Es verhält sich wie bei kommunizierenden Röhren. Je vehementer Donald Trump seine verblichene Freundschaft zu dem in Haft durch Suizid gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein kleinredet, desto mehr Details aus der schillernden Vergangenheit der beiden Männer kommen heraus, die eine spezielle Gemeinsamkeit verband. Wie diverse Videos, Fotos und Zeugenaussagen nachweisen, stellten sie auf Partys, in Nachtclubs und bei anderen privaten Veranstaltungen regelmäßig jungen Frauen nach.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dazu passt die Episode, die sich 1992 im Florida-Domizil Mar-a-Lago des heutigen US-Präsidenten zutrug. Die „New York Times“ hatte darüber bereits vor sechs Jahren berichtet, die süffige Anekdote aber jetzt im Lichte des größer gewordenen Epstein-Skandals, der Trump die bisher schwerste Krise seiner zweiten Präsidentschaft beschert hat, noch mal recycelt. 

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Damals veranstaltete der Geschäftsmann George Houraney auf Wunsch von Trump in dessen Ressort einen „Kalendergirl“-Wettbewerb. Dazu ließ er nach eigenen Angaben 28 junge Frauen einfliegen. Als Houraney seinen Auftraggeber fragte, welche VIPs zu der Party kommen, fiel die Antwort verblüffend aus: „Es waren er und Epstein.“ Houraney ließ sich 2019 mit dem Satz zitieren: „Hör mal, Donald, ich kenne Jeff sehr gut, ich kann nicht zulassen, dass er jüngere Mädchen anbaggert.“ Antwort Trump: „Hör mal, ich setze meinen Namen dafür ein. Ich würde meinen Namen nicht dafür hergeben und einen Skandal riskieren.“

Autor behauptet: Trump und Epstein wie „Waffenbrüder”

Den gab es trotzdem. Die damalige Freundin und Geschäftspartnerin von Houraney, Jill Harth, beschuldigte Trump später, sich in der Partynacht unangemessen verhalten zu haben. In einer Klage behauptete Harth, Trump habe sie in ein Schlafzimmer gezogen, gewaltsam geküsst, begrapscht und am Verlassen des Zimmers gehindert. 

Harth erklärte außerdem, dass Trump in besagter Zwei-Männer-und-viele-Frauen-Nacht ungefragt zu einer 22-Jährigen ins Bett gestiegen sei. Die Klage wurde 1997 zurückgezogen, nachdem sich Trump und Houraney in einem anderen Fall außergerichtlich geeinigt hatten. Selbstredend: Trump warf die Vorwürfe gegen ihn zurück. 

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Damals waren Trump und Epstein, wie der Enthüllungsautor Michael Wolff jüngst sagte, so etwas wie „Waffenbrüder“. Soll heißen: Eng im Leben des jeweils anderen verwurzelt. So sehr, dass Trump noch 2002 über seine Bromance zu Epstein in einem Interview mit dem „New York Magazine“ voller Stolz sagte: „Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Er ist ein großartiger Kerl. Es macht viel Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele davon sind eher jünger.“ Epstein selber sagte Wolff, dass Trump über zehn Jahre „sein bester Freund“ gewesen sei.

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Vor diesem Hintergrund wirke der jüngst vom „Wall Street Journal“ zutage geförderte und vor sexuellen Anspielungen triefende Geburtstagsgruß Trumps (der wieder alles bestreitet und zehn Milliarden Dollar Schmerzensgeld verlangt) zu Epsteins 50. Geburtstag 2003 nach Ansicht von US-Kommentatoren „um so entlarvender“.

Wie nahe sich Trump und Epstein standen bis zu ihrem Zerwürfnis, das auf 2004 datiert und auf ein umstrittenes Immobilien-Geschäft in Florida zurückgehen soll, zeigt auch die – ebenfalls bekannte – Personalie Virginia Giuffre. Gerichtsakten belegen, dass die 2022 zu 20 Jahren Haft verurteilte „Zuhälterin“ Epsteins, Ghislaine Maxwell, die damals 17-jährige Angestellte des Spa-Klubs von Mar-a-Lago als Privat-Masseuse für Epstein rekrutiert hatte. 

Epstein-Ex erzählt von verstörendem Erlebnis mit Trump

Giuffre, die im Frühjahr dieses Jahres im Alter von 41 Jahren in Australien Suizid beging, hatte ausgesagt, sie sei von Epstein/Maxwell, die einen Ring zur sexuellen Ausbeutung junger Frauen betrieben hätten, dazu gezwungen worden, prominenten Männern für sexuelle Gefälligkeiten zur Verfügung zu stehen. Darunter: Prinz Andrew, Mitglied des britischen Königshauses, der die Vorwürfe bis heute zurückweist, obwohl ihn Fotos mit Giuffre zeigen.

Trump soll die Epstein-Akten veröffentlichen, wird per Projektion gefordert.
Trump soll die Epstein-Akten veröffentlichen, wird per Projektion gefordert.© AFP | ALEX WROBLEWSKI

Trumps Bemühungen, sich von Epstein zu distanzieren und den zwielichtigen Umgang seines Justizministeriums mit geheim gehaltenen Ermittlungsakten zu verharmlosen, der an seiner Wählerbasis Vertuschungsvorwürfe ausgelöst hat, erhielten auch durch die jüngsten Aussagen von Stacey Williams einen Dämpfer. 

Das ehemalige Bademoden-Model war Anfang der 90er Jahre mehrere Monate mit Epstein zusammen. Aus dieser Zeit berichtete sie am Wochenende in US-Medien: „Der einzige Freund, den er jedes Mal erwähnte, wenn wir uns sahen oder telefonierten, war Donald. Sie standen sich sehr nahe und hatten nichts Gutes im Sinn. Es ist ganz klar, dass es nicht ums Backen oder Angeln ging.“ 

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1993, so Williams, sei sie selbst Opfer geworden. Epstein, schon damals ein reicher Finanzinvestor, habe „Witze darüber gemacht, dass Donald mich heiß fand und mit mir reden will“. Bei einem gemeinsamen Besuch im Trump Tower in New Yorker habe Trump sie dann vor den Augen Epsteins belästigt. „Seine Hände waren überall an mir. Sie waren an meinen Brüsten, sie waren an meinem Hintern. Sie waren, wissen Sie, an meinen Hüften, oben und unten, während die beiden einfach weiter ein normales Gespräch führten“, erzählte Williams dem Sender CNN. Der Übergriff habe ein paar Minuten gedauert. Sie sei wie erstarrt und geschockt gewesen. Als sie zur Fifth Avenue zurückkehrten, sei Jeffrey Epstein wie in Rage gewesen. „Er sah mich an und fing einfach an, mich anzuschreien: ‚Warum hast du ihn das tun lassen?’“