Vor seinem USA-Besuch muss sich der britische Premierminister David Cameron für die Umstände der umstrittenen vorzeitigen Freilassung des Lockerbie-Attentäters aus Libyen rechtfertigen. In einem BBC-Interview sagte Cameron, die Begnadigung von Abdel Basset al-Megrahi aus humanitären Gründen sei „ganz und gar falsch“ gewesen. Der Premier bedauere die Entscheidung der schottischen Regionalregierung zutiefst. Eine Gruppe von US-Senatoren wirft dem britischen Ölkonzern BP derweil vor, die Entscheidung vorangetrieben zu haben, um einen Millionendeal mit dem nordafrikanischen Land abzuschließen.

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte die Briten auf, die Umstände der Freilassung zu untersuchen. „Wir ermutigen die schottischen und britischen Behörden, die zugrundeliegenden Fakten noch einmal zu prüfen und die neuen Informationen einzubeziehen, die seit der Entlassung ans Licht gekommen sind“, schrieb Clinton in einem Brief an US-Senatoren, wie das US-Außenministerium mitteilte. Sie habe in der Sache mit ihrem britischen Kollegen William Hague telefoniert. Die Begnadigung und die Ölpest, die der BP-Konzern verursachte, sind Themen beim Gespräch von Cameron mit US-Präsident Barack Obama in Washington.

Cameron sagt Treffen mit US-Senatoren ab

Er habe von einer möglichen Einmischung des Ölriesen BP nichts gewusst, sagte Cameron. „Ich habe keine Ahnung, was BP tat.“ Der Ölkonzern BP hatte vergangene Woche zugegeben, die britische Regierung unter Camerons sozialdemokratischem Vorgänger Gordon Brown auf mögliche wirtschaftliche Auswirkungen hingewiesen zu haben, sollte die Freilassung libyscher Gefangener nicht schnell genug gehen. Das Unternehmen bestritt jedoch, im Fall des Lockerbie-Attentäters Druck ausgeübt zu haben.

Cameron sagte allerdings kurzfristig ein Treffen mit US-Senatoren ab, die Auskunft über den Fall haben wollten, meldete die britische BBC. Cameron haben einen vollen Terminkalender, berichtete der Sender unter Berufung auf die britische Botschaft in Washington. Die Senatoren könnten sich aber mit dem britischen Botschafter treffen.

Bei dem Attentat nahe der schottischen Stadt Lockerbie 1988 waren unter anderem 189 US-Amerikaner ums Leben gekommen. Der US-Kongress untersucht derzeit die Hintergründe der Freilassung Abdel Basset al-Megrahis. Er war vor einem Jahr aus schottischer Haft entlassen worden, weil er unheilbar an Prostatakrebs erkrankt ist und nach Darstellung der Ärzte nur noch maximal drei Monate zu leben hatte. Der 58 Jahre alte Mann lebt heute in Libyen, bei seiner Ankunft in Tripolis war er gefeiert worden.

dpa/mst