„Die Würfel sind gefallen“, sagte ein Vertrauter von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu gegenüber der Nachrichtenplattform Ynet: „Wir gehen jetzt zur vollständigen Besatzung des Gazastreifens über.“

Wird Israels Armee tatsächlich auch noch die verbleibenden 25 Prozent des Gazastreifens besetzen – und womöglich jahrelang dort bleiben?

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Gaza: Israels Generalstabschef bringt zentrales Argument gegen komplette Besetzung vor

Fakt ist: Israels Generalstabschef Ejal Zamir ist strikt dagegen, die Offensive in Gaza noch einmal auszuweiten und in jene Gebiete vorzudringen, die derzeit nicht in der Hand des israelischen Militärs sind. Dabei geht es vor allem um Gebiete im Zentrum des Gazastreifens und um Gaza-Stadt. Die Geheimdienste vermuten, dass sich ein Großteil der Geiseln dort befindet – lebend und tot.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Zamirs Argument: Die Expansion würde im Kampf gegen die Hamas wenig bringen, sie drohe aber das Leben der Geiseln zu gefährden, und könnte dazu führen, dass die Familien der ermordeten Geiseln ihre Angehörigen nicht zurückbekommen.

Zudem hat die Armee gerade erst zwei Reservistenbataillone aus Gaza abgezogen. Den Truppen geht langsam die Energie aus. Immer mehr Fälle von Burnout unter den Reservisten kommen an die Öffentlichkeit.

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Netanjahu in der Kritik – Israels Kriege an mehreren Fronten
Im Krisenmodus
 

Gaza: Zehntausende israelische Soldaten müssten mobilisiert werden

Eine Ausweitung der Offensive würde aber bedeuten, dass Zehntausende Soldaten mobilisiert werden müssten – noch dazu für eine heikle Mission. Die Armee müsste sich auf Guerillakämpfe einstellen, mit hohem Risiko für die israelischen Bodentruppen.

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All diesen Argumenten des obersten Militärs zeigt sich Netanjahus Regierung zumindest nach außen hin kaum zugänglich. „Wenn es ihm nicht passt, sollte er zurücktreten“, soll Netanjahus Vertrauter laut Ynet über den Armeechef gesagt haben.

Widerstand kommt aber nicht nur aus dem Militär. Auch die allermeisten Angehörigen der israelischen Geiseln lehnen eine Ausweitung der Gaza-Operation ab. Ob Israels Regierung den Rückhalt Washingtons für eine weitere Expansion haben würde, ist ebenfalls zu bezweifeln.

Israel: Netanjahu könnte die Hamas mit seiner Ankündigung unter Druck setzen

Bleibt die Frage: Welchen Zweck verfolgt Netanjahu mit der Kampagne? Vieles deutet darauf hin, dass die angekündigte Expansion nur Rhetorik ist: Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner Bezalel Smotritsch und Itamar Ben-Gvir sind seit der Ausweitung der humanitären Korridore in Gaza höchst nervös. Sie müssen ihren Fanbasen demonstrieren, dass sie in der Regierung noch Einfluss haben – und die vollständige Besetzung Gazas wäre ein solches Signal.

Die Rhetorik könnte aber auch auf die Hamas abzielen und sie unter Druck setzen, einem Waffenruhe-Deal zuzustimmen.

Displaced Gather to Receive aid From The US Humanitarian Aid Distribution in Gaza
Bewohner Gazas auf dem Weg zur Verteilstation: Israels Armee könnte die noch nicht eingenommenen Gebiete in Gaza umzingeln. © UPI/laif | UPI/laif

Gaza: Für Israels Armee gibt es mehrere Szenarien

Noch ist ohnehin nichts entschieden. Eine Expansion des Kriegs müsste von Netanjahus Kabinett verabschiedet werden, das erst im Lauf dieser Woche tagen soll.

Die Armee wartet seit längerer Zeit darauf, dass die politische Führung für den weiteren Verlauf in Gaza eine Richtung vorgibt. Sollte es nicht zur nun kolportierten Expansion kommen, gäbe es mehrere andere mögliche Szenarien: So könnte die Armee dazu übergehen, die betreffenden Gebiete zwar nicht einzunehmen, aber zu umzingeln. Auch eine Annexion der Gebiete nördlich von Gaza-Stadt sowie der Pufferzone im Osten des Gazastreifens an Israel wird diskutiert.