Doktorarbeit

Guttenplag macht nach Guttenbergs Rücktritt weiter

Trotz Rücktritts wird zu Guttenbergs Doktorarbeit im Internet weiter untersucht: Die Plattform Guttenplag hat einen neuen Zwischenbericht vorgelegt: Die Zahl der Seiten mit mutmaßlich kopierten Passagen hat sich demnach auf 324 erhöht - das entspricht einer Quote von 82 Prozent.

Foto: dpa / dpa/DPA

Die Internet-Plattform GuttenPlag - ein sogenanntes "Wiki", dessen Nutzer Inhalte lesen und auch bearbeiten können - will auch nach dem Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) dessen Dissertation weiter untersuchen. Im Zusammenhang mit dem Rücktritt wurde auf der Guttenplag-Website eine Stellungnahme veröffentlicht: „Wir bedauern, dass Herr Freiherr zu Guttenberg bei der Ankündigung seines Rücktritts keine klaren Worte zur offensichtlichen Täuschungsabsicht und zur Urheberschaft der Dissertation gefunden hat. Der Rücktritt des Bundesministers der Verteidigung war nicht Ziel dieses Projekts. Ziel ist die detaillierte Aufklärung der Umstände, unter denen die Dissertation entstanden ist. Daher werden wir weiterhin an der Analyse und Dokumentation der Doktorarbeit arbeiten und unsere Ergebnisse in einem Abschlussbericht veröffentlichen.“

Die Guttenplag-Initiatoren haben noch am Tag des Guttenberg-Rücktritts einen zweiten Zwischenbericht zu Plagiaten in der Dissertation von zu Guttenberg vorgelegt: Bislang (Stand vom 1. März, 15.05 Uhr) wurden nach den Angaben auf der Website mutmaßliche Plagiate auf insgesamt 324 Seiten von 407 Seiten der Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg ( „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ ) gefunden. Der reine Text der Arbeit (neben Inhaltsverzeichnis, Anhänge, Literaturverzeichnis und Stichwortverzeichnis - Inhalts- und Literaturverzeichnis wurden nicht untersucht) umfasst 393 Seiten. Bei Zählung der Seiten ergibt sich somit nach Bewertung der Macher des GuttenPlag-Wiki eine Quote von 82 Prozent an Seiten, auf denen mutmaßlich Plagiate zu lesen sind. Gezähöt wurden "891 Plagiatsfragmente aus über 120 verschiedenen Quellen, die inzwischen alle auf Plausibilität geprüft wurden".

Auf GuttenPlag werden angeblich kopierte Passagen aus zu Guttenbergs Dissertation und die mutmaßlichen Originale gegenübergestellt. Die Verdachtsfälle wurden untersucht, mutmaßliche Plagiate anschließend abhängig vom Ausmaß der angeblichen Kopie in verschiedene Klassen eingeteilt, vom "Komplettplagiat" über die "Verschleierung" (umformulierte Orginialtexte, deren Urheber nicht angegeben wurden) bis hin zum "Bauernopfer" (der Urheber wird nur für einen unbedeutenden Textteil ausgewiesen, während wesentliche Passagen ohne Nennung übernommen wurden).

Zur Darstellung des Anteils angeblicher Plagiate an den Gesamt-Seiten der Dissertation nutzt Guttenplag eine Art Strichcode benutzt , um die unterschiedliche Bewertung von Teilen der Arbeit zu kennzeichnen und einzuordnen. Einen anderen und sehr übersichtlichen Ansatz mit Verlinkung zu den einzelnen Fundstellen gibt es bei vis.net .

In dem neuen Zwischenbericht haben die Macher des Guttenplag-Wikis die mutmaßlichen Plagiate noch genauer zugeordnet, nämlich nach Zeilen. Den Angaben zufolge weist die Dissertation des zurückgetretenen Verteidigungsministers nach den Maßstäben der Internet-Aktivisten fast zur Hälfte Plagiate auf. Es seien 2886 Zeilen "Komplettplagiate aus anderen Quellen", was etwa 72 Seiten reinem Text entspreche. Weitere 2829 Zeilen werteten die Plagiate-Sucher als „verschleierte Plagiate“, also umformulierte fremde Passagen, die „keinesfalls durch vergessene Anführungszeichen entstanden“ seien. Auf 944 Zeilen seien „Übersetzungsplagiate“ fremdsprachiger Texte gefunden worden. Dabei wurden Übersetzungen erstellt, ohne die Quelle zu nennen. Hinzu kämen 2346 weitere Stellen, an denen etwa eine Fußnote angegeben worden sei, die sich jedoch auf einen unbedeutenden Teil des Originaltexts beziehe, während größere Abschnitte daraus ohne Zitatnachweis übernommen worden seien: "Dies bedeutet, dass bis jetzt 8061 von 16325 Zeilen, das sind 49% der Doktorarbeit (jeweils inkl. Fußnoten) als Plagiate identifiziert wurden."

Die Universität Bayreuth hatte zu Guttenberg den Doktortietl aberkannt und prüft, ob der CSU-Politiker eine Täuschung begangen hat.

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