Kosovos Ministerpräsident Hashim Thaci hat sich zum Sieger der ersten Wahl seit der Unabhängigkeit des Gebiets von Serbien erklärt. „Der Sieg gehört uns“, erklärte Thaci vor seinen Anhängern in der Nacht zum Montag. „Die Wahlen waren ein Referendum über die europäische Zukunft des Kosovo.“ Nach Auszählung eines Drittels der Stimmen kam Thacis sozialdemokratische PDK auf 34 Prozent der Stimmen. Die rechtsgerichtete LDK – ehemals Koalitionspartner der PDK - erhielt nach den Angaben einer Gruppe regierungsunabhängiger Organisationen 25 Prozent. Damit wäre Thaci auf Koalitionspartner angewiesen, um eine neue Regierung zu bilden.
Isa Mustafa, Pristinas Bürgermeisters und LDK-Vorsitzender, erklärte dagegen, ihren Statistiken zufolge liege die LDK weiter in Führung. Sie stützte sich dabei auf die Auszählung von 60 Prozent der Stimmen, wie ein Parteisprecher sagte. In der Umfrage von Gabi Boni war die LDK mit 25 Prozent auf den zweiten Platz gekommen. Bei der Umfrage wurden mehr als 2200 Wahlberechtigte befragt. Die ersten offiziellen Ergebnisse der Wahlkommission werden am Montagnachmittag erwartet
Überraschend stark schnitt die Bewegung für Selbstbestimmung ab, die für eine Vereinigung des mehrheitlich von Albanern bewohnten Kosovo mit dem benachbarten Albanien eintritt. Sie erhielt Nachwahlbefragungen zufolge 16 Prozent. Da die LDK eine Rückkehr in die Regierung bislang ablehnt, könnte sich die Bewegung nun als Koalitionspartner anbieten. Sie fordert auch eine Reduzierung der internationalen Kontrolle über das Gebiet. Das Kosovo ist noch immer ein Protektorat der Vereinten Nationen. Seit mehr als zehn Jahren sind in dem Gebiet Soldaten der Bundeswehr stationiert, derzeit etwa 1500.
PDK und LDK hatten sich im Wahlkampf für einen Beitritt des Kosovo zur Europäischen Union und zur Nato, für die Privatisierungen von Staatsfirmen und Versöhnungsgespräche mit Serbien ausgesprochen. Zudem wollen sie gegen die weit verbreitete Korruption vorgehen. Das Kosovo gehört zu den ärmsten Ländern Europas. Die Arbeitslosenquote liegt bei knapp unter 50 Prozent.
Rund 1,6 Millionen Wähler waren aufgerufen, erstmals seit der Unabhängigkeit vor zwei Jahren eine neue Volksvertretung zu bestimmen. Die Europäische Union sieht in der Abstimmung einen wichtigen Test für die Demokratie des Landes. Freie und faire Wahlen seien eine Bedingung für gute Beziehungen, erklärte sie. Der Kosovo wird von den wichtigsten Staaten des Westens anerkannt, ist jedoch kein Mitglied der Vereinten Nationen.
Die bisherige Regierungskoalition war im Oktober geplatzt, weil sich die LDK überraschend aus der Regierung zurückzog. Auslöser war eine Gerichtsentscheidung, nach der der Präsident und LDK-Vorsitzende Fatmir Sejdiu nicht gleichzeitig Chef einer Regierungspartei sein darf.
Reuters/AFP/cc




