wenn Russland wieder ein Krankenhaus oder einen Kindergarten bombardiert hat.
Aber vor der größten humanitären Krise der Gegenwart verschließen wir die Augen. Wo sie sich abspielt? Im Sudan – mitten in Afrika.
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Sudan – die Welt kennt keine schlimmere Krise
Dort tobt seit zwei Jahren ein brutaler Bürgerkrieg, dem jahrzehntelange Machtkämpfe vorausgegangen sind. Nach dem Sturz des Langzeitherrschers Omar al-Baschir 2019 war die Stimmung noch hoffnungsfroh, es sollte freie Wahlen geben. Doch dann griffen Armee und die paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) nach der Macht und schlugen jede Hoffnung brutal nieder. Seit 2023 bekämpfen sie sich bis aufs Blut. Ohne Rücksicht auf irgendetwas oder irgendjemanden.

Selbst Krisenhelfer sprechen von einer Katastrophe, wie sie sie noch nie gesehen haben. Die Menschen fliehen von einem Ort zum nächsten, vor Bomben, Hunger, Plünderungen und unvorstellbarer Gewalt. Es gibt 14 Millionen Vertriebene. Doch es gibt keine Hilfe. Wo bleibt der Aufschrei? Die Staatengemeinschaft sah und sieht dem Morden zu.
Nach der Einnahme von El Fascher, der letzten von der sudanesischen Regierung kontrollierten Großstadt in der Region Darfur, durch die RSF Ende Oktober ist Schlimmstes zu befürchten. Nur ein entschlossenes Eingreifen könnte neue Massaker verhindern und Zugang für humanitäre Hilfe verschaffen. Aber die Staatengemeinschaft bewegt sich nicht. Auch Gleichgültigkeit kann töten.



