Was hat Israel mit seinem Militärschlag auf ein Hamas-Büro in der katarischen Hauptstadt Doha am Dienstag gewonnen? Die Antwort auf diese Frage fiel am Tag danach nicht leicht – zumal noch nicht feststand, ob bei dem Angriff tatsächlich hochrangige Hamas-Kommandanten getötet wurden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Was Israel dabei verloren hat, war schon leichter zu beantworten: ein weiteres Stück seines Rückhalts der Verbündeten in der Welt. Denn die Empörung war groß – nicht nur unter Israels arabischen Verbündeten, sondern auch in Europa. Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte rasch und erklärte Dienstagabend, die „Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität Katars durch den heutigen israelischen Angriff ist nicht akzeptabel“. Er habe dies auch in einem Telefonat mit dem Emir von Katar deutlich gemacht, erklärte Merz auf X.

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Netanjahu in der Kritik – Israels Kriege an mehreren Fronten
Im Krisenmodus
 

Israel: Trump „nicht begeistert“ – aber stimmt das?

US-Präsident Donald Trump meinte, er sei „nicht begeistert“ von der israelischen Aktion. „Das war eine Entscheidung von Premierminister Netanjahu, nicht von mir“, betonte er in sozialen Medien. Zwar habe Israel ihn informiert, woraufhin die USA seinen Partner Katar in Kenntnis gesetzt hätten – allerdings erst zu einem Zeitpunkt, als der Angriff schon im Gange war. Hat Israel seinen wichtigsten militärischen Verbündeten tatsächlich vor vollendete Tatsachen gestellt? Oder ist das eher eine Schutzbehauptung Trumps, der Israel zwar grünes Licht für den Schlag gegeben hat, im Verhältnis mit Katar aber nicht sein Gesicht – und milliardenschwere Aufträge – verlieren will?

In Israel gibt es unter Expertinnen und Experten unterschiedliche Theorien. Eyal Pinko vom Begin-Sadat-Zentrum geht davon aus, dass Israel in Abstimmung mit den USA gehandelt hat. Die Empörung Trumps sei gespielt – und dasselbe gelte auch für die erbosten Reaktionen aus Doha. Es sei Katar ganz recht, dass Israel gegen die aktuelle Führungsriege der Hamas in Katar vorgehe: Sie gelte als zu träge in den Verhandlungen um eine Waffenruhe und überdies als irantreu. Der Schlag gegen die Hamas-Kommandanten in Katar gebe Doha die Option, eine loyalere Nachfolge auszuwählen, glaubt Pinko. „Für Katar ist das eine Win-win-Situation“, sagt Pinko. Und letztlich auch für Israels Armee: Die heikle Operation könnte dazu führen, dass der Gazakrieg früher beendet wird als gedacht. Schließlich sei der Druck auf die Hamas jetzt ungleich größer.

Rauchwolken in Doha am Dienstag: Israel will die Hamas weiter schwächen und schreckt dabei nicht vor der Verletzung territorialer Integrität zurück.
Rauchwolken in Doha am Dienstag: Israel will die Hamas weiter schwächen und schreckt dabei nicht vor der Verletzung territorialer Integrität zurück.© AFP | JACQUELINE PENNEY

Geiseln in Gaza: Früherer Mossad-Mann sieht Verhandlungen um Waffenruhe in Gefahr

Anders sieht das der frühere Mossad-Kommandant Rami Igra, der auf Geiselbefreiungs-Operationen spezialisiert war. Er fürchtet, dass der Angriff in Doha die Verhandlungen um eine Waffenruhe und die Freilassung der israelischen Geiseln gefährden könnte. Zwar sei es grundsätzlich wichtig, die Hamas nicht nur in Gaza, sondern auch in Katar, dem Iran und der Türkei zu bekämpfen, meint Igra in einem Interview mit dem Radiosender Reshet Bet. Jetzt, da sich immer noch 48 Geiseln in der Gewalt der Hamas befinden, sei aber der falsche Zeitpunkt dafür. Die Hamas-Führung in Katar habe sich als „flexibler“ erwiesen als jene in Gaza, meint Igra. Man habe es in künftigen Verhandlungen nunmehr mit einem Gesprächspartner zu tun, der weniger zu Zugeständnissen bereit sei. Die drohende Folge laut Igra: ein schlechter Deal – oder gar keiner.

Auf die Frage, wie sich der Schlag auf die Verhandlungen für eine Waffenruhe auswirken wird, sagt der amerikanische Botschafter in Israel, Mike Huckabee: „Die ehrliche Antwort ist: Wir wissen es einfach nicht. Die Hamas hat bis jetzt alles abgelehnt.“

Israels Schlag gegen Hamas in Katar: Ob das Ziel erreicht wurde, ist noch unklar

Der Zeitpunkt des israelischen Militärschlags war sorgfältig gewählt: Die Hamas-Führung in Katar hatte sich gerade zu Beratungen eingefunden – ausgerechnet über einen US-Vorschlag für einen neuen Deal zur Freilassung der Geiseln. Der Deal sah vor, dass alle Geiseln auf einmal freigelassen werden. Eine Antwort der Hamas auf den Vorschlag wurde in den kommenden Tagen erwartet. Das sei „die letzte Chance“, hatte Trump angekündigt. Manche Experten, wie etwa Eyal Pinko, gehen nun davon aus, dass der aktuelle US-Vorschlag nur ein Vorwand war – also eine Falle, um die Hamas-Granden gemeinsam in einen Raum zu bringen. Weniger konstruiert erscheint eine andere zeitliche Kausalität: Kurz bevor das Kommando zum Angriff kam, hatte die Hamas ihre Verantwortung für den verheerenden Terroranschlag auf einen öffentlichen Bus in Jerusalem am vergangenen Montag erklärt. Bei dem Attentat waren sechs Menschen ums Leben gekommen und 21 verletzt worden.

Ob Israels Militär und Geheimdienste ihr Ziel, die Führungsriege auszulöschen, überhaupt erreicht haben, ist weiter unklar. Die Hamas beeilte sich, Israels Euphorie über den Schlag zu trüben: Ob es Israel gelungen ist, führende Hamas-Kommandanten zu töten, ist unklar. Laut Hamas-Angaben waren die Getöteten keine hochrangigen Hamas-Leute und keine Mitglieder des Verhandlungsteams für eine Waffenruhe in Gaza. Bei dem Schlag sei aber der Sohn von Hamas-Kommandant Khalil al-Hayya ums Leben gekommen. Wie zuverlässig das ist, ist unklar. Die Hamas hatte in der Vergangenheit wiederholt bestritten, dass führende Kommandanten bei israelischen Schlägen getötet wurden – später haben sich diese Behauptungen dann als falsch erwiesen.

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