Wolodymyr Selenskyj (47) steht die Sorge ins Gesicht geschrieben: Wenn sich alle Augen auf den Iran und seine Atomanlagen richten, gerät der Krieg in der Ukraine in den Hintergrund, am Ende sogar aus dem Blickfeld. US-Präsident Donald Trump scheint bereits an diesem Punkt angekommen zu sein. Und nun? Hat Putin in der Ukraine jetzt freie Hand?

Auch interessant

Aufmerksamkeit ist eine der wichtigsten Währungen in der internationalen Politik. Eine Begegnung von Selenskyj und Trump beim G7-Gipfel in Kanada hätte großen symbolischen Effekt gehabt. Seit Trump das Treffen in den Rocky Mountains am Montag überraschend vorzeitig verlassen hatte, muss sich Selenskyj fragen, ob er bei Trump überhaupt noch Gehör finden wird. Trump hatte seine Abreise mit der Eskalation in Nahost begründet, die Botschaft an Selenskyj aber war unmissverständlich: Es gibt gerade Wichtigeres als ein Zweiertreffen.

Trump bleibt sich treu: Der US-Präsident legt sich nicht fest

Trump bleibt sich in diesen Stunden treu. Wieder einmal legt er sich nicht fest, wieder einmal düpiert er die Ukrainer und solidarisiert sich mit Kremlaggressor Putin, indem er den Rauswurf Russlands aus der G8-Runde nach der Krim-Annexion 2014 bedauert.

207167_366_cover.jpg
Friedrich Trump
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Hinzu kommt: Die harten US-Sanktionen, auf die die Europäer so dringend pochen, stehen bei Trump nicht mehr weit oben auf der To-Do-Liste. Viele Beobachter gehen mittlerweile davon aus, dass da nichts mehr kommt. „Vergessen Sie nicht, dass Sanktionen uns eine Menge Geld kosten“, betont Trump. „Wenn ich ein Land sanktioniere, kostet das die USA eine Menge Geld.“ Kanada und Großbritannien immerhin kündigten neue Sanktionen gegen Russland an - eine gemeinsame Abschlusserklärung der G7 zum Krieg in der Ukraine und zur Unterstützung von Kiew aber gab es erwartungsgemäß nicht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Besonders bitter für den ukrainischen Präsidenten: Während er in Kanada darum kämpfte, nicht vergessen zu werden, überzog Russland Kiew und Odessa mit schweren Luftangriffen. 12 Menschen wurden getötet, fast 140 verletzt. Putin, so seine Klage, greife an, „weil er es sich leisten kann, den Krieg fortzusetzen“.

Kanzler Friedrich Merz erklärte am Ende des Gipfels, die G7-Länder würden die Ukraine weiter unterstützen, darin bestehe Konsens. Mit Blick auf die Sanktionen will Merz die Hoffnung nicht aufgeben: „Ich gehe mit dem vorsichtigen Optimismus zurück nach Deutschland, dass es auch in Amerika in den nächsten Tagen die Entscheidung geben wird, weitere Sanktionen gegen Russland zu verhängen.“ Es bestehe Einigkeit, dass alles getan werden müsse, um den Krieg zu beenden.

Trump und Selenskyj: Nächstes Treffen am Ende des Monats?

Die nächste Chance auf ein Treffen mit Trump hat Selenskyj möglicherweise beim Nato -Gipfel Ende des Monats. Das Treffen in Den Haag ist der wichtigste Termin in diesen Tagen – wichtiger als der Gipfel in Kanada. Es geht um die zentrale Frage, ob die Nato noch als verlässliches Verteidigungsbündnis funktioniert. Konkret: Ob die Amerikaner als Führungsmacht an Bord bleiben.

Aktuelle News zum Ukraine-Krieg

Lange war offen, ob Trump überhaupt nach Den Haag kommen würde. Inzwischen hat er sich angemeldet. Auf die Frage, ob Trump nach der abrupten Abreise vom Kanada-Gipfel dabeibleiben werde, antwortet Kanzler Friedrich Merz am Dienstag vorsichtig: „Er hat es mir fest zugesagt.“ Im Fall von Trump heißt das nicht viel.