Umstrittene Freilassung

Schottland bestreitet Einfluss von BP bei Lockerbie

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Welche Rolle spielte BP bei der Freilassung des Lockerbie-Attentäters? Die schottische Regierung beschreibt jetzt ihre Version der Ereignisse.

Angesichts der Kritik von US-Senatoren hat die schottische Regionalregierung die Freilassung des Lockerbie-Attentäters aus humanitären Gründen verteidigt. Regierungschef Alex Salmond sagte dem Rundfunksender BBC, die schottische Regierung habe im Zusammenhang mit der Freilassung weder schriftlichen noch mündlichen Kontakt mit dem Mineralölkonzern BP gehabt.

In einem Brief an US-Senatoren bekräftigte Salmond zudem, dass seine Regierung nie „irgendwelche Vertreter“ von BP oder dem verurteilten Attentäter Abdelbasset Ali Mohammed al-Megrahi empfangen habe. Die Entscheidung, Megrahi freizulassen, sei „in gutem Glauben“ getroffen worden und werde nicht bereut, sagte Salmond der BBC.

Die schottische Regierung hatte den schwer krebskranken al-Megrahi, der als einziger Attentäter des Anschlags auf ein US-Linienflugzeug im Jahr 1988 verurteilt worden war, vor elf Monaten begnadigt. Bei dem Anschlag waren 270 Menschen getötet worden, die meisten stammten aus den USA. Megrahis Freilassung löste dort Empörung aus.

Zudem gab es Gerüchte, die schottische Regierung habe mit ihrer Entscheidung einen lukrativen Auftrag aus Libyen an den britischen Ölkonzern BP nicht gefährden wollen.

Zu dieser Frage soll nun BP-Chef John Hayward vor einem Ausschuss des US-Senats befragt werden. Hayward sei von dem Ausschuss für die kommende Woche zur Befragung eingeladen worden, hieß es in Senatskreisen. Auch der damalige BP-Berater Mark Allen solle befragt werden.

Damit steht BP neuer Ärger in den USA ins Haus, nachdem der Konzern wegen der Ölpest im Golf von Mexiko ohnehin schon unter Druck ist. Das Thema war in dieser Woche auch beim Treffen des britischen Premierministers David Cameron mit US-Präsident Barack Obama in Washington besprochen worden. Dabei war Cameron Vorwürfen entgegengetreten, BP habe die Freilassung des Attentäters durchgesetzt.

BP hatte jüngst eingeräumt, damals bei der britischen Regierung vorstellig geworden zu sein. Man sei besorgt gewesen, dass Verzögerungen bei der Freilassung ein Bohrvorhaben vor der libyschen Küste beeinträchtigen könnten. In der Sache selbst habe BP aber nicht Einfluss genommen, erklärte der Konzern.

Der damalige britische Justizminister Jack Straw hatte im September 2009 erklärt, Handelsfragen hätten bei der Freilassung eine sehr große Rolle gespielt. Die Entscheidung habe den britisch-libyschen Beziehungen gedient und einem Vertrag von BP mit dem nordafrikanischen Land den Weg geebnet. Der damalige Premierminister Gordon Brown hat hingegen wiederholt erklärt, Wirtschaftsfragen hätten keine Rolle gespielt.

( AFP/Reuters/cn )