Verkehrssicherheit

"Ja" zur Fahrradhelm-Pflicht – mit einer Ausnahme

Verkehrsminister Ramsauer erwägt die Einführung einer Fahrradhelm-Pflicht. Die meisten finden das gut – nur eine Bevölkerungsgruppe nicht.

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Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger unterstützen Überlegungen von Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), das Tragen von Helmen beim Fahrradfahren in Deutschland vorzuschreiben. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Instituts Emnid im Auftrag der „Bild am Sonntag“ hervor.

Im Westen befürworten demnach rund 64 Prozent der Befragten eine Helmpflicht, im Osten sind es sogar 88 Prozent. Einen leichten Unterschied gibt es auch bei dem Urteil von Männern und Frauen. Während sich 65 Prozent der Männer für Ramsauers Plan erwärmen können, begrüßen ihn 71 Prozent der Frauen.

Der Umfrage zufolge zieht sich das mehrheitliche „Ja“ zur Helmpflicht durch alle Bevölkerungsgruppen – außer bei den Schülern. Während sich 40 Prozent dieser Gruppe dafür aussprechen, wollen sich 47 Prozent nicht vorschreiben lassen, auf dem Fahrrad einen Helm zu tragen. Für die Erhebung hatte das Emnid-Institut 500 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt.

Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) steht einer gesetzlichen Helmpflicht dagegen skeptisch gegenüber. Nur wenn das Gesetz auch tatsächlich befolgt würde, könnte das Problem schwerer Fahrradunfälle gelöst werden, sagte Andreas Bergmeier vom DVR. „Wenn alle Radfahrer einen Helm tragen würden, wäre das ein großer Sicherheitsgewinn. Meine Sorge ist aber, dass eine Helmpflicht als zahnloser Tiger daherkäme.“

Mehr Sicherheit durch Radwege

Bergmeier bezweifelt, dass eine gesetzliche Helmpflicht kontrolliert werden kann. „Deswegen gibt es in einigen anderen europäischen Nachbarstaaten eine Fahrradhelmpflicht, aber ganz klar mit der Maßgabe, wir sanktionieren nicht“, so Bergmeier. Der DVR setze eher auf Überzeugung durch Aufklärung.

Bergmeier ist Referent für Kinder und Jugendliche beim DVR. In Thüringen war er Mitglied einer Expertenkommission, die sich mit einer gesetzlichen Fahrradhelmpflicht beschäftigte.

Fahrradhelme können laut Bergmeier zwar schwere Kopfverletzungen vermindern oder auch ganz verhindern. Sie seien aber nur eine Möglichkeit, die Radler zu schützen. „Wir werden mehr Sicherheit nicht nur durch Maßnahmen hinbekommen, die sich direkt an die Fahrradfahrer wenden. Wir müssen auch etwas dafür tun, dass der Radverkehr sichere Wege hat“, so Bergmeier. Das Problem sei aber, dass die Kommunen kein Geld hätten, um Straßen für Radfahrer entsprechend umzugestalten.