Russland

Fallschirmjäger-Chef nutzte Einheiten privat

General Wladimir Schamanow ist empört: Seine Anrufe wurden abgehört. Doch so kam es zum eigentlichen Skandal. Ein Telefonat beweist, dass er mit seinen Fallschirmjägern eine Durchsuchung durch die Ermittlungsbehörde bei seinem Schwiegersohn in der Wodka-Fabrik verhindern wollte.

Foto: picture-alliance/ dpa / picture-alliance/ dpa/ITAR-TASS

General Wladimir Schamanow wurde verwarnt. Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow rügte den Chef der russischen Luftlandetruppen Ende vergangener Woche „für den Versuch, seine dienstliche Stellung für persönliche Zwecke auszunutzen“. Schamanow nahm Haltung an und akzeptierte den Vorwurf.

Kurz zuvor noch hatte er sich heftig empört. Seine Telefongespräche wurden abgehört, aufgezeichnet und ihr Inhalt an die oppositionelle Presse weitergeleitet. Ein unglaublicher Vorfall, der in Russland zwar hin und wieder passiert, aber selten so hochgestellte Personen trifft, wie Schamanow.

Der Chef der russischen Fallschirmjäger, die als Eliteeinheit in der ansonsten nur mäßig kampffähigen Armee gelten, war davor erfolgloser Gouverneur der Region Iwanowo und genießt in Tschetschenien nach zwei blutigen Kriegen den Ruf als „Schlächter des tschetschenischen Volkes“.

Im Bewusstsein seiner verletzten Privatsphäre hatte sich der General nach der Veröffentlichung von Telefongesprächen mit seinem Untergebenen Oberst Wadim Panjkow wortreich bei den russischen staatstreuen Medien beschwert, bevor der Minister ihn zurechtwies. Er sei Opfer einer Provokation, klagte der General im Gespräch mit der „Komsomolskaja Prawda“. Dabei gab er zu, dass die abgedruckten Teile seines Telefonats richtig wiedergegeben wurden.

Aus den in der Zeitung „Nowaja Gaseta“ abgedruckten Gesprächsabschnitten mit dem Fallschirmjäger-Oberst Panjkow geht hervor, dass der Kommandierende der russischen Luftlandetruppen Spezialeinheiten seiner Fallschirmjäger in eine Wodka-Fabrik beordert hatte, die seinem Schwiegersohn Alexej Chramuschin gehört und in der eine Durchsuchung der Ermittlungsbehörden stattfinden sollte. Den zuständigen Ermittlungsbeamten sollten Schamanows Leute festnehmen.

Telefonate mit Mutterflüchen durchsetzt

Schamanows Schwiegersohn wird zurzeit steckbrieflich gesucht. Er soll versucht haben, den Unternehmer Dmitri Bartschenko zu ermorden. Bartschenko überlebte. Chramuschin, den die Miliz für ein führendes Mitglied einer tatarischen Gangsterbande hält, soll sich irgendwo im Ausland versteckt halten. Seine Tochter unterhalte seit Jahren keine Beziehungen mehr zu Chramuschin, sagte Schamanow.

Medienberichten zufolge nimmt allerdings sein Sohn die Interessen des Flüchtigen wahr. „Der Sohn des Generals Schamanow, Juri, ist seine offizielle Vertrauensperson“, schrieb die „Nowaja Gaseta“.

Die aufgezeichneten Gespräche sind, wie in Moskauer Hinterhöfen und in der Armee üblich, mit Mutterflüchen durchsetzt. Wladimir Schamanow zu Panjkow: „Los, schnell zwei Gruppen Speznas rufen und vorwärts zur Altufjewka (Chaussee, an der die Fabrik liegt – Anm. d. Red.).“ Panjkow traut seinen Ohren nicht. „Ich habe nicht verstanden, Genosse Kommandierender.“ Der wird laut: „Ich sage: zwei Gruppen Speznas aus Kubinki rufen und zur Altufjewka. Niemanden von dort rauslassen…Was, du warst noch nicht an der Altufjewka, bei Juri, wie? F(ick) deine Mutter!... Ruf Juri an, lass dir die Adresse sagen und zwei Gruppen Speznas dorthin und fahr auch selbst hin, bladj…“ Das Wort bladj (Nutte) wird in der ungebildeten Unterschicht, unter Banditen und in der Armee permanent als Füllwort eingeschoben.

Es bedarf starke Kräfte im Hintergrund

Doch die Ermittler wurden gewarnt und verließen die Fabrik, bevor die Sondereinheit ankam. Die wurde dann von Schamanow umdirigiert. Damit, so ließ er seinen persönlichen Mitarbeiter Alexander Tscherednik später mitteilen, sei die Sache doch erledigt. „Die Fallschirmjäger haben nichts Rechtswidriges getan, sie sind nicht nach Moskau gefahren, sie haben nicht mal jemandem in die Schnauze gehauen“, sagte Tscherednik.

Es ist klar, dass es starker Kräfte im Hintergrund bedarf, um den einflussreichen Chef der russischen Fallschirmjäger abzuhören, seine Gespräche dann auch noch zu veröffentlichen und dabei sicher zu sein, dass man der Strafverfolgung entgehen wird.

Der Leiter des Moskauer Zentrums für militärische Prognose, Anatoli Zyganjuk, hält es für möglich, das Schamanows „komplizierte“ Beziehungen zu Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow der Hintergrund für die Affäre sein könnten. Schamanow hatte kürzlich sehr deutlich erklärt, dass die vom Ministerium geforderte Umgestaltung der Luftlandetruppen nicht stattfinden werde. „Vielleicht hat man beschlossen, ihn auf diese unschöne Weise auszuschalten“, mutmaßte Zyganow. Nach der Rüge scheinen sich die Wogen allerdings zunächst geglättet zu haben.

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