Der Gipfel in Alaska: roter Teppich, ausgiebiges Händeschütteln, ein Vieraugengespräch zwischen Wladimir Putin und Donald Trump im Auto, Nettigkeiten auf einer Pressekonferenz ohne Fragen – und dann: Abflug. War es das? Wohl kaum. Denn wenig erfahren haben wir bislang über die anderen Gespräche in Alaska. Neben Russlands Außenminister Sergej Lawrow waren auch Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow und Verteidigungsminister Andrej Beloussow dort. Und Kirill Dmitrijew, der Chef des russischen Direktinvestitionsfonds. Ein Mann aus der Wirtschaft, der sich auskennt mit Deals. Störende Sanktionen? Darüber konnte der russische Finanzminister Anton Siluanow mit seinem US-Kollegen Scott Bessent sprechen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Trump und Putin geht es um einen Neustart der bilateralen Beziehung. Politisch, aber vor allem auch wirtschaftlich. Für beide Seiten wichtig ist das Thema Luftverkehr. „Wahrscheinlich ist eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit in der Luftfahrt nicht ausgeschlossen“, sagt der russische Vizepremier Denis Manturow. Konkreter wird Dmitrijew: „Wir hoffen, dass diese Frage noch in diesem Jahr positiv gelöst werden kann.“ Sprich: Es könnte wieder Direktflüge zwischen Russland und den USA geben. Sankt Petersburg würde Drehkreuz werden, so Dmitrijew.  

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Überflugrechte in Russland würden den US-Airlines Wettbewerbsvorteile gegenüber europäischen Fluggesellschaften bringen. Denn die müssen etwa in Richtung Asien wegen der EU-Sanktionen auch weiterhin den russischen Luftraum meiden. Das bedeutet längere Strecken, größeren Treibstoffverbrauch, höhere Ticketpreise. Und auch russische Airlines hätten Vorteile. Vor der Verhängung der Sanktionen betrieb etwa die Aeroflot direkte Linienflüge nach Los Angeles, New York, Washington und Miami.

Russland fehlt es an Technologie

Doch es geht um mehr: Seit der Verhängung der Sanktionen kann Russland keine Flugzeuge und Ersatzteile mehr im Westen kaufen. Notwendige Teile für Boeing-Flugzeuge importiert das Land seitdem über Drittländer. Russland würde aber auch gerne neue Flugzeuge kaufen. Und das könnte zum Riesengeschäft für den US-Hersteller Boeing werden. Laut „Bloomberg“ werde zurzeit ein Deal zwischen Moskau und Washington ausgelotet. Russland kauft bei Boeing, bezahlt würde mit eingefrorenen Finanzmitteln in den USA. Angeblich sind dort fünf Milliarden US-Dollar der russischen Zentralbank geblockt. Erforderlich wäre dazu die Aufhebung der US-Sanktionen. „Die Vereinigten Staaten werden nicht über wirtschaftliche Lockerungen sprechen, solange kein Waffenstillstand erreicht worden ist“, betont Brian Hughes, Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA gegenüber „Bloomberg“. Ob das so bleibt?

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„Russland und die Vereinigten Staaten haben sich in den Bereichen Handel, Energie, Digitaltechnik, Hochtechnologie und Weltraumforschung viel zu bieten“, lockte Putin beim Gipfel in Alaska. Dem wollte Trump nicht widersprechen: „Wir haben auch einige großartige Geschäftsleute und andere hier. Wenn Sie mit uns zusammenarbeiten möchten, freuen wir uns darauf.“

Doch wie könnte das gehen? „Das Hauptproblem unserer Wirtschaft ist derzeit der Mangel an Technologie“, meint Alexander Schirow, der Direktor des Instituts für Wirtschaftsprognosen der Russischen Akademie der Wissenschaften. Hier könnten US-Unternehmen in die Bresche springen. Nur etwa 13 Prozent der amerikanischen Firmen hätten Russland nach Kriegsbeginn vollständig verlassen, so die Zeitung „Nowaja Gaseta“. Sie könnten zurückkommen. Beispiel: Hersteller von Landmaschinen. „Sie werden bei der kleinsten Gelegenheit zurückkehren“, sagt ein Agrarexperte gegenüber der Zeitung. Für sie bleibe der russische Markt äußerst attraktiv und sie möchten ihn nicht an chinesische Mähdrescher- und Traktorenhersteller abgeben.

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USA und Russland: Auch bei Energie bahnt sich eine Zusammenarbeit an

Zusammenarbeit zwischen Russland und den USA soll es auch in Sachen Energie geben. Laut der Nachrichtenagentur Reuters diskutiert man die Möglichkeit eines Wiedereinstiegs des US-Energieriesen ExxonMobil in das russische Öl- und Gasprojekt Sachalin-1. Zudem gehe es um den möglichen Kauf von US-Ausrüstung für russische Flüssiggas-Projekte. Exxon hatte sich nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine 2022 aus seinem Russland-Geschäft zurückgezogen.

Der 30-prozentige Betreiberanteil an dem Projekt Sachalin-1 im Fernen Osten Russlands wurde im selben Jahr von Russland beschlagnahmt. Gespräche darüber hätten während der letzten Reise des US-Sondergesandten Steve Witkoff nach stattgefunden. Witkoff traf sich damals mit Präsident Putin und Kirill Dmitrijew.

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Nicht nur um die Wirtschaft geht es bei der sich anbahnenden Freundschaft zwischen den USA und Russland. „Es besteht Potenzial für eine deutliche Verbesserung der Beziehungen, einschließlich der Rüstungskontrolle und der Zusammenarbeit in Bereichen wie Handel, Energie, Weltraum, Arktis und Ressourcen“, zitiert die Nachrichtenagentur RIA Nowosti Alan Cafruni, Professor für internationale Beziehungen am amerikanischen Hamilton College.

Die entscheidende Frage aber ist: Bleibt das Ende des Ukraine-Krieges für Donald Trump ein wichtiger Punkt oder wird dies angesichts glänzender Profitaussichten für ihn zur Nebensache. Noch droht Trump mit einem „Wirtschaftskrieg“, ab sofort sind Strafzölle gegen Russlands Handelspartner Indien in Kraft. Bald könnte das anders sein.