Es war der wohl berühmteste Schnappschuss der deutschen Politik in den letzten Jahren: ein Selfie, aufgenommen kurz nach der Bundestagswahl 2021. Darauf: FDP-Chef Christian Lindner, der damalige FDP-Generalsekretär Volker Wissing und die damaligen Grünenvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck. Zuversichtlich blicken sie in die Kamera. Unter dem Selfie heißt es auf Instagram bei allen: „Auf der Suche nach einer neuen Regierung loten wir Gemeinsamkeiten und Brücken über Trennendes aus. Und finden sogar welche. Spannende Zeiten.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Kurz nach der Wahl begannen FDP und Grüne, über eine mögliche Zusammenarbeit zu sprechen. Ziel war es, Grundlinien für eine gemeinsame Regierungspolitik festzulegen – ein Entwurf, den sie später mit SPD oder Union weiterverhandeln wollten. Der Schritt signalisierte die Bereitschaft beider Seiten, trotz ihrer Unterschiede zusammenzuarbeiten. In diesem Kontext entstand auch das bekannte Selfie. Dass es überhaupt existiert, ist Volker Wissing zu verdanken.

Er trat nach dem Ampel-Bruch aus der FDP aus, um in der Regierung von Kanzler Olaf Scholz zu bleiben. Im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ der FUNKE Mediengruppe verrät er nun, wie es wirklich zum Foto kam.
Volker Wissing: Das Selfie brauchte mehrere Versuche
Wissing erzählt, dass es mehrere Versuche brauchte, bis das Bild endlich stimmte. Der Grund: „Es ist ja wichtig, dass man dann die richtigen Gesichtsausdrücke findet“, sagt Wissing. Auf einem der Bilder habe Robert Habeck etwa „nicht so glücklich“ geschaut – da wäre nicht „diese Erwartungshaltung auch in den Augen drin“ gewesen.
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Ursprünglich sollte das Foto auch gar kein Selfie werden. Die Politiker baten jemanden aus dem Team, ein Bild von ihnen zu machen. Doch das Ergebnis überzeugte nicht. „Da waren ganz viele Bilder, mit denen konnte man alle nichts anfangen“, sagt Wissing. „Und das sind dann so Fotos: ‚Stellen Sie sich mal noch dahin und stellen Sie sich mal noch dahin‘ – und am Ende hat man so ein Orgelpfeifenbild. Aber darum ging es ja nicht.“
Wissing: „Es ging darum, einfach eine Botschaft zu senden“
Also nahm Wissing die Sache selbst in die Hand. „Ich fotografiere sehr gerne und mach das auch hobbymäßig“, erzählt er im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“. Früher habe er viel Zeit in sein Hobby investiert – heute fehle sie ihm oft, „aber vielleicht bald wieder“. Ihm sei klar gewesen: Ein gestelltes Foto von außen würde nicht funktionieren.
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Stattdessen schlug er vor, es selbst zu machen: „Ich habe dann gesagt, nee, wir machen jetzt noch mal Selfie oder so“, sagt er. „Da kam dann auch so dieser Spirit rüber. Wahrscheinlich mussten wir das selber machen, weil wir wussten eben, worum es uns geht und jemand Fremdes konnte das dann an der Stelle einfach nicht.“ Denn es sollte kein beliebiges Gruppenbild sein. „Es ging ja wirklich darum, einfach eine Botschaft zu senden“, sagt Wissing, „und die ist ja dann auch angekommen“. Die Botschaft: Wir verstehen uns. Wir kriegen das hin.
Doch konnten die späteren Koalitionspartner dies nicht halten. Inzwischen ist die Ampel-Koalition zerbrochen, und mehr als dreieinhalb Jahre nach seiner Entstehung scheint die ursprüngliche Botschaft des Fotos verloren.
Den Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ können Sie hier hören und auf allen gängigen Streaming-Plattformen wie Spotify, Apple Podcast und Amazon Music. Neue Folgen erscheinen jeden zweiten Donnerstag.









