Der Platz in den Geschichtsbüchern ist Friedrich Merz so oder so sicher. Der CDU-Chef hat die zweifelhafte Ehre, der erste in der deutschen Nachkriegsgeschichte zu sein, der je im ersten Wahlgang einer Kanzlerwahl gescheitert ist.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Geht es nach Merz und der Union, wird das nicht das Einzige sein, was über den 69-Jährigen einst geschrieben wird. Am Dienstagmittag gab es Bestrebungen, noch am selben Tag einen zweiten Wahlgang zu organisieren und Merz doch noch zum Bundeskanzler wählen zu lassen.

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Sollte Merz auch im zweiten Versuch scheitern, wäre er schwer beschädigt

Nach dem Grundgesetz können in den nächsten 14 Tage unbegrenzt viele Wahlgänge stattfinden, um einen Bundeskanzler zu wählen. Sollte Merz auch im zweiten Versuch scheitern, hätte er theoretisch also weitere Chancen. Praktisch wäre das schon schwieriger – ein weiterer fehlgeschlagener Versuch würde ihn politisch schwer beschädigen.

Sollte sich abzeichnen, dass Merz erneut nicht genügend Stimmen hinter sich versammeln kann, könnten andere versuchen, sich ins Spiel zu bringen. Denn um Kanzler zu werden, muss man kein Kanzlerkandidat gewesen sein. Nicht einmal ein Mandat im Bundestag ist dafür nötig. Ein Überblick, wer dann infrage kommen könnte.

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Spahn, Linnemann, Söder? Wer es werden könnte wenn nicht Merz

Jens Spahn: Spätestens seit seiner Wahl zum Fraktionschef ist Merz‘ ehemaliger Widersacher einer der einflussreichsten Männer seiner Partei – und besetzt an der Spitze der 208 Unionsabgeordneten einen Posten, der als Sprungbrett für die Kanzlerschaft gilt. CSU-Chef Markus Söder bescheinigte Spahn bei seiner Wahl, er könne „auch loyal“. Unausgesprochen blieb, dass das fürs Gegenteil genauso gilt. Eine mögliche Hürde für Spahn: Die fehlenden Stimmen für Merz‘ Mehrheit können theoretisch aus der Unionsfraktion selbst kommen. Für Spahn würde das bedeuten, dass er seine Leute nicht im Griff hat.

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Meine schwerste Entscheidung
 

Carsten Linnemann: Er hat als Generalsekretär der CDU das Verdienst, die Partei nach der schweren Wahlniederlage 2021 wieder aufgebaut und geeint zu haben. Er gilt als gut vernetzt und enger Mitarbeiter von Merz. Regierungsverantwortung hat er aber noch nie getragen – und sie zuletzt sogar abgelehnt. Linnemann entschied sich gegen einen Posten im Kabinett und dafür, als Generalsekretär im Konrad-Adenauer-Haus zu bleiben.

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Markus Söder: Dass der bayerische Ministerpräsident selbst Interesse gehabt hätte, Kanzlerkandidat zu werden, ist kein Geheimnis. Doch Söder musste zuerst Armin Laschet, dann Friedrich Merz den Vortritt lassen. In einer krisenhaften Situation könnte er auf die Idee kommen, diese Ambitionen noch einmal voranzutreiben.

Hendrik Wüst: Vor dem Bundestagswahlkampf war auch der Regierungschef von Nordrhein-Westfalen immer wieder als Aspirant für die Kanzlerkandidatur genannt worden. Wüst ließ es aber nicht auf eine Konfrontation ankommen und nahm sich selbst aus dem Rennen. Was ihn unterscheiden würde Merz, aber auch Spahn und Söder, ist sein moderierender Ton, auch im Umgang mit der politischen Konkurrenz.

Wahrscheinlich ist all das aber nicht. Fraktionschef Spahn sprach nach dem ersten Wahlgang von großem Applaus für Merz in der Fraktion, signalisierte, dass CDU und CSU hinter ihrem Kandidaten stehen. Und Markus Söder appellierte am Dienstag an die Verantwortung der Abgeordneten im Bundestag. „Jetzt ist nicht der Moment für das Begleichen alter Rechnungen oder Schuldzuweisungen“, sagte Söder. Es gehe jetzt um die Demokratie. „Es braucht die Zustimmung und eine Mehrheit für einen neuen Bundeskanzler Friedrich Merz, eine neue Bundesregierung und den guten Koalitionsvertrag.“