Der Castor-Transport in das Zwischenlager Gorleben ist am Sonntagabend bei Dahlenburg rund 30 Kilometer vor seinem Ziel zum Stehen gekommen. Grund ist eine friedliche Sitzblockade von etwa 2.000 Menschen auf der weiteren Bahnstrecke nach Dannenberg, wie ein Sprecher der Einsatzleitung auf dapd-Anfrage sagte. In Dannenberg endet der Schienentransport der Castor-Behälter in einer Umladestation, in der sie für die letzten 20 Kilometer bis Gorleben auf Straßentieflader umgesetzt werden müssen.

Nach den zum Teil heftigen Auseinandersetzungen des Tages war nunmehr am Abend ein Gespräch mit den Demonstranten vorgesehen, um sie zur Freigabe der Strecke zu bewegen. Man stehe bei der Weiterfahrt des Castor-Zuges, der in Dahlenburg „mit technischen Hilfsmitteln“ gesichert worden sei, „nicht unter Zeitdruck“, versicherte der Polizeisprecher. Während die Demonstranten davon ausgingen, dass der Zug bis Montagmorgen gestoppt sei, wollte die Polizei eine Weiterfahrt noch in der Nacht nicht ausschließen.

Nach Angaben der Bürgerinititiativen sitzen auf der Bahnstrecke ab Kilometer 188 mehr als 3.000 Menschen direkt auf der Schiene. Jens Maggerl von der Initiative „Widersetzen“ sagte: „Wir sind unräumbar!“ Er appellierte an die Polizei, die Blockade nicht während der Dunkelheit zu räumen.

Rechts und links der Schiene gibt es steile Hänge, über die die Polizei die Demonstranten hochtragen müsste. Zudem haben zahlreiche Traktoren die Zufahrtsstraßen zu dem Gebiet gesperrt, was ein Durchkommen der Polizeifahrzeuge stark behindert. Die Polizei bestätigte am Abend, dass die Bürgerinitiativen ein „Gesprächsangebot“ unterbreitet hätten.

Die Anti-Atom-Initiative „Castor schottern“ kritisierte derweil das bisherige Vorgehen der Polizei als „maßlos“. An den Gleisen bei Leitstade war es zu stundenlangen Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei gekommen. Dabei hatten die Beamten Schlagstöcke, Tränengas und Wasserwerfer eingesetzt. Castor-Gegner bewarfen Polizisten mit Stöcken und schossen Leuchtkugeln auf sie ab.

„3.000 bis 4.000 Menschen waren an den Schienen, viele haben trotz eines massiven Polizeiaufgebots wenigstens für kurze Zeit geschottert“, sagte die Sprecherin der Gruppe, Hanna Spiegel, und bewertete die Aktion als Erfolg. Die Aktivisten waren am Sonntagmorgen von mehreren Camps zur Bahnstrecke aufgebrochen. Ziel der im Vorfeld auch bei Umweltschützern umstrittenen Aktion war es, Schottersteine aus dem Gleisbett der Castor-Strecke zu räumen und diese so für den Atommülltransport unpassierbar zu machen.

Vor der schwierigsten Etappe des Castor-Transports ins niedersächsische Atommülllager Gorleben war es am Sonntag im Wendland zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging mit teils berittenen Beamten sowie Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas gegen zeitweise mehrere tausend Demonstranten vor, die immer wieder versuchten, die Bahnstrecke von Lüneburg zum Verladebahnhof in Dannenberg zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand.

Die Landwirte von der „Bäuerlichen Notgemeinschaft“ hatten am Morgen eine Treckerblockade in Splietau bei Dannenberg beendet. Polizeikräfte hatten die etwa 60 dort abgestellten Traktoren eingeschlossen. Anschließend fuhren deren Besitzer die Trecker nach und nach weg, sagte Hans-Werner Zachow für die Notgemeinschaft. Gleichzeitig hätten aber andere Traktoren auf der Bundesstraße von Dannenberg nach Lüneburg eine Brücke und eine Kreuzung blockiert. Bis in die Nachtstunden kam es immer wieder zu Blockaden mit Dutzenden von Traktoren. Auf einer Kreuzung der B191 wurden Strohballen in Brand gesetzt.

Der Castor-Transport war am Freitag im französischen La Hague mit 123 Tonnen hochradioaktivem Atommüll gestartet und sollte am Montag im Atom-Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen ankommen. Am Sonntagnachmittag hatte sich der Zug gegen 18 Uhr auf die letzten 50 Kilometer Bahnstrecke gemacht. Zwei Stunden später stoppte er bei Dahlenburg. Der Ort liegt etwa auf der Hälfte zwischen Lüneburg und Dannenberg.

dapad/fp