Emmanuel Macron mag diese Momente, wenn sich alles um ihn dreht. Als Oberbefehlshaber nimmt er am Montag die Parade auf den Champs-Elysées ab. 55 Militärflugzeuge, 22 Hubschrauber, 5600 Soldatinnen und Soldaten und 200 Pferde defilieren vor dem Staatschef, der auch mit dem Geheimcode der nuklearen „Force de Frappe“ ausgerüstet ist. Die Botschaft des zweistündigen Umzugs: Frankreich ist wehrhaft, stark – und bereit für alle Eventualitäten.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Hinter den Kulissen sieht es weniger glorios aus. Frankreichs Staatsschuld ist auf 3350 Milliarden Euro geklettert, 1000 Milliarden davon in Macrons Amtszeit. Der Zinsdienst verschlingt 67 Milliarden – mehr als die Verteidigungsausgaben. Politisch ist das Land blockiert. In der Nationalversammlung neutralisieren sich Linke, Rechte und Macronisten. Premier François Bayrou schaut ohnmächtig zu, wie sich der nächste Regierungssturz nähert, nämlich sein eigener.

Frankreich: Macron hat das Land in eine Blockade gestürzt
Macron selbst hatte 2024 ohne Not Neuwahlen angesetzt – und verloren. Seither sind Politik und Wirtschaft gelähmt. Dynamisch ist nur noch die Banlieue-Jugend: Jeder Vorwand – Musikfest, PSG-Sieg – genügt, um Autos anzuzünden, Läden zu plündern, Polizeiwachen anzugreifen. Am Quatorze Juillet stehen 11.000 Polizisten bereit.
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In den Volkszorn mischt sich Fatalismus: Laut Umfragen sei ein Wahlsieg von Marine Le Pen oder Jordan Bardella 2027 ohnehin nicht zu verhindern. Macrons Beliebtheitswerte sind auf 20 Prozent gesunken. Schlagzeilen machte er zuletzt mit einer „Ohrfeige“ – wohl eher ein Stupser – durch seine Frau Brigitte Macron, als ihr Flugzeug in Vietnam landete. Und mit einem angeblichen Säckchen Kokain im Zug nach Kiew.
Das waren Fake News, es beschädigte aber seine letzte Domäne: die Weltpolitik. Im Nahen Osten wird er nicht mehr gefragt. Im Ukraine-Krieg erniedrigte er sich selbst, als er Putin anrief und ein „Njet“ nach dem anderen kassierte. Auch Trump nimmt ihn nicht mehr ernst. „Er liegt ständig daneben“, spottete der Amerikaner nach dem G7-Gipfel. „Er hat keine Ahnung“.
Frankreich: Aussage Macrons vor der Parteijugend lässt aufhorchen
An Macron prallt alles ab. Wahlfiasko, Krawalle, Schulden, Spott: Solche Widrigkeiten nimmt er nicht ernst oder nicht wahr. Macron glaubt weiter an sich. Vor einer Woche trat er bei einem Treffen seiner Parteijugend auf die Bühne. Sein Appell: „Ich brauche euch für zwei Jahre, für fünf Jahre, für zehn Jahre!“ Viele glaubten, sich verhört zu haben. Doch die „jeunes avec Macron“ verstanden: Er will sie für die letzten zwei Jahre seiner Amtszeit – und dann für ein neues Fünf-Jahres-Mandat, vielleicht sogar ein weiteres. „Macron – Président!“, skandierten sie wie früher, als Macron noch ein Zampano der Politik war.
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Mit dieser Perspektive bedeutet Macron seinen Gegnern: Misstrauensvoten, Regierungswechsel, Amtsenthebungsanträge – all das prallt an ihm ab. Lieber denkt er über das „Putin-Szenario“ nach. Frankreichs Verfassung untersagt mehr als zwei Mandate in Serie. Putin platzierte 2008 seinen Vertrauten Dmitri Medwedew für ein Interregnum und kehrte 2012 zurück.
Macron könnte ähnlich vorgehen: einen Getreuen wie Gabriel Attal unterstützen und dann 2032 selbst wieder antreten. Dann wäre er erst 54 – jung genug für weitere zehn Jahre. Doch macht er die Rechnung nicht ohne das Stimmvolk? Ein wirklich gefährlicher Rivale ist zwar nicht in Sicht, wenn man von Marine Le Pen absieht. Aber sie kann wegen ihrer Verurteilung vielleicht gar nicht mehr zur Wahl antreten. Das Berufungsverfahren läuft.






