Sie ist wohl diejenige am Kabinettstisch, die am weitesten von Deutschland entfernt geboren wurde: Die gebürtige Russlanddeutsche Natalie Pawlik (SPD) wird Integrationsstaatsministerin im Kabinett des künftigen Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU). Damit wird sie im Kanzleramt mitverantwortlich für die Flüchtlings- und Migrationspolitik der Bundesregierung sein. Und dabei wohl auch ihren eigenen Integrationserfahrungen einbringen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Wie verlief ihr politischer Weg aus Russland ins Kanzleramt? Welche Themen sind ihr wichtig und was macht die hessische Sozialdemokratin privat? Die wichtigsten Infos im Steckbrief.

Natalie Pawlik: Die wichtigsten Infos zur SPD-Politikerin im Steckbrief

NameNatalie Pawlik
Geburtsdatum und -ort26. August 1992 in Wostok (Russland)
ParteiSPD
Parteimitglied seitunbekannt
WohnortBad Nauheim

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Natalie Pawlik: Herkunft, Familie, Wohnort: Das ist zu ihrem Privatleben bekannt

Natalie Pawlik wurde am 26. August 1992 in Wostok geboren, einem kleinen Dorf in Sibirien, wo ihre Eltern als Selbstversorger in der Landwirtschaft tätig waren. Als sie sechs Jahre alt war, zog die Familie dann als sogenannte Spätaussiedler nach Deutschland. Die ersten Monate verbrachte die Familie im Erstaufnahmelager im niedersächsischen Friedland, bevor sie ins hessische Bad Nauheim zogen, wo Pawlik bis heute lebt.

Der Umzug in die neue Heimat war für Pawlik prägend: Sie musste zunächst Deutsch lernen – in einer Integrationsklasse mit Kindern aus der Türkei, oder der ehemaligen Sowjetunion und dem ehemaligen Jugoslawien. Und sie wurde von Mitschülern gemobbt: „Meine Mitschüler nannten mich ,die Russin‘“, erinnerte sich Pawlik im Interview mit dem „Stern“. „Die Leute fanden es lustig, mich mit russischem Akzent anzusprechen.“ Weil die Abschlüsse ihrer Mutter nicht anerkannt wurden und sie nur Jobs als Reinigungskraft und Zimmermädchen bekam, jobbte Pawlik bereits mit 15 in der Gastronomie, um ihre Ausbildung zu finanzieren.

Nach ihrem Fachabitur studiert Pawlik Geschichte, Kulturwissenschaften und Soziologie in Gießen. Über ihre sonstigen Familienhintergründe ist wenig bekannt, allerdings über ihre Hobbys: Pawlik ist begeisterte Läuferin. Diese Leidenschaft bringt sie auch in den Wahlkampf ein: 2021 rief sie unter dem Motto „Lauf mit Natalie in den Bundestag“ dazu auf, gemeinsam die 515 Kilometer von Bad Nauheim nach Berlin zu laufen.

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Natalie Pawlik: Warum die SPD ihre politische Heimat ist

Die eigene Herkunft – ihre Integrationserfahrungen und ihr Aufwachsen in materiell bescheidenen Verhältnissen motivierten Pawlik schon früh sich politisch zu engagieren. Zuerst in der Schülervertretung ihrer Schule, wo sie sich unter anderem für saubere Toiletten stark machte.

Später engagierte sie sich dann auch als Schülervertreterin auf Kreis- und Landesebene, wodurch sie auch zu den Jusos und der SPD kam. „Mich hat die Idee vom sozialen Aufstieg und sozialer Gerechtigkeit zur SPD gebracht. (…) Die SPD ist und bleibt für mich die Partei für Fortschritt, Aufstieg und soziale Sicherheit“, schreibt sie auf ihrer Webseite.

Seit 2011 sitzt für ihre Partei im Stadtrat von Bad Nauheim, seit 2016 im Kreistag des Wetterauskreises und 2021 wurde sie schließlich direkt in den Bundestag gewählt, wobei sie 2025 über die hessische Landesliste ins Parlament einzog. Direkt angekommen auf der Bundesebene wurde sie auch schon als erste Russlanddeutsche Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten unter der damaligen Innenministerin Nancy Faeser (SPD).

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Russlanddeutsche, Ernährung und Soziales: Das sind Natalie Pawliks politische Themen

Nach ihrer Wahl in den Bundestag 2021 engagierte sich Pawlik im Ernährungssauschuss des Bundestags. Ernährung und Landwirtschaft sind ihre Herzensthemen, auch wenn das viele verwundert: „Ich glaube, es ist eine unserer wichtigsten Zukunftsaufgaben, dass wir die Bevölkerung durch die regionale Herstellung von Lebensmitteln ernähren können“, sagte sie der SPD-Zeitung „Vorwärts“.

Daneben bringt Pawlik aber auch stark ihre russlanddeutsche Herkunft in ihre politische Arbeit ein und möchte Sprachrohr ihrer Community in der Bundespolitik sein. Insbesondere wehrt sie sich dagegen, dass die Russlanddeutschen politisch von der AfD vereinnahmt werden. Und sie wehrt sich gegen die Vereinnahmung der russischen Community durch den Kreml, hauptsächlich durch den russischen Krieg gegen die Ukraine.

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Russlands Überfall auf die Ukraine war auch für sie persönlich eine „Zeitenwende“, wie sie im Interview mit „Zeit Online“ sagte: „Ich kenne niemanden, für den der 24. Februar kein Schock war. (…) Als Russland die Ukraine angegriffen hat, blutete mir das Herz.“ In ihrem Amt als Aussiedlerbeauftragte unterstützte sie Projekte, die sich gegen russische Desinformation wenden, denn für sie ist klar: Auch wenn sich einige Russlanddeutsche mit Putin solidarisiert haben, der große Teil ihrer Community steht auf Seiten der Ukraine. Das wird sie wohl auch in ihrem neuen Amt als Integrationsstaatsministerin deutlich machen.