Motti Mandelkern rückt seine Kappe zurecht, lehnt sich auf sein Fahrrad. Er blickt auf die Trümmer der Wohnhäuser, schüttelt mit dem Kopf. „Tel Aviv sieht hier aus, als wäre es Berlin im Jahr 1944. Das ist nicht leicht für mich.“ Am Montag vor einer Woche ist hier nicht weit entfernt vom Strand eine iranische Rakete eingeschlagen. Jetzt soll der Waffengang vorbei sein. In Tel Aviv herrscht Skepsis, ob die Waffenruhe hält.

Israelische Sicherheitskräfte vor einem Haus in Tel Aviv, das am Sonntag von iranischen Raketen getroffen wurde.
Israelische Sicherheitskräfte vor einem Haus in Tel Aviv, das am Sonntag von iranischen Raketen getroffen wurde.© AFP | JACK GUEZ

Mandelkern, 79, glaubt nicht an Donald Trump, der in der Nacht pompös wie immer eine Waffenruhe zwischen den beiden Konfliktparteien verkündet hat. Er halte den US-Präsidenten für „etwas verrückt“, sagt Mandelkern: „Trump sagt etwas und nach vier Minuten sagt er etwas anderes.“ Einen dauerhaften Frieden mit dem Iran zu erreichen, das werde shr schwierig werden. „Aber heute gibt es etwas Hoffnung.“

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Hoffnung hat auch Emilia, 28. Sie ist zum ersten Mal nach dem Luftangriff am 16. Juni an diesem Ort, der ihr so vertraut ist. „Ich habe in dieser Nachbarschaft drei Jahre lang gelebt.“ Sie zeigt auf die Ruine eines vierstöckigen Hauses: „Da war die Wohnung von zwei meiner Freunde. Sie haben überlebt, weil sie nicht da waren.“ Ob die Waffenruhe hält? „Ich hoffe, ich hoffe. Ich kann nicht sagen, dass ich daran glaube. Aber ich hoffe.“

Wie brüchig die von den USA verkündete und von Israel und dem Iran bestätigte Vereinbarung auf eine Waffenruhe ist, hat sich vier Stunden zuvor gezeigt. Am Grenzübergang zwischen Jordanien und Israel stehen viele Israelis. Sie wollen nach Hause zurück. Gegen 10.30 Uhr tönt das Alarmierungssystem Tzofer. Viereinhalb Stunden nachdem der Iran keine Raketen mehr abschießen sollte, fliegt ein Geschoss in den Norden Israels.

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In der sonst so lebhaften Metropole ist es ruhig

„So viel ist also von der Waffenruhe zu halten“, schnaubt Hamza, 40. Er verdient sein Geld mit dem Verkauf von Münzen und Briefmarken und war mit seinen drei Kindern und seiner Frau die vergangenen vier Wochen in Istanbul. Er zuckt mit den Schultern. „Natürlich wollen wir Frieden. Jeder will das. Aber ich weiß nicht, ob wir ihn bekommen.“

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Tel Aviv, die in Friedenszeiten so vibrierende Metropole am Mittelmeer, ist an diesem Dienstag für ihre Verhältnisse ruhig. Nicht weit vom Ort des Raketeneinschlags vom Montag vergangener Woche liegen Badegäste am Strand, sonnen sich, spielen Strand-Tennis. Es ist aber bei weitem nicht so voll wie sonst. Der Verkehr ist flüssiger. „Ist nicht viel los“, sagt Avid, ein Taxifahrer. Auch er sieht die Waffenruhe skeptisch. „Politiker reden viel.“ Was ihn aber mehr umtreibt, ist, dass seine beiden Töchter derzeit als Soldatinnen in Gaza eingesetzt sind. „Ich habe Angst um sie.“

Tel Aviv
Zerstörte Fassaden in Tel Aviv: In der sonst so pulsierenden Stadt ist es ungewöhnlich ruhig.© FMG | Jan Jessen

Der Krieg in Gaza tobt weiter. In den vergangenen Tagen ist er aber in den Schatten des Krieges zwischen dem Iran und Israel geraten. Und damit auch das Schicksal der 50 lebenden und toten Israelis, die noch im Gazastreifen sein sollen. Auf dem „Geiselplatz“ vor dem Kunstmuseum sind wehen israelische Fahnen träge in der Sommerhitze. Die Stände sind leer. Heute ist keiner der Aktivisten da, die ansonsten hier sind. Der Taxifahrer zeigt auf ein Gebäude: „Da ist ein Schutzraum, wenn es wieder losgeht.“