Neonazi-Trio

SEK-Beamte kurz vor Zugriff zurückgerufen

Offenbar im letzten Moment wurde die Festnahme des Jenaer Neonazi-Trios Ende der 90er-Jahre gestoppt. Nach dem abgebrochenen SEK-Einsatz sei es zu massiven Beschwerden der beteiligten Beamten gekommen, berichtet der MDR. Derweil wurde bekannt, dass vier weitere Verdächtige ins Visier der Ermittler geraten sind.

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Ein Spezialeinsatzkommando des Landeskriminalamts ist kurz vor der Festnahme des Jenaer Neonazi-Trios zurückgerufen worden. Das berichtet der MDR. Demnach wurde der Einsatz Ende der 90er-Jahre in letzter Minute gestoppt, nachdem Zielfahnder die drei Tatverdächtigen Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Chemnitz aufgespürt hatten.

Das SEK soll daraufhin in Alarmbereitschaft versetzt worden sein. Kurz bevor die SEK-Beamten in Richtung Sachsen aufbrechen wollten, sei der Einsatz abgebrochen worden. Auch die Zielfahnder sollen auf Weisung des LKA wieder zurückgeholt worden sein.

Das Innenministerium wollte den Bericht unter Verweis auf die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und die eingesetzte Untersuchungskommission in Thüringen nicht kommentieren.

Nach dem abgebrochenen Einsatz habe es "massive Beschwerden" der beteiligten Beamten gegenüber der Amtsleitung gegeben, berichtet der MDR weiter. Daraufhin soll es ein Gespräch zwischen hohen Vertretern des Thüringer Innenministeriums und den betroffenen Polizisten gegeben haben. Ob die Beamten dabei über den Grund des Abbruchs informiert wurden, sei nicht bekannt, hieß es.

Sächsischer Staatsschutz hatte Hinweise

Auch der sächsische Staatsschutz hatte möglicherweise schon seit über einem Jahr Hinweise auf einen rechtsradikalen Hintergrund der Taten des Neonazi-Trios. Wie die „Dresdner Morgenpost“ berichtete, ließ das Landeskriminalamt im Juli 2010 eine Musik-CD der rechtsextremen Plattenfirma „PC Records“ indizieren, auf der ein „Döner-Killer“ und die Mordserie an neun Unternehmern türkischer und griechischer Herkunft besungen wird. Zudem würden darauf weitere Morde angedroht, schrieb die Zeitung.

Der Staatsschutz ermittelte dem Bericht zufolge zunächst wegen Volksverhetzung. Einen Hinweis an die wegen der Morde ermittelnde Sonderkommission „Bosporus“ in Nürnberg habe die Behörde nicht weitergegeben.

Weitere Verdächtige im Visier

Beim Krisengipfel zur rechtsextremistischen Zelle in Berlin wurde bekannt, dass die Ermittler vier weitere Verdächtige im Visier haben. Dies habe der neue Generalbundesanwalt Harald Range berichtet, sagte ein Teilnehmer der Nachrichtenagentur Reuters. Zwei der vier Verdächtigen gelten als Beschuldigte, gegen sie wird ermittelt. Überwachungsmaßnahmen liefen, hieß es. Weitere Details habe Range aus ermittlungstaktischen Gründen nicht genannt.