Alle Versuche Donald Trumps, sich in der Affäre um den schillernden Sexhandelsring-Straftäters Jeffrey Epstein aus der Schusslinie zu nehmen, der vor 20 Jahren gesellschaftlich mit dem heutigen US-Präsidenten intensiv verkehrte, sind durch einen Aufsehen erregenden Bericht des „Wall Street Journal” bis auf weiteres erheblich erschwert worden.
Auch interessant
Die zum Murdoch-Konzern gehörende Zeitung, die lange Jahre Trump in Berichten und Kommentaren treu zur Seite stand, berichtete am Donnerstagabend von einer ledergebundenen Sammlung von Geburtstagsgrüßen prominenter Zeitgenossen, die Epsteins damalige Lebensgefährtin Ghislaine Maxwell aus Anlass des 50. Geburtstag des New Yorker Finanzinvestor im Januar 2003 organisiert haben soll.

Epstein bekannte sich der Vermittlung zur Prostitution schuldig
Das Geschenk war laut WSJ vor Jahren Gegenstand von Ermittlungen des Justizministeriums, das bis zur ersten Verhaftung Epsteins 2006 wegen des Verdachts des organisierten Sexhandels mit teils minderjährigen Frauen gegen den New Yorker Millionär ermittelt hatte. 2008 bekannte sich Epstein wegen der Vermittlung einer Minderjährigen zur Prostitution schuldig, verbüßte unter sehr privilegierten Bedingungen eine Haftstrafe in einem Gefängnis in Florida und wurde als Sexualstraftäter registriert.
Auch interessant
Zu den Gratulanten gehörte demnach auch Donald Trump, der Ende der 90er, Anfang der 2000er-Jahre oft zusammen in vertrauter Bromance-Zweisamkeit mit Epstein auf Partys gesichtet wurde und damals über seinen Kumpel sagte: „Ich kenne Jeff seit 15 Jahren. Ein toller Kerl. Es macht viel Spaß, mit ihm zusammen zu sein. Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele davon sind eher jünger. Daran besteht kein Zweifel – Jeffrey genießt sein gesellschaftliches Leben.“
Nackte Frau mit Brüsten und Schamhaar
Laut „Wall Street Journal” soll Trump für Epstein per Hand mit einem Filzstift die Umrisse einer nackten Frau gemalt haben. Mit zwei kleinen Bögen seien die Brüste der Frau stilisiert worden. Die Unterschrift – ein verkrakeltes „Donald” – habe unterhalb der Taille das Schamhaar der Unbekannten imitiert. Innerhalb der Figur befand sich eine Notiz, die als imaginäre Unterhaltung zwischen Trump und Epstein in der dritten Person verfasst war.
Einstieg: Es muss mehr im Leben geben, als alles zu haben.
Donald: Ja, das gibt es, aber ich werde Dir nicht sagen, was es ist.
Jeffrey: Ich auch nicht, denn ich weiß auch, was es ist.
Donald: Wir haben bestimmte Dinge gemeinsam, Jeffrey.
Jeffrey: Ja, jetzt, wo Du es sagst.
Donald: Rätsel altern nie, ist Dir das schon aufgefallen?
Jeffrey: Das war mir tatsächlich schon klar, als ich Dich das letzte Mal gesehen habe.
Donald: Ein Freund ist etwas Wunderbares. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag – und möge jeder Tag ein weiteres wunderbares Geheimnis sein.
Welches „wunderbare Geheimnis“ meint Trump?
Die für Außenstehende kryptischen und beinahe harmlos klingenden Äußerungen werden von Insidern, die mit dem Fall Epstein vertraut sind, als verklausulierte Geständnisse über die sexuellen Neigungen der beiden Männer interpretiert, die seinerzeit vor allem junge Frauen ins Auge gefasst hatten. Konkrete Hinweise auf Taten oder Personen hat das Wall Street Journal bisher nicht gegeben.

