Neonazi-Terrorzelle

LKA dementiert verpasste Festnahme des Nazi-Trios

Nach einem Bericht des MDR stand das Neonazi-Trio aus Zwickau bereits Ende der 90er-Jahre kurz vor der Festnahme. Im letzten Augenblick soll der Zugriff aber abgeblasen worden sein. Das Thüringer Landeskriminalamt widerspricht.

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Das Thüringer Landeskriminalamt hat Berichte über eine angeblich gestoppte Ergreifung der Terrorverdächtigen aus Zwickau dementiert. Die Zielfahndung habe in den Jahren 1999 und 2000 „zu keinem Zeitpunkt Kenntnis zum konkreten Aufenthaltsort“ der drei Verdächtigen gehabt, sagte ein Sprecher am Freitag. Daher sei auch kein Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) für eine Festnahme in Chemnitz geplant gewesen.

Zuvor hatte der MDR Thüringen berichtet, dass die Ermittler zwischen 1998 und 1999 offenbar die konkrete Möglichkeit für einen Zugriff hatten. Die Aktion sei jedoch abgebrochen worden. Zielfahnder hatten die Drei im sächsischen Zwickau aufgespürt. Kurz vor dem Aufbruch des Spezialeinsatzkommandos nach Sachsen sei der Einsatz aber gestoppt worden, so der MDR.

Nach MDR-Informationen hatten sich die beteiligten LKA-Beamten damals massiv beschwert. Daraufhin habe es ein Gespräch zwischen „hohen Vertretern des Innenministeriums“ und den Polizisten gegeben habe. Unklar sei, ob ihnen ein Grund für den Abbruch der Aktion genannt wurde.

Die drei Thüringer Mitglieder der späteren Terrorzelle waren der Polizei als mutmaßliche Bombenbauer ins Visier geraten. Bei einer Razzia Anfang 1998 fanden die Ermittler eine Werkstatt mit Rohrbomben und Sprengstoff. Das Trio tauchte unmittelbar nach Entdeckung unter. Die Ermittlungen gegen das Trio waren 2003 wegen Verjährung eingestellt worden.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Neonazi-Zelle möglicherweise größer ist als bislang bekannt. Die Ermittler haben neben den beiden bereits Verhafteten zwei weitere Personen im Visier. Sie sollen das Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe unterstützt haben. Böhnhardt und Mundlos sind tot, sie haben sich laut Behörden selbst umgebracht. Zschäpe und der in Niedersachsen festgenommene Holger G. sitzen bereits in Untersuchungshaft.

Das Ausmaß der Unterstützung für die Neonazi-Terroristen stellt für die Ermittlern bisher ein Rätsel dar. „Das kann auf ein Netzwerk hinauslaufen“, sagte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Die rechtsextreme Gruppe Thüringer Heimatschutz, aus der der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) entstanden ist, habe zeitweise 170 oder 180 Mitglieder gehabt. Auch in Sachsen und Brandenburg gab es Hinweise auf mögliche Unterstützer.

Von Beate Zschäpe sind bislang keine weiteren Informationen zu erwarten. Sie sitzt im Frauentrakt des Gefängnisses in Köln-Ossendorf ein und will entgegen anderslautender Berichte zunächst nicht aussagen. „Ich habe heute mit ihr gesprochen und ihr den Rat erteilt, derzeit nichts zur Sache zu sagen. Sie wird diesen Rat auch befolgen“, sagte ihr Anwalt, der Kölner Strafrechtler Wolfgang Herr. Nach Angaben der Gefängnisleitung hat die 36-Jährige auch bisher keinen Besuch von BKA-Beamten erhalten.