Wahlkampf 2013

Peer Steinbrück verspricht „Humor und gute Bilder“

| Lesedauer: 4 Minuten

Die SPD-Spitze hat einstimmig Steinbrück zum Kanzlerkandidaten nominiert. Und der will „keinen langweiligen und lustlosen Wahlkampf“.

Einmal, da blickt Peer Steinbrück ganz versonnen auf Willy Brandt. Gerade hat Sigmar Gabriel verkündet, der SPD-Vorstand habe Steinbrück einstimmig zum Kanzlerkandidaten nominiert. Nun stehen die beiden Männer auf einem Podium der Parteizentrale. Hier, im Atrium, hebt Willy Brandt in Form einer übergroßen Bronzestatue seine schützende Hand über die Nachgeborenen. Steinbrück blickt auf den Bronze-Brandt, etwas versonnen wirken seine Augen, das ist selten der Fall.

Gelöste Stimmung

Die Stimmung an diesem Montagmittag ist gelöster als am Freitagnachmittag, während der Sturzgeburt des Kanzlerkandidaten Steinbrück. Diesmal spenden die Mitarbeiter der SPD kräftig Beifall, vor allem aber hält Steinbrück eine fulminante Stegreif-Wahlkampfrede. Dabei befindet er, der Wahlkampf habe noch gar nicht begonnen, und das sei – so sagt er es natürlich nur sinngemäß – auch gut so.

Ebenfalls geradezu versonnen verfolgt Gabriel diese präzise und, ja, kämpferische Analyse. Niemand aber muss denken, respektive hoffen, dass Gabriel dem Kandidaten allein die Show gönne. So wie die beiden Männer gleichzeitig die Bühne betreten haben, so ergreift Gabriel das Wort, beantwortet schon einmal eine an Steinbrück gerichtete Frage und äußert sich in mindestens einem Punkt – sollte die SPD bestimmte Koalitionen ausschließen? – doch etwas anders als der Kandidat. Dazu später.

Steinbrück weckt mit seiner Rede durchaus hohe Erwartungen, und ein wenig schwingt hier mit, wie sehr er sich abheben werde von einem Mann, der heute nicht auf dem Podium steht. Frank-Walter Steinmeier, der Dritte im Bunde, ist heute nicht zugegen. Die Troika ist passé. Das wird heute erstmals nach außen hin deutlich. Dazu passt, dass von Steinmeier wenig die Rede ist. Der Fraktionsvorsitzende gilt als der Schuldige der Sturzgeburt, Steinbrück und Gabriel empfanden sein Agieren suboptimal, vorsichtig formuliert.

Keine honorierten Vorträge mehr

„Keinen langweiligen und lustlosen Wahlkampf“ werde es geben, verspricht Steinbrück, „Humor und gute Bilder“ kündigt er an. Von welchem Wahlkampf setzt sich der Kandidat hier ab, wenn nicht von dem unglücklichen, gelähmten Wahlkampf von 2009? Die sensationelle Performance Gerhard Schröders kann er nicht meinen, den hatte Steinbrück erst am Freitag als sein Vorbild genannt. Der Spitzenkandidat also schilt: Steinmeier, und ein wenig, das sollte nicht vergessen werden, Franz Müntefering. Der war 2009 SPD-Chef, und er unterließ es, Steinbrück landauf, landab zu plakatieren.

Im kommenden Jahr wird es an Steinbrück-Plakaten nicht mangeln, an Steinbrück-Kundgebungen und -Talkshows auch nicht. Wohl aber an honorierten Vorträgen. Die hat Steinbrück bereits in diesem Jahr wohlweislich reduziert, von nun an, kündigt er an, sei ganz Schluss damit. Auch sein Aufsichtsratsmandat beim Industriekonzern ThyssenKrupp legt er wegen der SPD-Kanzlerkandidatur nieder. Sein Aufsichtsratsmandat beim Deutschen Fußballmeister Borussia Dortmund wolle er nach Rücksprache mit dem Verein aber behalten, sagte Steinbrück.

Dafür, dass Steinbrück im Vorstand eben erst nominiert wurde, besitzt er durchaus konkrete Vorstellungen seines Wahlkampfes. Und es gelingt ihm, diese gewohnt witzig darzulegen. Ritualisierte Auseinandersetzungen werde er nicht führen, keine Kundgebungen, wo zum Einzug „Der Steiger kommt“ gesungen wird, gefolgt von einer „45-minütigen Frontalrede“, dann Tusch und ein weiteres Lied, dessen Titel aber Steinbrück gerade nicht über die Lippen kommt.

Meinte er vielleicht „Brüder, zur Sonne, zur Freiheit“, also das Traditionslied der SPD? Gabriel kennt dessen Text, und er kann ohne Blatt mitsingen. Steinbrück wird den Liedtext sich gewiss bald einbimsen. Am 9. Dezember soll ihn die SPD dann noch einmal ganz offiziell nominieren. In Hannover, der Heimatstadt Gerhard Schröders, dort, wo am 20. Januar ein neuer Landtag gewählt wird.

Präzise Vorstellungen

Präzise sind Steinbrücks Vorstellungen ebenfalls zu der Frage, wer was in der SPD zu sagen hat, von wem derlei Dinge nun geklärt werden. „Mich“ nennt er an erster Stelle, gefolgt von dem Parteivorsitzenden, dem Fraktionsvorsitzenden, den „A-Ministerpräsidenten“ und schließlich der engeren Parteiführung.

Den Namen Andrea Nahles lässt Steinbrück nicht fallen. Ob denn die Generalsekretärin Nahles seine Wahlkampfmanagerin werde, lautete denn auch eine Frage an Steinbrück. Gabriel witterte ein gewisses Gefahrenpotenzial und ergriff sogleich das Wort. Die Generalsekretärin sei für den Wahlkampf verantwortlich, so stehe es in der Satzung der SPD. Steinbrück schwieg. Vermutlich haben beide schon besprochen, wie sie Nahles mit weiteren „Helfern“ umstellen werden.

( Daniel Friedrich Sturm )

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