US-Präsident Donald Trump hat bekanntermaßen nicht nur einen Hang zum Pathos, sondern auch zur Peinlichkeit. Am Mittwoch erklärte er vor herangekarrten Claqueuren im Rosengarten des Weißen Hauses der gesamten Welt den Handelskrieg, feierte dies als „Tag der Befreiung“ und beklagte sich bitterlich darüber, dass alle anderen Nationen des Planeten die Vereinigten Staaten über Jahrzehnte hinweg nur geplündert, gebrandschatzt und vergewaltigt hätten. Umfangreiche Einfuhrzölle gegen Freund und Feind sollen jetzt die Wiedergeburt Amerikas und seiner Industrie einläuten.

Die Inszenierung und die Argumentation sind mindestens so absurd wie die Trump’sche Handelspolitik an sich. Der Präsident verspricht dem Volk Wachstum und Wohlstand. Tatsächlich hat er ein Programm aufgelegt, das die Inflation im Land weiter anheizen und Millionen von Menschen in Armut stürzen wird. Amerika, das seine Strahlkraft und seine Macht auch dem Austausch von Ideen, Talenten und Waren rund um den Globus verdankt, kann durch Abschottung nur verlieren. Dem Land droht eine Rezession und der gesamten Weltwirtschaft gleich mit.
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Auch in Europa und in Deutschland wird es jetzt richtig ungemütlich. Die neue Bundesregierung startet mit einer schweren Hypothek. Für die hiesigen Exporteure sind die USA der wichtigste Auslandsmarkt. Wenn bei den deutschen Autoherstellern, Maschinenbauern, Chemie- oder Pharmafirmen wegen höherer Zölle demnächst weniger Bestellungen aus Amerika eingehen, wird das nicht ohne Auswirkungen auf Bilanzen und die Belegschaften bleiben.

Übrigens besteht ein weit verbreiteter und von Trump bewusst verstärkter Irrtum darin, dass die ausländischen Lieferanten oder ihre Heimatländer die Zölle zahlen müssten und dem amerikanischen Staat auf diese Weise Hunderte Milliarden Dollar zusätzlich aus dem Ausland zufließen würden. Tatsächlich bittet Trump die amerikanischen Importeure zur Kasse, die sich das Geld anschließend bei ihren Kunden zurückholen werden. Also zum Beispiel der US-Autohersteller, der bei Bosch in Stuttgart Komponenten für seine Fahrzeuge kauft. Oder die Boutique-Betreiberin, die mit Modefirmen aus Berlin, Paris und Kopenhagen zusammenarbeitet.
Donald Trump: Bald wird er den Handelskonflikt in die Nato tragen
Wer den Wohlstand eines Landes mehren will, der darf den Heimatmarkt nicht abschotten. Er muss ihn vielmehr in Absprache mit anderen Handelsnationen weiter öffnen und so die Grundlage schaffen für mehr Wettbewerb, Innovation und Spezialisierung. Für Europa ist Donald Trumps Zollpolitik eine Katastrophe. Das Gute an dieser schlechten Situation aber ist, dass die Europäische Union den Launen und Irrungen des US-Präsidenten nicht hilflos ausgesetzt ist.

Die EU ist selbst die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Sie kann als Reaktion auf die neuen US-Zölle ihrerseits zusätzliche Abgaben auf Importe aus den Vereinigten Staaten verhängen und so der US-Volkswirtschaft empfindlichen Schaden zufügen. Genau das wird die Gemeinschaft jetzt tun – mit dem Ziel, Trump und seine Leute an den Verhandlungstisch zu bringen. Wenn der US-Präsident nicht vollkommen von Sinnen ist, wird er sich darauf einlassen.

Zunächst aber dürfte er versuchen, den Konflikt weiter zu eskalieren. Und zwar auf eine sehr unangenehme Art und Weise: Trump neigt dazu, Themen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, zu verquicken. Wenn es bald in der Nato um die Zukunft des Militärbündnisses geht, um Amerikas Sicherheitsgarantien und Europas Beitrag, dann wird Trump den europäischen Exportüberschuss dagegen aufrechnen. Hier sitzt er am längeren Hebel. Das Spektakel im Rosengarten von Mittwoch war bizarr und befremdlich. Doch der Alptraum hat gerade erst begonnen.






