Fahrradhelm-Pflicht

"Lieber ein fester Helm als eine feste Frisur"

Mehr als 400 Radfahrer sterben jedes Jahr auf deutschen Straßen, jeder zweite an Kopfverletzungen. Thüringens Verkehrsminister Christian Carius über die Vorteile einer gesetzlichen Helmpflicht.

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Für seine Ankündigung, notfalls eine Helmpflicht für Radfahrer einzuführen, hat Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) viel Kritik geerntet. Zu seinen Unterstützern zählt Thüringens Minister Christian Carius (CDU). Mit ihm sprach Martin Lutz.

Morgenpost Online: Herr Minister, Sie plädieren für eine Helmpflicht für Fahrradfahrer. Würde sie wirklich mehr Sicherheit bringen?

Christian Carius: Ja, davon bin ich überzeugt. Durch das Tragen von Radhelmen können viele tödliche Verkehrsunfälle verhindert und schwerste Verletzungen vermieden werden. Darüber sind sich alle Experten einig. Deshalb gilt es, jetzt die gesetzliche Weichenstellung vorzunehmen. Das große Ziel heißt Helmpflicht für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre.

Morgenpost Online: Warum fordern Sie die Helmpflicht nicht für alle Radfahrer?

Christian Carius: Unsere jüngsten Verkehrsteilnehmer sind im Straßenverkehr besonders gefährdet. Hier besteht ein erhöhter Handlungsdruck. Im Übrigen glaube ich, dass wir mit der Radhelmpflicht bei den schwächsten Verkehrsteilnehmern beginnen sollten. Das schließt eine allgemeine Radhelmpflicht nicht aus. Die Zweidrittelmehrheit für eine Helmpflicht in der jüngsten Emnid-Umfrage bestätigt diesen Trend.

Morgenpost Online: Die Helmpflicht für Motorradfahrer wurde im Januar 1981, die Gurtpflicht für Kinder im Auto im April 1993 eingeführt. Warum war dafür die Akzeptanz größer?

Christian Carius: Auch damals gab es heftige Debatten. Damals wie heute sind es im Kern dieselben Abwehrreflexe, mit denen die Kritiker der Helmpflicht auf unsere Offensive reagieren. Die Einführung der Anschnallpflicht hat auch nicht zum Rückgang des Pkw-Verkehrs geführt.

Morgenpost Online: Manche sehen in der Helmpflicht einen Anschlag auf die Freiheit der Bürger. Ist das eine unangemessene staatliche Bevormundung?

Christian Carius: Nein. Diese Maßnahme führt zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr. So wie die Anschnallpflicht und die Helmpflicht für Motorradfahrer. Niemand wird ernsthaft behaupten, dass sie die Freiheit der Verkehrsteilnehmer unzumutbar einschränken.

Morgenpost Online: Teilen Sie die Kritik der Verbände, dass Radfahren bei einer Helmpflicht für viele Menschen deutlich unattraktiver würde und dem Ziel schade, mehr Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen?

Christian Carius: Nein. Das sind Spekulationen. Warum sollte ein Verkehrsteilnehmer wegen einer Helmpflicht das Rad in der Garage lassen? Fahrradfahren ist sexy: umweltfreundlich, stärkt die Fitness und die Gesundheit.

Morgenpost Online: Schätzungen zufolge schützt sich bisher nur jeder zehnte Radfahrer mit einem Helm. Sind sie einfach zu unbequem und unpraktisch?

Christian Carius: Die Tragequote ist bundesweit sogar rückläufig. Vor allem Jugendliche finden Radhelme mitunter uncool. Oder sie fürchten, ihre schicke Frisur könnte durcheinandergeraten. Mir ist ein fester Helm lieber als eine feste Frisur.