Der ukrainische Drohnen-Angriff auf mehr als 40 russische Kampf- und Aufklärungsflugzeuge hat die Karten im Ukraine-Krieg neu gemischt. Nicht nur, dass Russland bei der Attacke massiven Schaden erlitten hat – es soll sich immerhin um 34 Prozent der Bomber handeln, die Marschflugkörper absetzen können. Der Angriff ist auch ein Signal der Stärke: Die Ukrainer haben sich spektakulär zur Wehr gesetzt.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Putin dürfte vor Wut schäumen, weil es den Ukrainern gelungen ist, die Drohnen selbst an weit von der Front entfernte Orte zu bringen. Die Operation soll eineinhalb Jahre lang vorbereitet worden sein und ist den russischen Geheimdiensten nicht aufgefallen. Das ist kein Glanzstück für die Russen.

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Putins „rote Linien“: Die Partner der Ukraine dürfen nicht die Nerven verlieren

Wie Putin sich rächen wird, bleibt abzuwarten. Dass er die Ukraine jetzt mit weiteren, heftigen Angriffen überziehen wird, scheint ausgemacht. Wer immer nun aber in Westeuropa das Argument vorbringt, die Ukraine habe mit ihrem Gegenschlag den Krieg weiter eskaliert, statt auf weitere Verhandlungsrunden zu setzen, der sollte sich daran erinnern, wer hier Angegriffener und wer Aggressor ist. Der Ukraine die Schuld zuzuschieben, wäre eine unzulässige Täter-Opfer-Umkehr.

Autorenfoto Madeleine Janssen
Madeleine Janssen ist Auslandschefin in der FUNKE Zentralredaktion.© privat | Privat

Kiews Verbündete müssen jetzt zusammenstehen. Wenn Putin damit droht, es gebe „keine roten Linien mehr“, dürfen sie nicht die Nerven verlieren. Putin ist derjenige, der schon seit der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim vor mehr als elf Jahren alle roten Linien einreißt – einschließlich der Äußerungen über einen möglichen Atomschlag. Dass es wegen eines für Putin ärgerlichen, aber konventionellen Angriffs auf seine Streitkräfte nun erstmals dazu kommen könnte, sollte man im Westen nicht annehmen.