Schlechte Sprachkenntnisse

Integration - Wowereit fordert Vorschulpflicht

Durch eine Vorschulpflicht für Kinder will Berlins Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) die Integration vorantreiben. Denn zu viele Mädchen und Jungen hätten bei Schuleintritt keine ausreichenden Sprachkenntnisse.

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Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) spricht sich für eine Vorschulpflicht aus. Damit eröffnet er eine Debatte, die bereits häufig geführt und innerhalb der SPD wieder verworfen wurde. In seinem Buch „Mut zur Integration“ schreibt Wowereit: „Um Benachteiligungen früh auszuschließen, sollte ein verpflichtendes Vorschuljahr in Erwägung gezogen werden.“

Bisher hatte Wowereit ein verpflichtendes letztes Kitajahr vor der Schule mit Hinweis auf das Elternrecht eher abgelehnt. Der Regierende Bürgermeister setzte auf Freiwilligkeit. Die Gebührenfreiheit für die Eltern in den letzten drei Kitajahren sollten die Kita als Bildungseinrichtung stärken und finanzielle Hürden abschaffen. Doch Freiwilligkeit allein reicht offenbar nicht.

Hoher Sprachförderbedarf

Noch immer weisen zu viele Kinder vor der Einschulung einen Sprachförderbedarf auf. In der letzten Erhebung 2010 hatten 17,05 Prozent der getesteten Kinder keine ausreichenden Sprachkenntnisse, um dem Unterricht folgen zu können. Bei den Kita-Kindern nichtdeutscher Herkunft lag der Sprachförderbedarf sogar bei 34 Prozent. Für die Kinder, die in keiner Kita angemeldet waren, konnten keine Angaben gemacht werden. Zwar müssen alle Vierjährigen einen verbindlichen Sprachtest machen, doch nur 20 Prozent der insgesamt 2000 angeschriebenen Kinder sind überhaupt zum Test erschienen. Teilweise hätten die Kinder ihren Lebensmittelpunkt gar nicht in Berlin, sondern lebten bis zum Schuleintritt bei der Oma in der Türkei, sagt Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD). In solchen Fällen soll künftig das Kindergeld gestrichen werden. Zudem sollen Bußgelder verteilt werden, wenn die Kinder nicht zum Test erscheinen. Das hatte die Bildungsverwaltung zuletzt im Juli in ihrem Qualitätspaket angekündigt. Wer Sprachförderbedarf hat, muss einen Halbtagsplatz in der Kita belegen. Diese Auflage will Zöllner verbindlicher gestalten. Doch Bildungssenator Zöllner scheute die juristischen Auseinandersetzungen bei einer Vorschulpflicht.

Reform auf dem Prüfstand

Vor sechs Jahren wurde das Einschulungsalter vorgezogen, die Vorschule im gleichen Zuge abgeschafft und dafür die flexible Schuleingangsphase eingeführt. Diese Reform steht jetzt auf dem Prüfstand. Immer mehr Schulen verabschieden sich wieder von der jahrgangsübergreifenden Schulanfangsphase, oft mit der Begründung, die Entwicklungsunterschiede seien bei den Schulanfängern zu groß. Vorschule und Schulanfangsphase werden deshalb auch in den Koalitionsverhandlungen eine Rolle spielen.

Die CDU hatte die Abschaffung der Vorklassen immer kritisiert. Jetzt setzt sie sich für Sprachförderklassen für Vorschulkinder mit Defiziten in der Schule ein. Monika Herrmann (Grüne), Bildungsstadträtin von Friedrichshain-Kreuzberg, sieht das Problem in der frühen Einschulung. „Die Kinder sind mit fünfeinhalb oft noch nicht reif für die Schule“, sagt sie und spricht sich dafür aus, aus diesem Grund die frühe Einschulung wieder rückgängig zu machen.