Gegner und Befürworter von Stuttgart 21 haben das Alternativkonzept der Gegner zu dem umstrittenen Bahnprojekt detailliert diskutiert. Bahn-Vorstand Volker Kefer hielt in der vierten Schlichtungsrunde im Stuttgarter Rathaus den Gegnern entgegen, dass zusammen mit den Kosten für den Abbruch und den zurückzuzahlenden Grundstückserlösen das Konzept „Kopfbahnhof 21“ (K 21) genauso teuer wie der unterirdische Durchgangsbahnhof bei Stuttgart 21 werde. Die Finanzierung für Stuttgart 21 sei gesichert, die von K 21 nicht. Die Stuttgart-21-Gegner hatten zuvor behauptet, durch den Ausbau des bestehenden Kopfbahnhofes sei mit weniger Kosten eine höhere Kapazität erreichbar.
Die Bahn geht laut Kefer von Kosten für K 21 von 2,5 Milliarden Euro aus, hinzu kämen noch 600 Millionen Euro Abbruchkosten und 900 Millionen Euro für zurückzuzahlende Grundstückserlöse. Diese Erlöse sind Kefer zufolge bei Stuttgart 21 von den 4,1 Milliarden Euro Baukosten abzuziehen.
Laut dem Bahnvorstand ist außerdem mit einer sehr langen Bauzeit von K 21 zu rechnen, wenn man nicht erheblich die Betriebsabläufe stören wolle. „Wenn man das alles stufenweise ausbaut, werden auch 10 bis 15 Jahre nicht ausreichen. Dann reden wir plötzlich von Bauzeiten, die 20 bis 30 Jahre dauern“, sagte Kefer. Er fragte, wie K 21 vor 2035 überhaupt in Betrieb gehen solle. Kefer bestritt zudem, dass es zu kürzeren Fahrtzeiten komme.
Mit den notwendigen zusätzlichen Strecken würden außerdem Wohngebiete in Stuttgart und im Neckartal zerschnitten. Nicht zuletzt gebe es bei diesem Konzept wenig freiwerdende Flächen für städtebauliche Entwicklung.Streit gab es darüber, ob die Mehrheit der K 21-Bauabschnitte ohne neue Planfeststellungen auskommt. Bahnvorstand Kefer und Verkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) bestritten dies.
Der Architekt und Stuttgart-21-Gegner Peter Conradi hatte zuvor argumentiert, dass das rund vier Milliarden Euro teure Projekt Stuttgart 21 erst in Betrieb genommen werden könne, wenn alle Baustufen realisiert seien. Bei K 21 bringe jeder schrittweise realisierte Baustein hingegen schon Verbesserungen im Verkehr.
Nach Ansicht des Tübinger Oberbürgermeisters und Grünen-Politikers Boris Palmer verfügt K 21 über ein Betriebskonzept, das im Gegensatz zu Stuttgart 21 keine Probleme aufweise. „Wir können beweisen, dass sich die Züge nicht behindern“, sagte er. Der modernisierte Kopfbahnhof könne mit seinen 16 Gleisen 52 Züge pro Stunde abwickeln, Stuttgart 21 mit acht Gleisen nur 38. Auch die Umsteigezeiten seien bei dem Alternativkonzept kürzer.
Conradi forderte die Landesregierung auf, zur Ausarbeitung eines Alternativkonzeptes zu Stuttgart 21 die notwendigen Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die Forderung der Stuttgart-21-Befürworter, einen detaillierten Bauablaufplan für das Gegenkonzept Kopfbahnhof 21 (K 21) auszuarbeiten, finde er „geradezu toll“ angesichts der Tatsache, dass die Bahn nach 15 Jahren Planung nicht einmal einen groben Bauablaufplan und belastbaren Fahrplan vorlegen könne. „Sie stellen uns Forderungen, die sie selbst nicht erfüllen können“, sagte der Projektgegner.
Gegen Stuttgart 21 wird seit Monaten heftig protestiert. Die Schlichtung war angeregt worden, nachdem bei einem Polizeieinsatz zur Einrichtung einer Baustelle für Stuttgart 21 über hundert Menschen verletzt worden waren.
dapd/nt




