• Meta investiert über 65 Milliarden Dollar in gigantische Rechenzentren
  • Die Zentren übertreffen den Energiebedarf von Städten und sind aus dem Weltall sichtbar
  • Dahinter steckt die steigende Nachfrage nach Rechenleistung für KI-Modelle

Gibt es ein stärkeres Wort als Gigantomanie? Was die jüngsten Vorboten des Zeitalters der Datenzentren angeht, die bei Tech-Riesen von Google über Microsoft bis Meta im Kampf um die Vorherrschaft bei der Künstlichen Intelligenz die Hauptrolle spielen, könnte man es wohl gut gebrauchen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Landesweit ziehen die Konzerne mit aktiver Unterstützung der Trump-Regierung Rechenzentren-Komplexe hoch, die den jährlichen Energiebedarf von veritablen Städten haben und so groß sind, dass man sie aus dem Weltall erkennen kann. Vorreiter ist der von Mark Zuckerberg geführte Meta-Konzern (Instagram, Whatsapp, Facebook). Das Unternehmen investiert ab diesem Jahr über 65 Milliarden Dollar unter anderem in zwei Renommier-Projekte in den Bundesstaaten Ohio und Louisiana, die alle bisher gekannten Dimensionen sprengen. 

Zuckerbergs großer Plan: Die Datenfabrik der Superlative

„Prometheus” in New Albany wird bis nächstes Jahr eine Leistung von einem Gigawatt (GW) erreichen. „Hyperion”, auf Sojabohnen-Feldern 250 Kilometer nördlich von New Orleans projektiert, soll ab 2030 fünf Gigawatt schaffen. Bisher steht die Stargate-Anlage von Konkurrent OpenAI (ChatGPT etc.) mit weniger als einem Gigawatt für den Goldstandard.

Auf einer Fläche von neun Quadratkilometern, was ungefähr 1700 Football-Feldern entspricht, will Zuckerberg die größte Datenfabrik der westlichen Hemisphäre bauen. Im Modell nimmt der Koloss einen großen Teils Manhattan ein. In der Bauphase werden 5000 Arbeiter auf dem Land der ehemaligen Franklin-Farm in Richland Parish zu tun haben. Später reichen 500 Mitarbeiter aus, um die Server-Hallen zu betreiben. 

Aerial representation of the scale of Meta's planned Hyperion data centre (Credit: Meta)
Metas geplantes Rechenzentrum im Größenvergleich zum New Yorker Stadtteil Manhattan.© PR | Meta

Künstliche Intelligenz: Wettrennen um die Vorherrschaft unter Tech-Riesen läuft

Weil die Datenriesen gewaltige Mengen an Strom benötigen, an Spitzentagen doppelt so viel wie ganz New Orleans, hat der regionale Energieversorger „Entergy” die Genehmigung für drei gasbefeuerte Kraftwerke beantragt. Gouverneur Jeff Landry, ein Republikaner, hat Meta den Deal in einer der ärmsten Regionen der USA mit millionenschweren Umsatzsteuergeschenken versüßt.

Dass Zuckerberg klotzt, nicht kleckert, ist dem Wettbewerb geschuldet. Die Konkurrenz bei Google, OpenAI, und dem KI-Unternehmen „xAI” von Elon Musk, der den Supercomputer „Colossus” vorantreibt, versucht sich parallel ebenfalls Standbeine zu verschaffen, um im Zukunftsgeschäft mit der Künstlichen Intelligenz zu bestehen. Meta kann dabei mit einem Jahresumsatz von zuletzt 165 Milliarden Dollar aus dem Vollen schöpfen und Supertalente der Branche mit individuellen Boni von 200 Millionen Dollar abwerben.  

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Die digitale Aufrüstung folgt einer schlichten Überzeugung: Der Wettlauf um die Entwicklung fortschrittlicher künstlicher Intelligenz ist im Kern ein Wettlauf um Rechenleistung. Das Training von KI-Modellen der neuesten Generation, insbesondere von großen Sprachmodellen (LLMs), erfordert außergewöhnliche Rechenkapazitäten. Diese Modelle lernen aus riesigen Datensätzen, für die Milliarden, wenn nicht Billionen von Parametern in ununterbrochenen Zyklen angepasst und optimiert werden müssen. Kann Meta seine KI-Modelle schneller arbeiten lassen als Wettbewerber mit geringerer Rechenleistung, steigt die Wahrscheinlichkeit von Durchbrüchen und Anwendungen, die derzeit als noch nicht realisierbar gelten.

Jeder Zyklus verbraucht immense Rechenressourcen, was sich direkt in einem enormen Strombedarf niederschlägt. Mit zunehmender Größe und Leistung von KI-Rechenzentren wird auch der Wasserbedarf für die Kühlsysteme steigen, was gerade in dürregefährdeten oder wasserarmen Regionen ein Problem darstellt. In einem kleineren Rechenzentrumsprojekt von Meta im Bundesstaat Georgia kam es bereits vor einigen Wohngebieten zu trockenen Wasserhähnen.

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Atomkraft für KI: Der globale Wettlauf um Rechenleistung und Energie

Bevor die Debatte um den ökologischen Fußabdruck der Datenriesen zu größeren Protesten und Widerstand in den jeweiligen Gemeinden führt, gehen die Unternehmen mit Lösungen im XXL-Maßstab voran. Microsoft hat im vergangenen Jahr einen Vertrag abgeschlossen, der die Wiederinbetriebnahme des unbeschädigten Reaktors des Atomkraftwerks Three Miles Island in Harrisburg/Pennsylvania vorsieht, in dem es 1979 den bisher schwersten Atomunfall in den USA gegeben hatte. Das Unternehmen verpflichtet sich für 20 Jahre zur Stromabnahme, um Datenfabriken zu „füttern”. 

Meta wiederum kauft ebenfalls über 20 Jahre die Stromerzeugung des Kernkraftwerks Clinton südlich von Chicago auf. Die Regierung in Washington will durch die Förderung von Energie aus Kohle, Kernkraft, Geothermie und Erdgas den Rahmen setzen. Experten von Energie-Minister Chris Wright schätzen, dass Rechenzentren binnen fünf Jahren 20 Prozent des Energieverbrauchs der Vereinigten Staaten aufzehren werden. 2022 waren es gerade mal 2,5 Prozent.

Die massiven Investitionen von Meta in seine Rechenzentrumsinfrastruktur sind Teil eines größeren, globalen KI-Wettrüstens. Weltweit lenken führende Technologieunternehmen enorme Ressourcen in die Erschließung der nächsten Generation von KI-Fähigkeiten. Die USA unter Donald Trump definieren Rechenleistung als strategisches nationales Gut, das künftig über Wirtschaftswachstum mitentscheidet und die geopolitische Kraft bestimmt. Allein bei einem Gipfeltreffen der Branche am Dienstag in Pittsburgh im einst industriell geprägten Pennsylvania wurden vom Weißen Haus KI-Investitionen im Volumen von 90 Milliarden Dollar angekündigt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hatten wir in dem Beitrag Gigawatt als „Rechenleistung“ angegeben. Das ist physikalisch unpräzise, da Gigawatt eine Einheit der elektrischen Leistung ist. Die Verknüpfung von Leistung mit einem Zeitraum ist ebenfalls inkorrekt. Wir haben die Angaben korrigiert.