ADFC-Kritik

Helmpflicht würde Radfahren unattraktiv machen

Der ADFC befürchtet: Würde eine Helmpflicht eingeführt, wäre das Fahrrad für viele nicht mehr attraktiv. Zudem gebe es wichtigere Maßnahmen für mehr Sicherheit.

Foto: Getty Images / Getty Images/Getty

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hat vor den negativen Folgen einer Helmpflicht für Fahrradfahrer gewarnt. Würden entsprechende Überlegungen von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) in die Tat umgesetzt, werde Fahrradfahren für viele Menschen deutlich unattraktiver, erklärte der Verband

Das laufe dem Ziel zuwider, mehr Autofahrer zum Umsteigen zu bewegen und Innenstädte von Verkehr zu entlasten. Große Schwierigkeiten könne dies vor allem auch für die Leihfahrradsysteme verursachen, die in vielen Städten enstanden sind. Deren Attraktivität beruhe auch darauf, dass sie unkompliziert zu nutzen seien.

„Die Deutsche Bahn und die anderen Betreiber von Leihrädern werden nicht begeistert sein, wenn der Bundesverkehrsminister ihnen mit einer Helmpflicht die Kundschaft abspenstig macht. Die Leihradsysteme kommen auch deshalb so gut an, weil sie leicht zu nutzen und schnell zugänglich sind", sagte ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner.

Viele würden wieder aufs Auto umsteigen

Zudem schüre eine Helmpflicht "überzogene Ängste vor den Gefahren des Radfahrens". Es würden "unnötige Hemmnisse gegenüber der Nutzung des Fahrrades aufgebaut", heißt es in einer Pressemitteilung des Verbands.

„Wenn eine Helmpflicht in Deutschland kommt, werden viele Leute wieder aufs Auto umsteigen. Und dann hätten wir wieder das, was wir nicht wollen: Stau, mehr Feinstaub und mehr Lärm in den Innenstädten“, so Hahn-Klöckner.

Die von Ramsauer geäußerten Gedankenspiele bezeichnete er als „künstlich von oben verordnete Scheinsicherheit“. Den Fahrradfahrern sei besser mit einer sicheren Infrastruktur mit passenden Wegen, fahrradfreundlichen Ampelschaltungen und guter Verkehrsführung gedient. "Je mehr Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind, desto mehr werden sie auch wahrgenommen und desto weniger Unfälle passieren", heißt es in einer Mitteilung.

Ramsauer hatte in der vergangenen Woche angedeutet, er könne sich eine generelle Helmpflicht vorstellen, sofern Fahrradfahrer mittelfristig nicht freiwillig dazu übergingen, vermehrt Helme zu tragen. Zur Begründung verwies der Minister auf die Gefahr von tödlichen Kopfverletzungen bei Unfällen.

Viele Großstädte haben sich vorgenommen, den Fahrradverkehr in den nächsten Jahren deutlich zu steigern und damit umwelt- und klimafreundlicher zu werden. Die Vermeidung von kurzen Autofahren im Stadtbereich gilt unter Experten nicht zuletzt als ein wichtiger Beitrag zum Senken der Treibhausgas-Emissionen.