Plagiatskontroverse

Guttenberg gibt seinen Doktortitel zurück

Verteidigungsminister Guttenberg hat angekündigt, seinen Doktortitel permanent nicht mehr zu führen. Er bat die Universität Bayreuth um die Rücknahme.

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Der wegen Plagiatsvorwürfen massiv unter Druck stehende Bundesverteidigungsminister will seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen.

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Der wegen Plagiatsvorwürfen massiv unter Druck stehende Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg will seinen Doktortitel dauerhaft nicht mehr führen. Dies kündigte der CSU-Politiker bei einer Wahlveranstaltung im hessischen Kelkheim bei Frankfurt an.

„Ich habe mich am Wochenende nochmals mit meiner Doktorarbeit beschäftigt und es war richtig, dass ich gesagt habe, dass ich den Doktortitel nicht mehr führen werde“, sagte Guttenberg. Am Freitag hatte er angekündigt, den Titel vorübergehend nicht mehr führen zu wollen, bis die Universität Bayreuth die Plagiatsvorwürfe geprüft habe.

Diese Einschränkung machte er am Montag nicht mehr. „Die Entscheidung, den Doktortitel nicht zu führen, schmerzt.“

Guttenberg räumte erneut Fehler ein: „Ich habe Fehler gemacht, ich habe sie nicht bewusst gemacht“, sagte er.

Zugleich entschuldigte Guttenberg sich bei denen, die er mit seiner Arbeit verletzt habe – auch bei seinem Doktorvater. Er wies erneut die Vermutung zurück, die Arbeit nicht selbst geschrieben zu haben. „Ich habe diese Arbeit selbst geschrieben. Ich stehe dazu, aber ich stehe auch zu dem Blödsinn, den ich geschrieben habe.“ Er habe „an der einen oder anderen Stelle den Überblick über die Quellen verloren“.

Guttenberg bat Universität um Rücknahme des Titels

Wegen der Plagiatsvorwürfe hat Verteidigungsminister Guttenberg die Universität Bayreuth gebeten, seinen Doktortitel zurückzunehmen. Der CSU-Minister habe der Universität Bayreuth am Montagabend einen Brief zugeleitet, in dem er um die Rücknahme des Titels bat, sagte Universitäts-Sprecher Frank Schmälzle.

Zur Begründung führte der Minister laut Schmälzle aus, dass er bei nochmaliger Durchsicht seiner Dissertation „gravierende handwerkliche Fehler festgestellt“ habe, die „nicht mit wissenschaftlichem Arbeiten zu vereinbaren sind“.

Laut Schmälzle wird sich die Promotionskommission der Uni am Dienstag mit Guttenbergs Bitte befassen und die nötigen Schritte für die Aberkennung des Titels einleiten. Nach wie vor sei nach der Promotionsordnung aber ein ordentliches Verfahren zur Prüfung der Dissertation nötig, erklärte Schmälzle – daran ändere die Bitte Guttenbergs nichts.

„Mit dem Statement des Ministers ist es aber einfacher geworden“, sagte Schmälzle. Eine Entscheidung sei am Dienstag dennoch noch nicht zu erwarten. Auch müsse noch die ebenfalls mit dem Fall befasste Kommission zur Selbstkontrolle in der Wissenschaft über Guttenbergs Arbeit beraten. Die Universität kündigte für Dienstagnachmittag eine Pressekonferenz an.

In Berlin wurde unterdessen bekannt, dass Guttenberg offenbar auch zwei Expertisen des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags weitgehend wörtlich abgeschrieben hat. „Focus Online“ berichtete am, Guttenberg habe eine Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste vom 25. Oktober 2005 weitgehend kopiert.

Das Gutachten trage den Titel: „Die Rolle der USA im europäischen Einigungsprozess bis zum Ende des Ost-West-Konflikts“. Guttenberg habe auf den Seiten 199 bis 214 seiner Dissertation die Sätze des Wissenschaftlers bis auf marginale Änderungen wörtlich übernommen.

"Nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen"

Guttenberg versuchte in Kelkheim vor gut 900 Anhängern der CDU gute Miene zu machen und die Geschehnisse mit Humor vom Tisch zu wischen: „Hier oben steht das Original und kein Plagiat“, sagte der 39-jährige auf dem Podium unter tosendem Beifall. Er sei „nicht als Selbstverteidigungsminister gekommen“, sagte Guttenberg – wenige Minuten bevor er sich dann öffentlich entschuldigte.

Bei seiner Rede keilte er auch gegen die deutschen Medien, insbesondere die Hauptstadtpresse aus. Sie habe in den zurückliegenden Tagen eine Hetze gegen ihn veranstaltet. Mit Blick auf die Kritik, dass er vor Weihnachten gemeinsam mit seiner Frau Frontsoldaten besucht habe, sagte er: „Ich werde das wieder tun vor Weihnachten. Ich sage das auch, damit schon jetzt jeder, der einen Kommentar schreiben will, damit anfangen kann.“

Bundeskanzlerin Merkel hatte zuvor angedeutet, dass sie an dem Minister auch dann festhalten würde, wenn ihm der Doktortitel aberkannt würde. Für sie sei allein seine Arbeit als Minister entscheidend, und die mache er hervorragend. Sie habe ihn nicht als wissenschaftlichen Assistenten oder Inhaber eines Doktortitels berufen.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer stellte sich neuerlich hinter seinen Parteikollegen. Dagegen hieß es in der SPD, angesichts erdrückender Plagiat-Beweise werde mit dem Rücktritt gerechnet. Die Internet-Datenbank GuttenPlag listet inzwischen über 360 Fundstellen aus Guttenbergs Doktorarbeit auf, die nicht korrekt zitiert worden sein sollen.