Es ist jetzt endlich soweit. Seit Wochen, Monaten hat man sich vorbereitet, diesseits wie jenseits der alten Fronten. Hat gemacht und getan, hat trainiert und Broschüren verfasst, in denen den Mitstreitern beschrieben wird, wie man sich zu verhalten habe an diesem Wochenende danach. Es ist der Tag des Protest. Der Tag, der zeigen soll, dass es sie wirklich gibt, die „Renaissance der Anti-Akw-Bewegung“.
Heute will man zeigen, dass man es mit dem Widerstand gegen die Kernkraft, gegen die Castor-Transporte, gegen ein Endlager im Wendland noch immer Ernst meint. Dass das Dagegensein nicht Reminiszenz, nicht Attitüde, auch nicht Reflex ist, sondern existenzielles Anliegen einer Mehrheit in diesem Land. Naja.
30.000, vielleicht 40.000, so haben alle geschätzt, werden heute erwartet. Immer noch weniger als bei Nürnberg gegen Köln, aber mehr als je zuvor im abgelegenen Wendland; man verbindet hier viele Hoffnungen mit diesem Datum. Dass „der Castor“ tatsächlich zur Umkehr gezwungen werden kann. Dass der lange, seit 30 Jahren schwärende, Kampf doch noch gewinnbar ist, jetzt, da die Bundesregierung mit Laufzeitverlängerung samt „Geheimvertrag“ doch alle Vorurteile bestätigt hat, von den unhaltbaren Zustand des Atommülllagers Asse ganz zu schweigen. Haben wir es nicht immer gesagt?
Am Abend zuvor schon hat man gezeigt, dass es mit dieser einen Großdemo, mit dem Schaulaufen der Initiativen auf dem Acker von Splietau nicht getan ist, sondern, dass dieser alte Kampf immer neue Köpfe gebiert. Es waren nicht die alten Haudegen der Bewegung, die am Freitagabend zum „Lampionzug“ kamen. Es waren junge Familien, die friedlich und in sehr überschaubarer Zahl mit einer Posaune und Rabimmel, Rabommel durch Gorleben zogen.
Und es waren die ganz Jungen, die dritte Generation, die in Metzingen versuchten, die Polizei zu provozieren. Die die Bundesstraße nach Lüneburg blockierten zu Musik von, kaum zu glauben, „Ton, Steine, Scherben“, ein paar Silvesterknaller explodieren ließen und bengalisches Feuer entzündeten. Das wirkte wie eine Aufwärmübung für die kommenden Tage, in denen man die jungen Leute aus Metzingen ziemlich sicher beim so genannten „Schottern“ antreffen wird, dem Versuch, die Bahngleise vor der Ankunft des Castor-Zuges unbrauchbar zu machen.
Grenzüberschreitungen wird es da ohne Zweifel geben, die Staatsanwaltschaft hat ja bereits den Aufruf zum „Schottern“ als strafbar erkannt und damit jene Linie gezogen, auf der man in den kommenden Tagen hier balancieren wird. An ihr wird der Versuch unternommen werden, die Nerven der eingesetzten Polizeibeamten so gründlich zu strapazieren, dass diese doch noch die Geduld verlieren. In Metzingen zumindest gelang das am Freitag Abend noch nicht. Am Ende standen sich beide Seiten so lange einigermaßen gelassen gegenüber, dass es schließlich langweilig wurde und man nach Hause ging. Kein schlechtes Ende für diesen Abend, mit Glück ein Menetekel für die kommenden Tage.