Umso mehr überrascht die heftige Reaktion des Präsidenten, der nach eigenen Angaben die Veröffentlichung an höchster Stelle verhindern wollte. Rupert Murdoch, der greise Patriarch des Konzerns, habe zugesagt, sich darum zu kümmern, aber offenbar nicht mehr „die Kraft” gehabt, es zu tun, schrieb Trump auf seinem Portal „Truth Social”. Chefredakteurin Emma Tucker habe nicht hören wollen, dass es sich um eine „falsche, böswillige und diffamierende” Fake-Story handele.
Trump: Ich male keine Bilder von Frauen
Er kündigte an, die renommierte Zeitung, den Verlag NewsCorp und Murdoch persönlich umgehend zu verklagen und bestritt energisch die Echtheit des Briefes und die ihm unterstellte Urheberschaft: „Das bin ich nicht. Das ist eine Fälschung. Es ist eine gefälschte Geschichte des Wall Street Journal“, zitiert ihn das Blatt und lässt ihn fortführen: „Ich habe in meinem Leben noch nie ein Bild gemalt. Ich male keine Bilder von Frauen. Das ist nicht meine Sprache. Das sind nicht meine Worte.“
Auch interessant
Ebenfalls auffällig: Vize-Präsident JD Vance sprang Trump umgehend zur Seite und beklagte, dass „uns” der angebliche Geburtstagsgruß Trumps vor der Veröffentlichung nie gezeigt worden sei. „Sehen Sie mir meine Wortwahl nach – aber diese Geschichte ist kompletter Schwachsinn.”
In Wahrheit existieren seit Jahren Dutzende Zeichnungen von Trump, in denen vorzugsweise Gebäude oder Teile der New Yorker Skyline abgebildet sind.

Neben Trump steuerten auch der milliardenschwere Gründer der Modemarke Victoria‘s Secret, Leslie Wexner, dessen Finanzen Epstein zu dieser Zeit verwaltete, und der Anwalt Alan Dershowitz, der Epstein nach seiner ersten Verhaftung vertrat, laut Wall Street Journal Grußworte bei. Wexner lehnte eine Stellungnahme gegenüber dem WSJ ab. Dershowitz erklärte, er könne sich nicht daran erinnern, was er geschrieben habe. Beide Männer gaben an, sie hätten ihre Beziehungen zu Epstein abgebrochen, als das Ausmaß seiner Verbrechen öffentlich wurde.
Frühere Beziehung Trumps zu Epstein seit Wochen Thema in den USA
Die frühere Beziehung des Präsidenten zu Epstein ist seit Wochen das innenpolitische Thema in den USA, nachdem das Justizministerium und das FBI im Gegensatz zu früheren Versprechungen die Akte des 2019 unter dubiosen Umständen im Gefängnis zu Tode gekommenen Epstein vor wenigen Tagen endgültig schlossen. Obwohl die Mehrheit der Amerikaner den angeblichen Fall von sexuellem Missbrauch von teils minderjährigen Frauen durch reiche, einflussreiche Persönlichkeiten noch längst nicht für aufgeklärt und strafrechtlich ausreichend gesühnt hält.
Auch interessant
Während der Ruf nach Aufklärung und vollständiger Herausgabe der Ermittlungsakten immer lauter wird, auch in republikanischen Kreisen, versucht Trump das Thema mit Macht aus den Schlagzeilen zu drängen. Zunächst behauptete er, Demokraten der Vorgänger-Regierungen Obama und Biden hätten die Akten manipuliert. Dann beschimpfte er seine eigenen Anhänger, deren Interesse an dem Fall besonders groß ist, als „Schwächlinge” und „Idioten”. Seine Anhänger sollten den „langweiligen” Fall ignorieren und ruhen lassen.
Nach der „Wall Street Journal”-Enthüllung änderte Trump seinen Kurs. Er beauftragte Justizministerin Pam Bondi, vor Gericht die Freigabe der Zeugenaussagen vor dem Geschworenengericht zu erreichen, das Epstein für schuldig erklärt hatte. Bondi will dies bereits an diesem Freitag tun.







