Studie

Berlin hat das schlechteste Bildungssystem

Mehr Akademiker, bessere Integration in den Schulen: In Deutschland geht es aufwärts mit der Bildung – auch in Berlin. Der Bildungsmonitor 2011 bescheinigt der Hauptstadt Fortschritte. Doch andere strengen sich weitaus mehr an. So bleibt Berlin das Schlusslicht im Ländervergleich.

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Trotz Verbesserungen bleibt Berlin im Ländervergleich Deutschlands schlechtester Bildungsstandort. Dies geht aus dem „Bildungsmonitor 2011“ der arbeitgeberfinanzierten Neuen Initiative Soziale Marktwirtschaft (INSM) hervor. Danach konnte Berlin um 3,7 Punkte auf 62,7 Punkte um Vergleich zum Vorjahr zulegen, bleibt allerdings im Ländervergleich auf dem letzten Rang. In der Bewertungsskala sind maximal 100 Punkte möglich.

Die Unterschiede zwischen den Ländern sind laut Studie nach wie vor „beträchtlich“. So bleibt das Bildungssystem in Sachsen (Platz 1: 83,6 Punkte) und Thüringen (Platz 2: 80,7 Punkte) bei Bildungsgerechtigkeit und der Förderung von Wirtschaftswachstum bundesweit am leistungsstärksten, gefolgt von Baden-Württemberg und Bayern.

Allerdings bescheinigt die Studie 2011 Berlin mit dem Plus von 3,7 Punkten besonders starke Verbesserungen. Nur Mecklenburg-Vorpommern (+ 5,4 Punkte) und Thüringen (+4,1 Punkte) konnten noch stärker zulegen.

Berlin spitze als Hochschulstandort

Seine Stärken hat Berlin als Hochschulstandort. Bei der Forschungsorientierung ist die Hauptstadt spitze, belegt den ersten Platz. Mit rund neun Prozent hat Berlin die zweithöchste Habilitationsquote in Deutschland, tut viel für den Forschernachwuchs und wirbt die meisten Drittmittel ein.

Sehr gut steht die Hauptstadt auch bei der Förderung kleiner Kinder in Kitas und Grundschulen da – insbesondere bei der Ganztagsbetreuung (Platz 3). Jedes zweite Kind im Alter von drei bis sechs Jahren 2010 ganztags einen Kindergarten, im Bundesdurchschnitt nur jedes dritte Kind. Es gibt zudem mehr Ganztagsplätze und auch mehr Grundschullehrer.

Letzter Rang bei der Integration

Doch immer noch brechen, trotz positiver Tendenz, zu viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss ab (rund neun Prozent) – vor allem junge Menschen ausländischer Herkunft (16,4 Prozent). Platz 16 deshalb nur für die Integration. Es bleibt beim engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Als Folge verfehlen 14,2 Prozent der Neuntklässler die Mindeststandards im Lesen – damit ist Berlin zusammen mit Bremen Negativrekordhalter in Deutschland.

Bei der Integration stemmt sich Berlin gegen den Bundestrend. Die Studie bescheinigt den Ländern insgesamt „beträchtliche Fortschritte“ beim Thema. Der Anteil der ausländischen Schulabbrecher sank demnach um 1,2 Prozentpunkte auf 13,8 Prozent, die Zahl der Abiturienten stieg.

Auch bei der beruflichen Ausbildung ist in Berlin noch Luft nach oben: Berlin hat die niedrigste Quote an Ausbildungsplätzen bundesweit und auch deutlich weniger bestandene Abschlussprüfungen als der Bundesdurchschnitt. Allerdings ist Berlin bei den Berufsprüfungen offenbar auf dem richtigen Weg. Bei der Erfolgsquote konnte sich die Hauptstadt seit dem Jahr 2000 am stärksten verbessern.

Kanada oder Finnland noch längst nicht eingeholt

Insgesamt zeichnet die Studie ein optimistisches Bild von der Entwicklung der Bildung in allen Bundesländern. Deutschland nehme unter den Euro-Ländern mit seinem Bildungssystem einen „guten vorderen Platz“ ein, sagte Studienleiter Professor Axel Plünnecke. Die internationalen „Top-Staaten“ Kanada, Finnland und Schweiz seien aber noch nicht erreicht. Trotz aller Fortschritte müsse weiter gegen Bildungsarmut und für Chancengleichheit gearbeitet werden, forderte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. Wichtig ist nach Angaben der Fachleute die Frühförderung in den Kitas, um Kindern bessere Chancen in der Schulen zu geben.

Der „Bildungsmonitor“ vergleicht die Bildungssysteme der Bundesländer mittels 111 Kriterien, darunter das Angebot an Ganztagsschulen und Kitas, Quote der Schulabbrecher, Abiturquote und Ingenieurabsolventen. Grundlage sind Daten aus dem Jahr 2009.