Die Stimmberechtigten der französischen Hauptstadt Paris waren am Sonntag aufgerufen, über die Begrünung ihrer Wohnviertel zu befinden. Die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo will 500 Straßen in „rues jardin“ (Gartenstraßen) verwandeln – und Paris in eine Gartenstadt: Sämtliche Quartiere sollen rund sechs solcher Wohnstraßen erhalten, und niemand soll mehr als 300 Meter von einer solchen Wohnstraße entfernt leben.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Mit 66 Prozent sagten die Bürgerinnen und Bürger am Sonntagabend ja zu dem Projekt. In früheren Abstimmungen hatten die gut zwei Millionen Pariserinnen und Pariser schon mehrere Projekte der rotgrünen Stadtregierung klar angenommen: 2023 untersagten sie an den Urnen Leihroller, 2024 führten sie speziell hohe Parktarife für SUV (Geländewagen) ein.

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Die „végétalisation“ (Begrünung) besteht normalerweise in der Reduktion auf eine Fahrspur. Sie wird flankiert von Grünflächen mit Büschen, Bäumen und Platz für Spielplätze und Bistroterrassen. Insgesamt 10.000 Parkplätze sollen verschwinden, wie die für Bürgerfragen zuständige Stadträtin Anouch Toranian erklärte. Zusammen mit 220 bestehenden „Gartenstraßen“ würden über 700 Straßen begrünt, mehr als ein Zehntel der 6000 Pariser Straßen. Und wie Toranian sagte, beruhigt jede Wohnstraße automatisch ein Halbdutzend umliegender Straßen. Fazit: Paris wird rasant entschleunigt.

Die konservative Opposition bezeichnete die Urnenabstimmung als Maskerade. Das Stadtparlament habe die Begrünung schon vor Wochen in einem „bioklimatischen“ Plan abgesegnet. Vor allem aber sei unbekannt, welche 500 Straßen genau betroffen seien. Der Impakt lasse sich deshalb gar nicht ermessen.

„Alle träumen davon, mit einem Garten zu leben, aber niemand denkt über die negativen Folgen für den Verkehr und Quartierläden nach“, sagte Aurélien Véron von der bürgerlichen Partei Changer Paris. Die Partystimmung auf Bistroterrassen störe die Anwohner vor allem abends stärker als der Autolärm.

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Hidalgo lässt sich aber von ihrem großen Ziel, den hupenden und stinkenden Autoverkehr aus der Stadt zu verbannen, seit ihrer ersten Wahl 2014 nicht abbringen. Die Schnellstraßen entlang der Seine hat sie durch Flanierzonen ersetzt; wichtige Verkehrsachsen wie die Rue de Rivoli und der historische Stadtkern sind heute autofrei. Die Champs-Elysée, über die der Autoverkehr heute noch auf acht Spuren brandet, sollen in Absprache mit den ansässigen Luxusmarken zu einer Grünzone werden.

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Hidalgo tritt 2026 nicht mehr zur Wiederwahl an, lässt aber insgesamt noch 170.000 Bäume pflanzen und 70.000 oberirdische Parkplätze aufheben. Sie schafft Fahrradwege und ganze Fahrspuren für Zweiräder; den 36 Kilometer langen Autobahnring um die Stadt baut sie hingegen schrittweise ab. Bis 2030 will die aus Spanien eingewanderte Bürgermeisterin Diesel- und Benzinmotoren ganz aus Paris verbannen.