USA

Romney siegt bei Vorwahlen in New Hampshire

Mit klarem Vorsprung hat Mitt Romney die Vorwahl der Republikaner im US-Staat New Hampshire gewonnen und damit seine Position als Favorit auf die Präsidentschaftskandidatur gefestigt.

Foto: REUTERS

Seit Jahren bereitet sich Mitt Romney darauf vor, für die Republikaner um den Einzug in das Weiße Haus kämpfen zu dürfen. Bereits 2008 investierte der Multimillionär Unsummen in seine Bewerbung, unterlag im parteiinternen Wettstreit aber Senator John McCain – der wiederum gegen Präsident Barack Obama verlor. In diesem Jahr liegt Romney dagegen voll auf Kurs: Nach dem Auftaktsieg in Iowa gewann er am Dienstag auch die Vorwahlen in New Hampshire. Hoffnungen, dass seinen Konkurrenten bald die Puste ausgeht, könnten sich jedoch als verfrüht herausstellen.

Romney holte dem Nachrichtensender CNN zufolge nach den Ergebnissen aus 91 Prozent der Wahlbezirke rund 39 Prozent der Stimmen. Meinungsforscher sahen den Ex-Gouverneur auch bei den nächsten Vorwahlen am 21. Januar in South Carolina und zehn Tage später in Florida klar in Führung.

Der Abgeordnete Ron Paul erreichte in New Hampshire laut CNN 23 Prozent der Stimmen. Er erklärte, er sei Romney „auf den Fersen“. Der Abgeordnete weiß mit seiner Vision eines Minimalstaates eine treue Anhängerschar hinter sich, seine Ansichten gelten aber auch in der eigenen Partei als nicht mehrheitsfähig. Jon Huntsman kam auf 17 Prozent. Der als moderater Konservativer geltende ehemalige US-Botschafter in China hatte den Vorwahl-Auftakt in Iowa übersprungen und alle Hoffnungen auf ein gutes Abschneiden in New Hampshire gesetzt. „Wir sind im Rennen“, sagte er. „Mit dem dritten Platz ist das Ticket gelöst.“

Auf den früheren Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, entfielen zehn Prozent. Für den christlich-konservativen Ex-Senator Rick Santorum, der in Iowa nur acht Stimmen weniger als Romney hatte, votierten in New Hampshire neun Prozent. Beide Bewerber erklärten aber, im Rennen bleiben zu wollen. Abgeschlagen mit etwa einem Prozent war der texanische Gouverneur Rick Perry. Er hatte dem Neuengland-Staat keine Bedeutung zugemessen und am Dienstag bereits in South Carolina Wahlkampf gemacht.

Wie in Iowa nutzte Romney seine Siegesrede für scharfe Attacken gegen Obama, den er als Anhänger europäischer Staatsgläubigkeit brandmarkte. „Dem Präsidenten sind die Ideen ausgegangen. Jetzt gehen ihm die Ausreden aus“, rief er seinen Unterstützern in Manchester zu. „Und heute Abend bitten wir die guten Menschen in South Carolina, den Bürgern von New Hampshire zu folgen und 2012 zu dem Jahr zu machen, in dem ihm die Zeit ausgeht.“

Romney baut darauf, dass er mit Siegen bei den nächsten Vorwahlen in South Carolina am 21. Januar und zehn Tage später in Florida seine Kontrahenten zur Aufgabe bewegen und die Republikaner möglichst bald für das Duell mit Obama hinter sich vereinen kann. In beiden Bundesstaaten lag er in jüngsten Umfragen klar vorne. Sein Wahlkampfteam ist professionell, die Unterstützer-Liste im Partei-Establishment klangvoll: Ex-Präsident George Bush senior hat sich ebenso für Romney ausgesprochen wie sein einstiger Gegenspieler McCain.

Seine aktuellen Gegner machen aber noch keine Anstalten, das Handtuch zu werfen. Ron Paul kann sich auf eine wackere Anhängerschar stützen, die seine Vision eines Nachtwächterstaates teilt und ihm beharrlich gut ein Fünftel der Stimmen beschert. „Wir sind ihm auf den Fersen“, sagte der texanische Abgeordnete nach der New Hampshire-Vorwahl drohend in Richtung Romney. Neue Konkurrenz erwuchs Romney zudem durch den Aufstieg von Jon Huntsman, der in den vergangenen Tagen kräftig zulegte und nun mit 17 Prozent Platz drei holte. Der frühere US-Botschafter in China spricht vor allem moderate Konservative an.

Selbst der Ex-Chef des Repräsentantenhauses, Newt Gingrich, der am Dienstag enttäuschende zehn Prozent errang, erklärte trotzig, in South Carolina erneut mit von der Partie zu sein. In dem Südstaat glaubt auch Rick Santorum, mit seinem erzkonservativen Themenbündel aus traditionellen Familienwerten und haushaltspolitischer Strenge wieder besser punkten zu können.

Die Konkurrenz zieht ihren Mut aus Romneys allzu bescheidenem Zuspruch in landesweiten Umfragen. Sie zeigen, dass sich die republikanische Basis mit dem Favoriten noch nicht angefreundet hat. Wechselnde Positionen bei konservativen Grundsatzfragen wie dem Abtreibungsverbot machen den Ex-Gouverneur verdächtig. Seine Wahlkampfauftritte wirken spröde, die Reden vorgefertigt. Zuletzt prangerten mehrere republikanische Rivalen in ungewohnt klassenkämpferischem Ton Romneys Vergangenheit als Finanzinvestor an. Gingrich warf ihm etwa die „Plünderung“ von Unternehmen vor, unter der einfache Arbeiter gelitten hätten.

Ein Gegner auf Augenhöhe für Romney ist im aktuellen Feld nicht in Sicht – dafür aber gleich mehrere Außenseiter, die noch auf ihre Chance warten. In den meisten Bundesstaaten werden die Delegiertenstimmen proportional nach dem Wahlergebnis vergeben. Daher könnte Romney noch eine kräftezehrende Auseinandersetzung bevorstehen, ehe er eine tatsächliche Mehrheit für die Kandidatenkür auf dem Parteitag im August zusammenhat.

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