Am Wochenende erst hatten Israels hochrangige Unterhändler die Verhandlungen in Katar über eine Waffenruhe und über die Freilassung von Geiseln im Gazastreifen aufgenommen. Nun werden die Gespräche schon wieder beendet. Die Vertreter werden zurückgezogen. „Nach rund einer Woche intensiver Kontakte in Doha wird das hochrangige Verhandlungsteam nach Israel zu Beratungen zurückkehren“, erklärte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Dienstag.

Forum der Geisel-Familien kritisiert Abzug der Verhandlungsführer

Die Gespräche waren ins Stocken geraten. Vertreter der Arbeitsebene würden vorerst in Katars Hauptstadt bleiben. Das Forum der Geisel-Familien kritisierte die Entscheidung, die Verhandlungsführer aus Katar zurückzuziehen. Die indirekten Gespräche hatten am Wochenende begonnen. Katar vermittelt seit dem Beginn des Krieges zwischen Israel und der islamistischen Hamas.

Wegen der anhaltenden Situation im Gazastreifen will die Europäische Union ihr Kooperationsabkommen mit Israel überprüfen. Eine „große Mehrheit“ der 27 Mitgliedstaaten habe den Schritt bei einem Treffen der EU-Außenminister unterstützt, sagte die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas am Dienstag.

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Kallas: Situation im Gazastreifen sei „unhaltbar“

„Das zeigt, dass die Länder die Situation in Gaza als unhaltbar ansehen und dass wir den Menschen wirklich helfen wollen und die humanitäre Hilfe freigeben wollen, damit sie die Menschen erreicht“, fuhr Kallas fort.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die britische Regierung erklärte, man wolle an einem bestehenden Handelsabkommen mit Israel festhalten. Die „ungeheuerliche Politik“ des israelischen Premierministers mache es jedoch unmöglich, die Gespräche über ein mögliches neues Abkommen voranzutreiben.

Der Sprecher des israelischen Außenministeriums hat sich empört die Entscheidung der Europäischen Union regiert. „Wir lehnen den in der Erklärung eingeschlagenen Kurs rundum ab“, erklärte Oren Marmorstein, am Dienstag im Onlinedienst X. Der Schritt spiegele „ein völliges Fehlverständnis der komplexen Realität wider, mit der Israel konfrontiert“ sei.

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60 Tote bei israelischen Angriffen am Dienstag

Am Dienstag waren nach Angaben der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa mindestens 60 Menschen bei israelischen Angriffen im Gazastreifen getötet worden. Israels Militär habe in verschiedenen Gebieten des Gazastreifens Angriffe geflogen, teilte Wafa mit. Zwölf Menschen sind dem Bericht zufolge in der Stadt Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens getötet worden. Weitere Tote habe es in Chan Junis im Süden des Küstengebiets, in Nuseirat sowie in der Nähe der Stadt Gaza gegeben, meldete die Agentur unter Berufung auf medizinische Kreise im Gazastreifen. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Israels Armee erklärte, im Laufe des vergangenen Tages mehr als 100 Ziele im gesamten Gazastreifen angegriffen zu haben. Das Militär sprach von „Terrorzielen“. Darunter seien Waffenlager sowie von Terroristen genutzte Militäreinrichtungen gewesen. Auch unterirdische Infrastruktur sowie Beobachtungseinrichtungen seien angegriffen worden, hieß es. Auch diese Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Israel hatte seine massiven Angriffe im Gazastreifen Mitte März nach einer zweimonatigen Waffenruhe wieder aufgenommen. Am Sonntag erklärte die israelische Armee, im Rahmen einer neuen verstärkten Offensive zur Zerschlagung der radikalislamischen Hamas „umfassende Bodeneinsätze“ im gesamten Gazastreifen begonnen zu haben. Am Montag sagte Regierungschef Benjamin Netanjahu, Israel werde die Kontrolle über „das gesamte Territorium“ des Gazastreifens übernehmen.

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Weitere Hilfslieferungen rollen in den Gazastreifen

Aktuell kommen erstmals seit Anfang März wieder Hilfslieferungen in den Gazastreifen – allerdings haben sie die notleidenden Menschen laut UN-Angaben noch nicht erreicht. Die Hilfsgüter befänden sich unter anderem wegen fehlender Genehmigungen noch in einem von den Israelis kontrollierten Bereich hinter dem Grenzzaun, sagte der Sprecher der Vereinten Nationen, Stéphane Dujarric. Zudem müsse die UN sicherstellen, dass das Gebiet für die Helfer sicher ist.

Am zweiten Tag nach dem Ende der israelischen Blockade der Hilfslieferungen wurden nach Angaben Israels 93 Lastwagen mit Gütern in das Gebiet gebracht. Die humanitäre Hilfe umfasse Mehl für Bäckereien, Babynahrung, medizinische Ausrüstung und Medikamente, teilte die zuständige Behörde Cogat am Abend mit. 

Israels Armee unternehme „alle Anstrengungen, um sicherzustellen, dass die Hilfsgüter nicht in die Hände der Terrororganisation Hamas gelangen“, hieß es in einer Mitteilung der Behörde derweil weiter. Dujarric aber mahnte, die Zahl der am Dienstag angekommenen Hilfstransporte sei noch immer nicht ausreichend. Während der Feuerpause Anfang des Jahres waren jeden Tag bis zu 600 Lastwagen mit Hilfsgütern über die Grenze in den Gazastreifen gefahren.

Aktuelle News aus dem Nahen Osten

Hamas-Überfall löste Großoffensive Israels aus

Der Krieg im Gazastreifen war durch den Großangriff der Hamas und mit ihr verbündeter Kämpfer auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst worden, bei dem nach israelischen Angaben rund 1200 Menschen getötet und 251 Menschen als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren.

Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel seither massiv militärisch im Gazastreifen vor. Seit Beginn des Krieges im Oktober 2023 wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums, die nicht unabhängig überprüft werden können, etwa 53.500 Menschen im Gazastreifen getötet.

jle, jst/dpa, AFP