Die israelische Regierung will wieder humanitäre Hilfe in den Gazastreifen lassen. Die Grundversorgung mit Lebensmitteln erfolge auf Empfehlung der israelischen Armee und um sicherzustellen, dass es zu keiner Hungersnot komme, teilte das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die israelische Armee hatte zuvor im Zuge ihrer neuen Großoffensive im Gazastreifen nach eigenen Angaben nun auch einen großangelegten Einsatz von Bodentruppen gestartet. Sie seien seit Samstag im gesamten Norden und Süden des Küstengebiets gegen die islamistische Hamas im Einsatz, teilte das Militär mit.

Die israelische Luftwaffe habe in der vergangenen Woche eine „erste Angriffswelle“ ausgeführt, um die Bodeneinsätze zu unterstützen. Ziel seien mehr als 670 Posten der Hamas gewesen, darunter Waffenlager, Raketenwerfer und Mitglieder der Terrororganisation. „Bislang haben die Truppen Dutzende Terroristen eliminiert“, teilte Israels Armee mit.

Der neuerlichen Invasion ging ein blutiges Wochenende für die Menschen im Gazastreifen voraus: Bis zu 300 Tote in nur 48 Stunden – mit dem Ende der Nahostreise von US-Präsident Donald Trump am Freitag hatte Israels Armee den Beschuss aus der Luft und mit Artillerie verstärkt. Und das sind nur die gezählten Toten. Da die Notaufnahmen nach elf Wochen Blockade am Ende ihrer Vorräte an Medikamenten, Verbandsmaterial und OP-Bedarf angelangt sind, ist die Versorgung der Hunderten Verwundeten in vielen Fällen unmöglich.

Im Norden des Gazastreifens wurden die Menschen aufgefordert, sich unverzüglich in weiter südlich gelegene Gebiete zu begeben, doch auch dort gab es Luftschläge. In Deir El-Balah im Zentrum des Gazastreifens warf Israels Luftwaffe Flugblätter ab. „Bewohner von Gaza – Israels Armee kommt“ steht darauf.

Gaza: So rechtfertigt Israels Premier das Vorgehen

Der intensive Beschuss in Gaza diene dazu, die Hamas zum Aufgeben zu zwingen und einen Geisel-Deal zu ermöglichen, erklärt das Umfeld von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Der Premier weiß, dass es das ist, was die Mehrheit der Israelis hören will: Sie haben den Krieg satt und fürchten um das Schicksal der verbleibenden lebenden Geiseln. Ihr Vertrauen in den guten Willen der Regierung ist jedoch begrenzt. Die Beteuerungen, man meine es ernst und strebe einen baldigen Abschluss der Verhandlungen an, dienen dazu, die Gemüter zu besänftigen.

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Ob das gelingt, ist fraglich. „Netanjahu zerrt uns in einen politisch motivierten Krieg, der zum Tod von Geiseln und Soldaten führen wird“, sagte Einav Zangauker, Mutter der nach Gaza verschleppten Geiseln Matan Zangauker Samstagabend in Tel Aviv.

Gaza: Trump-Plan für das Gebiet trifft auf geteilte Reaktionen in Israel

Am Tag danach starteten mehrere Menschenrechtsorganisationen in Israel indes einen spontanen Aufruf, sich der militärischen Offensive physisch entgegenzustellen. „Lasst alles liegen und kommt zur Gaza-Grenze“, heißt es in dem Aufruf. Das Ziel: Die Grenze zum Gazastreifen zu besetzen und eine menschliche Blockade gegen die nach Gaza mobilisierten Truppen zu bilden.

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Carlo Masala: "Israels Vorgehen ist völkerrechtswidrig"
Im Krisenmodus
 

Vorerst wird in Doha aber noch über einen möglichen Deal mit der Hamas verhandelt. Inzwischen wird es in israelischen Medien schon als Fortschritt gewertet, dass das israelische Verhandlerteam noch nicht abgereist ist. Der neueste Plan von US-Präsident Donald Trump, der eine Million Palästinenser aus dem Gazastreifen nach Libyen umsiedeln will, trifft in Israel auf gespaltene Reaktionen: In konservativen Kreisen ist man erfreut über einen neuen möglichen Ausweg aus der Sicherheitskrise, die der 7. Oktober ausgelöst hat. Viele fürchten zugleich, dass Trumps Ankündigung die Verhandlungen für einen neuen Geisel-Deal belasten könnte.

Gaza: Grünen-Fraktionschefin Dröge hat eine Forderung an Israel

In Deutschland forderte die Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge unterdessen, dass sich Israel bei dem Vorgehen in Gaza an humanitäres Völkerrechts halten müsse. „Die neue Militäroffensive der israelischen Regierung in Gaza wird die dramatische humanitäre Lage für die Zivilbevölkerung in Gaza weiter verschlechtern“, sagte sie unserer Redaktion.

In Israels Mainstream hingegen ist das Schicksal der Zivilisten in Gaza bislang ein Randthema. Es war ausgerechnet ein rechtsextremer Politiker, der diese Gleichgültigkeit über die Not in Gaza auf den Punkt brachte: „Letzte Nacht wurden fast Hundert Gazaner getötet, das interessiert niemanden mehr“, freute sich Zvi Sukkot, Knessetabgeordneter der Religiösen Zionisten, im Studiogespräch auf Kanal 12. „Jeder hat sich daran gewöhnt.“

mit dpa