Robert Habecks Termin Kalender ist in diesen Tagen weniger voll, als er es schon mal war, leer ist er aber nicht: Am Donnerstag wird der Grünen-Politiker in der Bundespressekonferenz erwartet, zur Vorstellung der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung. Er präsentiert die Wirtschaftsprognose für das laufende Jahr, ein letztes Mal – geschäftsführend – als Wirtschaftsminister und Vizekanzler.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Habecks Zeit in der Regierung läuft ab. Und mit jedem Tag, den die Übergabe an die neue Regierung näherrückt, stellt sich ein bisschen dringender die Frage: Was kommt danach?

Kurze Rückblende: Am Tag nach der Bundestagswahl sitzt das grüne „Spitzenteam“ aus Kanzlerkandidat Robert Habeck und Außenministerin Annalena Baerbock in der Bundespressekonferenz und muss das enttäuschende Wahlergebnis der Partei erklären. Habeck wirkt an diesem Tag müde, etwas dünnhäutig – und er stellt schnell klar, er werde keine „führende Rolle“ mehr anstreben bei den Oppositions-Grünen. Wenige Tage später wird bekannt: Sein Bundestagsmandat, dass er über Platz zwei der grünen Landesliste in Schleswig-Holstein errungen hat, tritt er trotzdem an. Vorerst jedenfalls.

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#1 Robert Habeck über Krieg, Frieden und Waffen
Meine schwerste Entscheidung
 

Die Grünen rätseln: Woher kommen die Berichte über Habecks Rückzug? Und wozu?

Danach wurde es erst einmal still um die Zukunft des 55-Jährigen. Bis zur vergangenen Woche, als eine Meldung die vorösterliche Ruhe in Berlin stört. Der „Spiegel“ schreibt unter Berufung auf Parteikreise, Robert Habeck werde nur noch bis zum Sommer dem Bundestag angehören. Gespräche mit Mayra Vriesema, die in diesem Fall für ihn nachrücken würde in den Bundestag, hätten bereits stattgefunden. Andere Medien ziehen nach, berichten ebenfalls über Rückzugspläne des Noch-Ministers.

Einen Tag später folgt ein hartes Dementi aus der grünen Bundestagsfraktion. „Es ist nicht besprochen, dass Robert Habeck sein Mandat vor dem Sommer zurückgibt“, lässt sich Fraktionschefin Britta Haßelmann zitieren. Der 55-Jährige werde sich „in Absprache mit uns“ künftig im Auswärtigen Ausschuss um das Verhältnis Deutschland-USA kümmern. „Die Wichtigkeit dieser Beziehung ist ja offensichtlich.“

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Habeck selbst schweigt. Ein Interview mit dem „Spiegel“, bei dem es auch um seine Zukunft ging, hat er nach Angaben aus Parteikreisen zurückgezogen. Seitdem rätselt die Partei: Wer hat die ursprünglichen Meldungen angestoßen? Mit welchem Ziel? Und was will Habeck wirklich?

Dass es auf dem Feld der deutsch-amerikanischen Beziehungen im Moment genug zu tun gibt, ist kaum zu bestreiten. Und trotzdem zweifeln Beobachter und Parteifreunde gleichermaßen: Macht der Mann, der eben noch so mächtig war, jetzt wirklich Ausschussarbeit, fernab des Rampenlichts? Die dritte Reihe ist nicht Habecks natürlicher Lebensraum, das sagen bei den Grünen selbst die, die ihm gewogen sind. Und von einem Ministeramt zu wechseln zu einem Job als „einfacher“ Abgeordneter, kommt einer Vollbremsung gleich. Wäre es da nicht einfacher, ganz zu gehen – und den politischen Betrieb, mit dem Habeck oft genug gefremdelt hat, hinter sich zu lassen?

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Nicht alle wären unglücklich, wenn Habeck bei denen Grünen keine Rolle mehr spielt

Dass Habeck überlegt, seinen Abschied zu nehmen, steht seit längerem im Raum. Das Wahlergebnis betrachtet er als Abstimmung über seinen Politikansatz, den nicht genügend Wählerinnen und Wähler weiter in der Regierung sehen wollten. Und dem Vierer-Team aus Fraktions- und Parteispitze, dass die Grünen jetzt führt, will er nicht im Weg stehen.

Nicht alle in der Partei sind unglücklich über die Aussicht, dass Robert Habeck künftig bei den Grünen keine Rolle mehr spielen könnte. Vor allem im linken Flügel machen viele den Mitte-Kurs des Ministers verantwortlich für das Wahlergebnis – zu kompromissbereit, zu wenig grün, der Wahlkampf im Prinzip eine einzige offene Flanke nach links, die die wiedererstarkte Linkspartei für sich zu nutzen wusste und den Grünen 700.000 Wähler abnahm, so sehen das manche. Insbesondere die Grüne Jugend lag immer wieder mit ihm über Kreuz. Ausgerechnet aus deren Reihen kommt jetzt die mögliche Nachfolgerin.

Andere Grüne weisen darauf hin, dass Habecks Rückzug eine Lücke hinterlassen würde, die so schnell niemand füllen wird. Denn Habeck ist immer noch eine Ausnahme-Erscheinung in der deutschen Politik. In der Regierungszeit der Ampel-Koalition hatte er von denen einen Unmut, Unverständnis, selbst Hass angezogen wie ein Blitzableiter.

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Robert Habeck: Blitzableiter und „Hoffnungsträger“

Von den anderen aber wird ihm ungebrochen ein Maß an Zuneigung entgegengebracht, das ist in der Politik selten ist. Von den Zehntausenden Neumitgliedern, die die Grünen seit dem Aus der Ampel gewonnen haben, kamen viele wegen Habeck. Und nach seiner Ankündigung, die erste Reihe zu verlassen, tauchte online eine Petition auf, mit dem einzigen Ziel, ihn zum Bleiben zu bewegen: „Du bist für viele ein Hoffnungsträger“, heißt es darin. „Und Hoffnungsträger dürfen nicht gehen, wenn sie am meisten gebraucht werden“. Innerhalb weniger Wochen sammelte der Aufruf rund 450.000 Unterschriften.

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Und auch an der Parteispitze will man lieber nicht auf ihn verzichten: „Robert Habeck bringt etwas mit, was in der Politik dringend gebraucht wird: Schärfe und Klarheit in der Analyse und Zugewandtheit in der Sprache“, sagt Grünen-Parteichef Felix Banaszak dieser Redaktion. „Ich schätze ihn politisch wie persönlich sehr und finde es gut, dass er seine Stärken in der Fraktion einbringen wird.“

Habeck hat sich bislang nicht zu den Berichten über seinen angeblichen Rückzug geäußert, eine Anfrage an sein Büro bleibt unbeantwortet. Eine finale Entscheidung, ist aus seinem Umfeld zu hören, sei noch nicht gefallen.

Der jüngste Post auf Habecks Social-Media-Profilen stammt vom kleinen Parteitag der Grünen Anfang April. Es sei auf diesem Kanal lange Pause gewesen, heißt es darin. „Und es wird auch noch ein bisschen dauern, bis es hier richtig weiter geht.“ Wie es weiter gehen wird, ließ Habeck auch dort offen.