Liebe Leserin, lieber Leser,
früher war es die Schokolade am Nachmittag, die Pasta am Abend, das Bierchen danach, das wir weglassen sollten, um der Waage Paroli zu bieten. Von allem einfach weniger, so lautete die Parole. Oder kurz FDH, Friss die Hälfte.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
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Heute ist vor allem von Fettverbrennung die Rede. Der Dreiklang dazu: Stoffwechsel ankurbeln, Ernährung umstellen, Sport treiben. Das ist aber gar nicht so einfach, weswegen Expertenwissen gefragt ist: Über Proteine, richtige und falsche Ballaststoffe, die Wirkung von Süßigkeiten und Alkohol. Meine Freundin, mitten in den Wechseljahren und entsprechend im Stoffwechseltief, hat all die Empfehlungen akribisch angenommen. Morgens Haferflocken mit Quark, mittags ein paar Vollkornnudeln, abends Huhn mit Spinat. Dazwischen Laufrunden und Gewichte heben, wochenlang. Sie habe ständig Hunger, sagt sie. Sei erschöpft vom Sport. „Und“, frage ich, „wie viele Kilo sind weg?“ Sie zuckt die Schultern. „Wenigstens nehme ich nicht zu.“
Michael Schanze verliert mit Ozempic 70 Kilo – so geht es ihm dabei
Nun geht es bei meiner Freundin um drei oder vier Kilo bis zum Idealgewicht. Abnehmen müsste sie gar nicht. Wenn es ihr schon so schwer fällt, was machen dann Menschen mit Adipositas? Die abnehmen müssen, nicht für die Optik, sondern weil das Übergewicht eine zu große Belastung für den Körper ist? Michael Schanze, der Kult-Moderator aus den 1970er-Jahren, hat über die Jahrzehnte mächtig zugelegt. 198 Kilo brachte er zuletzt auf die Waage – und dann bekam er Ozempic, die Abnehmspritze. Jetzt wiegt er „nur“ noch 122 Kilo. Tendenz: sinkend.
Also braucht es die Vollkorn-Quark-Hühnchen-Diät gar nicht? Einfach spritzen, das wars? Im Interview erklärt der 78-Jährige meiner Kollegin Petra Koruhn, warum eine Ozempic-Diät immer noch hart ist, aber machbar. Ärztliche Kontrolle, sagt Schanze, sei absolut wichtig.
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Genau darauf haben aber immer mehr Menschen keine Lust, also boomt der anonyme Handel mit der Spritze über die sozialen Medien. Ich werde auch mit Werbung überschüttet, dabei will ich gar nicht abnehmen. Ich fürchte, der Algorithmus kennt mein Unterbewusstsein besser als ich mir eingestehen möchte. Offenbar gibt es eine Menge Leute, die sich spritzen, ohne zu wissen, was sie da langfristig anrichten. Ozempic ist wohl der nächste Baustein, mit dem sich die Lifestyle-Szene verjüngt – nach Viagra und Botox.

Die 26-jährige Christine gehört nicht in diese Szene. Sie suchte zunächst einen Arzt, der ihr die Abnehmspritze verschreibt und sie begleitet. Schließlich wog sie 122 Kilo bei einer Körpergröße von 1,66 Meter. Sie ging in ein Adipositas-Zentrum, ließ sich beraten. Doch der Arzt dort riet ihr ab, das Rezept bekam sie nicht. Sie bestellte die Spritze trotzdem – und nahm kräftig ab. Meine Kollegen Anne-Kathrin Neuberg-Vural und Ferdinand Heimbach hat sie erzählt, wie das funktionierte. Die beiden haben sich das noch mal von Experten einordnen lassen. Ob der Weg von Christine gut war? Lesen Sie ihre Geschichte – und bilden Sie sich ein eigenes Urteil.
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Nun zur Politik, genauer: Zu Katherina Reiche. Die Wirtschaftsministerin und CDU-Politikerin ist eine der schillerndsten Figuren im Merz-Kabinett, schreibt meine Kollegin Theresa Martus. Ost-Biografie, West-Karriere, Top-Managerin, dreifache Mutter – und jetzt auch noch liiert mit Theodor zu Guttenberg. Richtig, das ist der einstige Star der CSU, der über seine abgeschriebene Doktorarbeit stolperte.
Katherina Reiche soll den Geist ihres Vorgängers Robert Habeck verschwinden lassen
Theresa Martus war mit der Ministerin unterwegs, um herauszufinden, ob sie wirklich, wie von ihr erwartet, als eine Art „Politik-Exorzistin“ Habecks Geister aus der Wirtschaftspolitik treiben kann. Ihr Fazit: Reiche ist tatsächlich eher eine Zurück-Ministerin. Windkraft? Photovoltaik? Energiewende? Die CDU-Spitzenfrau will erst mal ein Monitoring – was Kritiker als Bremse verstehen.

Und nun ein Thema, was in dieser Woche viele Menschen aufgewühlt hat: Es ist der dramatische Tod von Laura Dahlmeier. Die junge Frau hat schon fasziniert, als sie noch als Biathletin Goldmedaillen für Deutschland holte. Dann wurde sie eine der besten Bergsteigerinnen der Welt – und fand am Laila Peak in Pakistan den Tod. Ihre Energie, ihr Respekt vor der Natur, ihre Mahnung, für ihre Bergung nach einem Unfall dürfe kein Leben aufs Spiel gesetzt werden: Auch Menschen, die sich weder für Biathlon noch für Bergsport interessieren, sind emotional betroffen vom Tod dieser Persönlichkeit.
Ein großes Vorbild: Zum Tod von Laura Dahlmeier
Mein Kollege Tobias Kisling, selbst begeisterter Bergsportler, mahnt den Respekt vor der Natur an – ganz im Sinne Laura Dahlmeiers. Ihn regt es auf, wenn Familien mit Halbschuhen im Hochgebirge unterwegs sind. „Berge verkommen mehr und mehr zum Abenteuerspielplatz“, schreibt er in seinem Kommentar. Die Bergwachten müssten täglich ausrücken, um unerfahrene und unausgerüstete Freizeitsportler vom Berg zu holen, die nur für das nächste Selfie unterwegs seien.
Ich selbst bin oberhalb des Gardasees auch mal in eine mulmige Situation geraten – mit Freunden und Kindern. Es war Ostern, und der schmale Pfad zwischen Felswand links und spektakulärer Sicht auf den See rechts verschwand plötzlich in Schneeresten, in die wir bis zum Knie einsackten. Ob unter dem Schnee der Abgrund war? Wir wussten es nicht und kehrten um, obwohl der Rückweg auf das Hochplateau viel mühsamer war als unser geplanter Abstieg.
Und nun noch ein Wort zum Wetter. Es sollte ja ein Hitzesommer werden, doch noch habe ich meine Bewässerungsanlage für den Balkon nicht mal ausgepackt. Zumindest in Berlin regnet es derzeit mehrmals täglich. War es das mit dem Sommer? Mein Kollege Maik Henschke hat einen Experten vom Deutschen Wetterdienst befragt. Er sagt, wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben. Ich verlasse mich da lieber auf meinen Urlaub Ende des Monats in Richtung Süden.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine schöne Sommerwoche, ob sie selbst gerade im Urlaub sind, noch darauf warten oder zu Hause bleiben.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Birgitta Stauber
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