Vor dem Eintreffen des Castor-Transports mit Atommüll in Gorleben haben sich die gewaltsamen Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizisten im Wendland ausgeweitet. Mehrere hundert Atomkraftgegner besetzten bei Harlingen in der Nähe von Hitzacker die Schienen auf der Transportstrecke zum Verladebahnhof Dannenberg. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Die Demonstranten hätten Schottersteine aus dem Gleisbett entfernt, berichtete eine Polizeisprecherin.
Im Verladebahnhof Dannenberg müssen die elf Atommüll-Behälter für die letzte Etappe zum Zwischenlager Gorleben vorbereitet werden. Der Castor-Sonderzug hat bereits rund zehn Stunden Verspätung.
Am Sonntagvormittag war es auch bei Leitstade nahe Hitzacker zu Krawallen zwischen Demonstranten und Polizisten gekommen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand. Es gab Verletzte.
Eine zweite große Sitzblockade bildete sich vormittags auch auf der Straßenstrecke, also der letzten Etappe direkt vor dem Zwischenlager. Die Polizei sprach von einer friedlichen Aktion mit etwa 1000 Demonstranten. Nach Angaben der gewaltfreien Aktion „x-tausendmalquer“ wollen diese Castor-Gegner bis zur Ankunft des Atommülltransports am Montag ausharren – ausgerüstet mit 2000 Strohsäcken, 1000 Rettungsdecken und zahlreichen Schlafsäcken und Isomatten. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth war bei der Sitzblockade dabei und wollte auf der Straße ausharren.
Die Bahn sperrte wegen des Atommülltransports die Strecke von Hamburg nach Hannover über Lüneburg, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Fernzüge sollten über Rotenburg/Wümme umgeleitet werden. Nach Angaben der Polizei stand der Castor-Zug ab 12.50 Uhr bei Unterlüß zwischen Celle und Uelzen. Grund für den erneuten Stopp waren zwei angekettete Demonstranten im Gleisbett.
Nachts hatten unter anderem Atomkraftgegner in Darmstadt (Südhessen) und Morschen (Nordhessen) den Zug zum Halten gezwungen. In Darmstadt kamen etwa zehn Aktivisten auf die Gleise. In Morschen seilten sich Kletterer von einer Brücke über der Bahnstrecke ab.
Greenpeace hatte kritisiert, bei der Auswertung von Wärmebildaufnahmen sei eine erhöhte Temperatur an einer Achse zwischen dem sechsten und siebten Castor-Waggon festgestellt worden. Die Polizei bestätigte diese Angaben zunächst nicht.
dpa/dapd/ks




