Auf einem Zettel führt er Tagebuch darüber, was er an Mahlzeiten zu sich genommen hat. Am Samstag: Linsen. Am Sonntag: nichts. Montag: Linsen, Dienstag: nichts. Mittwoch, Donnerstag, Freitag: drei Tage in Folge ebenfalls nichts.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Bis aufs Skelett abgemagert sieht man die israelische Geisel Eviatar David, wie er in einem Tunnel in die Kamera spricht. Wie oft er den Text aufsagen musste, bis die Terroristen, die ihn gefangen halten, mit dem Ergebnis zufrieden waren, weiß man nicht. Eines durfte wie in allen Propagandavideos der Hamas und des Palästinensischen Islamischen Dschihad (PIJ) auch in diesem Horrorvideo nicht fehlen: Der Vorwurf an Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, er habe die Geiseln aufgegeben. Der Text für dieses Video stammt von jenen Terroristen, die die Geiseln seit dem 7. Oktober 2023 gefangen halten und schwerer Folter aussetzen.

In diesem von der Terrororganisation Hamas zu Propagandazwecken veröffentlichten Video ist Eviatar David zu sehen, bis auf die Knochen ausgehungert.
In diesem von der Terrororganisation Hamas zu Propagandazwecken veröffentlichten Video ist Eviatar David zu sehen, bis auf die Knochen ausgehungert. © AFP | -

Geiseln der Hamas: Gezwungen, das eigene Grab zu schaufeln

Die zwei Videos von Eviatar David und ein weiteres von der deutsch-israelischen Geisel Rom Braslavski wurden im Abstand von drei Tagen veröffentlicht. Beide zeigen junge Männer am Ende ihrer Kräfte – seelisch und körperlich. Eviatar David, 23 Jahre alt, wird gezwungen, vor laufender Kamera sein eigenes Grab zu schaufeln.

„Jeder Zentimeter meines Körpers schmerzt“, sagt Avishai David, nachdem er das Video gesehen hat, auf dem sein Sohn all Kraft zusammennehmen muss, um sprechen zu können. „Ich hätte nie gedacht, Eviatari eines Tages so sehen zu müssen“, sagt David im Interview mit dem Radiosender Kan Reshet B. „Er ist mein Sohn, ich spüre jede seiner Zellen.“

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So sah Eviatar Davidvor seiner Entführung aus: Der Folter der Hamas ausgesetzt, ist er kaum wiederzuerkennen. © Getty Images | Ian Forsyth

Hamas setzt Propaganda-Videos zur psychologischen Kriegsführung ein

Seit fast 22 Monaten befindet sich David in der Gewalt der Terroristen in Gaza. Er hatte am 7. Oktober 2023 das Nova-Festival im Süden Israels besucht und war von dort mit seinem Freund Guy Gilboa-Dalal nach Gaza verschleppt worden. Rom Braslavski hatte am Festival als Ordner gearbeitet.

Die Videos sind Teil der psychologischen Kriegsführung der Hamas: Sie soll dazu beitragen, Israels Gesellschaft zu verunsichern und zu spalten und die israelische Führung zu einer Entscheidung unter Druck zu setzen.

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Netanjahu in der Kritik – Israels Kriege an mehreren Fronten
Im Krisenmodus
 

Druck auf Israel steigt – Hamas will das ausnutzen

Es ist kein Zufall, dass die Hamas ihre psychologische Manipulation ausgerechnet jetzt intensiviert. Der ausländische Druck auf Israel, den Krieg in Gaza zu beenden, ist angesichts des Hungers im Gazastreifen so groß wie nie zuvor. Das Video des Deutsch-Israelis Rom Braslavski wurde am Donnerstag veröffentlicht – jenem Tag, als sich Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) in Israel befand. Zudem stocken die Gespräche für ein neues Waffenruhe-Übereinkommen zwischen Israel und der Hamas.

Die Geiseln sind das größte Asset der Hamas in diesen Verhandlungen. Während ihre Eltern in Israel um das Leben ihrer Söhne fürchten, setzen die Terroristen sie als Trumpf ein, um das zu erreichen, was sie wollen: Ein Ende der Kämpfe in Gaza und einen Abzug der israelischen Truppen.

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Israels Regierungschef Netanjahu hat nun die Vorgaben für die Verhandlungen geändert: Anstatt eines Deals in mehreren Etappen setzt er sich – wohl auf Druck der USA – für ein Übereinkommen ein, in dem alle Geiseln auf einmal freigelassen werden. Das würde jedoch voraussetzen, dass der Krieg beendet wird – und dem stellen sich seine rechtsextremen Koalitionsmitglieder Bezalel Smotritsch und Itamar Ben Gvir entgegen.