Wikileaks-Enthüllung

Libyen drohte Briten wegen Haft für Lockerbie-Bomber

Die Begnadigung des Lockerbie-Bombers steht immer wieder in der Kritik. Laut Wikileaks drohte Libyen den Briten mit einem "enormen Nachspiel".

Libyen hat Großbritannien vor der Freilassung des Lockerbie-Bombers Abdelbasset Ali Mohammed al-Megrahi offenbar stärker unter Druck gesetzt als bislang gedacht. So habe die britische Regierung „harte und sofortige Maßnahmen“ befürchtet, falls al-Megrahi im Gefängnis sterbe, heißt es in einem von der Internetplattform Wikileaks herausgebrachten Dokument, die die britische Zeitung „Guardian“ vorab veröffentlichte.

Den Berichten der Diplomaten zufolge sprach der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi „aggressive“ Drohungen aus und kündigte an, sowohl die wirtschaftlichen als auch die politischen Beziehungen mit den Briten einzufrieren, falls Al-Megrahi nicht freigelassen werde.

270 Menschen kamen ums Leben

Der frühere libysche Geheimdienstagent war 2001 als einziger Täter für den Anschlag auf ein US-Flugzeug verurteilt worden. Die Maschine war 1988 nach einer Explosion über dem schottischen Ort Lockerbie abgestürzt. 270 Menschen kamen ums Leben. Die schottische Regierung hatte ihn im August 2009 begnadigt und vorzeitig freigelassen, weil er wegen einer Krebserkrankung angeblich nur noch drei Monate zu leben hatte. Heute lebt er in Libyen im Kreise seiner Familie.

Libyen habe den Briten „geradeheraus“ gesagt, dass es ein „enormes Nachspiel“ haben werde, wenn al-Megrahis Freilassung nicht problemlos ablaufe. Den Dokumenten zufolge soll sogar das diplomatische Personal der Briten in Libyen um sein Wohlergehen gefürchtet haben.

Die Begnadigung wirft bis heute immer wieder Fragen und Kritik auf. Im vergangenen Juli hatten vier demokratische US-Senatoren dem britischen Ölkonzern BP vorgeworfen, Druck auf die Regierung in London ausgeübt zu haben, um sich ein Millionengeschäft mit Libyen zu sichern. London stritt das ab.

( dpa/jm )