Angesichts der stetig wachsenden Containerflut aus den norddeutschen Seehäfen gibt es für die Nordländer und die Deutsche Bahn nur eine Lösung: Der Bau der Y-Bahntrasse von Hannover Richtung Hamburg und Bremen soll Platz für zusätzliche Güterzüge schaffen. Um die Planung der Neubaustrecke zügig voranzutreiben, hat Niedersachsen der Bahn am Montag einen Vorschuss von zehn Millionen Euro zugesichert.
Scharfe Kritik gab es dabei von Ministerpräsident David McAllister (CDU) und Bahnchef Rüdiger Grube an Hamburg und Bremen, die ebenfalls Vorschüsse zugesichert aber bislang nicht gezahlt haben. Die anziehende Wirtschaft beschere der Bahn wieder Zuwächse im Güterverkehr, in drei Jahren bereits sei das Niveau von vor der Krise erreicht, sagte Bahnchef Grube nach Beratungen mit Niedersachsens Regierungsspitze. Deshalb sei die Y-Trasse von größter Bedeutung.
Bis 2014 sollten die Planungen abgeschlossen sein, ob und wann die Strecke gebaut wird – und vor allem was sie kostet – das wollte Grube nicht vorhersagen. Für die seit 20 Jahren geplante Strecke werden inzwischen Summen von bis zu vier Milliarden Euro genannt.
Nicht nur wegen der hohen Kosten, auch wegen ihres letztendlichen Nutzens für den Güterverkehr wird die seit langem umstrittene Trasse kritisiert. Die Strecke sei ein milliardenteures Prestigeprojekt, das für den Transport der erwarteten Gütermengen ungeeignet sei, bemängelte die Landtagsfraktion der Linken. Der Ausbau bestehender Strecken sei preiswerter und effektiver. Von „vergeudetem Steuergeld“ sprachen die Landtagsgrünen. Es bleibe ein „Werbegag“, wenn die Zustimmung der Bevölkerung mit einem ICE-Halt in Walsrode erkauft werden sollte. Bahnchef Grube sicherte lediglich zu, den Wunsch des Landes nach einem Halt in der Heide zu prüfen.
In der Tat war die Y-Trasse zunächst als reine Schnellfahrstrecke für den ICE-Verkehr konzipiert. Sie sollte die von Würzburg nach Hannover 1991 in Betrieb gegangene Schnellstrecke Richtung Norden vervollständigen. Inzwischen wird vor allem auf die Entlastungsfunktion für die bestehenden Strecken gepocht, dort sollen künftig mehr Güterzüge fahren können. Erhebliche Mehrkosten werden befürchtet, wenn die Y-Trasse nicht nur nachts, sondern auch tagsüber parallel zu den Personenzügen von Frachtzügen genutzt werden soll. Nötig wären dann Ausweichgleise und Verbindungsstrecken zu den Güterstrecken bei Hannover.
Absolute Priorität habe für die Deutsche Bahn auch der Ausbau der Bahnstrecke von Oldenburg zum Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven, betonte Bahnchef Grube. Gemeinsam werde man in Berlin auf die Einhaltung von Zusicherungen zur Finanzierung des Ausbaus pochen, sagte Ministerpräsident McAllister. Eine Entscheidung in Berlin werde noch in dieser Woche erwartet.
Bis Ende 2012 zur Inbetriebnahme des Hafens solle die Strecke durchgehend zweigleisig ausgebaut sein, sagte Grube. Die Elektrifizierung der Verbindung solle 2017 fertig sein. Bei ihrem Treffen vereinbarten Grube und McAllister außerdem den weiteren Ausbau der Heidebahn zwischen Walsrode und Soltau. In den Ausbau sollen bis 2015 27,5 Millionen Euro fließen.
Pendler sollen auf der Verbindung dann 20 Minuten schneller als bisher in Hannover sein. Zu dem geplatzten Regiostadtbahnprojekt in Braunschweig konnten Bahn und Land zunächst nicht viel sagen. Es sei zunächst Sache des kommunalen Zweckverbandes, über das künftige Vorgehen zu entscheiden. Eine Verknüpfung von Straßenbahn und Regionalzügen in Braunschweig hatte sich nach jahrelanger Planung vor kurzem als nicht finanzierbar herausgestellt.
dpa/lw




