Am Donnerstag überschlugen sich die Ereignisse: Die britische Polizei nahm am Morgen Andrew Mountbatten-Windsor fest. Anschließend wurde er stundenlang festgehalten und erst am Abend wieder auf freien Fuß gelassen. Der ehemalige Prinz steht im Verdacht, in seiner Zeit als britischer Handelsgesandter vertrauliche Berichte an den verurteilten US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben zu haben.

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König Charles III. hatte Andrew wegen des Epstein-Skandals bereits Ende vergangenen Jahres alle Titel und Ehren entzogen und ihn zum Auszug aus der Royal Lodge aufgefordert, nachdem postum die Memoiren („Nobody‘s Girl“) des Epstein-Opfers Virginia Louisa Roberts Giuffre erschienen waren. Sie hatte darin detailliert ihren Vorwurf erneuert, der damalige Prinz habe Sex mit ihr gehabt, als sie erst 17 war. Ein Rechtsstreit zwischen Giuffre und Andrew war 2022 in den USA außergerichtlich beigelegt worden.

Giuffre sprach als bekanntestes Opfer unerschrocken über den Missbrauchsskandal um den 2019 verstorbenen Epstein: Sie hatte sich im April 2025 im Alter von 41 Jahren das Leben genommen. Geboren wurde sie im August 1983 als Virginia Louise Roberts in Sacramento, Kalifornien.

Ihre Anwältin Karrie Louden bestätigte nach Giuffres Tod der australischen Nachrichtenagentur AAP, sie habe sich auf ihrer Farm in Westaustralien das Leben genommen. „Wir stehen alle unter Schock“, hatte sie erklärt. Die Mutter von drei Kindern sei eine Inspiration gewesen. Louden betonte seinerzeit, es sei eine Ehre gewesen, mit jemandem zusammenzuarbeiten, der sich so sehr für die Opfer von sexuellem Missbrauch eingesetzt habe.

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Virginia Giuffre: Im Teenager-Alter traf sie auf Epstein-Komplizin Maxwell

Giuffre hatte bereits zuvor mit ihren Aussagen Andrew in große Bedrängnis gebracht. Sie warf ihm vor, beim oben erwähnten Treffen in London missbraucht zu haben. Auch Epstein und dessen zeitweise Lebensgefährtin und Komplizin Ghislaine Maxwell seien anwesend gewesen. Die beiden betrieben einen Sexhandelsring mit Minderjährigen.

Maxwell soll Giuffre bereits im Alter von 16 Jahren „rekrutiert“ haben, die Ende der 1990er Jahre in der Hotelanlage Mar-a-Lago des späteren US-Präsidenten Donald Trump gearbeitet hatte. Dort soll sie 1998 von Maxwell angesprochen worden sein. In Thailand soll Giuffre schließlich ihren späteren Ehemann Robert Giuffre kennengelernt haben. Sie brach den Kontakt zu Epstein ab, zog mit ihrem neuen Mann nach Australien und bekam mit ihm drei Kinder. Später sagte Giuffre, ihr Ehemann habe sie jahrelang körperlich misshandelt.

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Prinz Andrew gab verhängnisvolles Interview

Andrew hingegen hatte – als er noch den Prinzentitel trug – versucht, in einem BBC-Interview den Verdacht gegen sich zu zerstreuen. Doch das misslang gründlich. Der zweitälteste Sohn von Queen Elizabeth II. verstrickte sich in Widersprüche. Das Interview wurde später sogar zur Grundlage einer Netflix-Verfilmung.

Zweifel an Andrews Darstellung nährte unter anderem ein Foto, das ihn und Giuffre beim besagten Treffen Arm in Arm zeigen soll. Im Bild ist auch Maxwell zu sehen, die für ihre Rolle in dem Skandal zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde. 

Missbrauchsskandal um Epstein - Prinz Andrew
Dieses undatierte, vom US-Justizministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt Prinz Andrew, Virginia Giuffre und Ghislaine Maxwell (v.l.n.r.).© Us Department Of Justice/PA Media/dpa | Us Department Of Justice

Andrews Beteuerungen, sich nicht an Giuffre zu erinnern, wirkten unglaubwürdig. Vor allem aber war es der Mangel an Mitgefühl gegenüber den Opfern Epsteins, der Andrew zum Verhängnis wurde. Er bereute nicht einmal, mit dem verurteilten Sexualstraftäter, der einen Missbrauchsring mit Dutzenden Opfern betrieben hatte, befreundet gewesen zu sein.

Jet-Set-Leben mit Epstein und Maxwell

Die 1983 in den USA geborene Giuffre, die vor ihrer Hochzeit Roberts hieß, stammte aus schwierigen Verhältnissen. Sie wurde eigenen Angaben zufolge im Jahr 2000 von Maxwell als persönliche Masseurin für Epstein rekrutiert. Sie arbeitete damals in einem Aushilfsjob im Mar-a-Lago-Ressort des späteren US-Präsidenten Donald Trump in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Ihr Vater hatte dort einen Job als Hausmeister. 

Schon bald begleitete sie Epstein und Maxwell auf deren Jet-Set-Leben in Privatjets rund um die Welt – und musste nicht nur Epstein sexuelle Gefälligkeiten erweisen. Der Geschäftsmann bewegte sich in höchsten Kreisen und führte auch anderen mächtigen Männern seine von Maxwell gefügig gemachten Opfer zu.

Verstörender Beitrag auf Instagram

Damals hatte Giuffre schon Jahre des Missbrauchs hinter sich. Schon als Jugendliche lebte sie zeitweise auf der Straße. Maxwell und Epstein machten auf sie den Eindruck, „nette Leute“ zu sein, sagte sie später. Doch das Vertrauen der Jugendlichen sollten die beiden schwer missbrauchen. Dass die Schwierigkeiten für Giuffre mit dem Ende des Zivilprozesses gegen Andrew sowie Maxwells Verurteilung nicht aufhörten, wurde spätestens klar, als sie Ende März einen verstörenden Beitrag auf Instagram postete, in dem sie behauptete, nach einem Unfall nur noch wenige Tage zu leben zu haben. Doch ihre Verletzungen schienen nicht ganz so dramatisch zu sein wie dargestellt.

Es scheint Giuffre nicht gelungen zu sein, ihrem Leben dauerhaft eine positive Wendung zu geben. Die Beziehung zu ihrem Mann war Berichten zufolge zerbrochen. Sie selbst war wegen Missachtung eines Kontaktverbots aufgrund von häuslicher Gewalt angeklagt.

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.