Balkan-Reise

Merkel, Tadi? und das schwierige Thema Kosovo

Serbien ist nach Kroatien die zweite Station der Balkanreise von Angela Merkel. Hier trifft sich die deutsche Kanzlerin mit Präsident Boris Tadi? in Belgrad. Der ist eigentlich kein Hardliner, wäre da nicht das Thema Kosovo.

Foto: dpa / dpa/DPA

Angela Merkel hat es wirklich gut gemeint. Als sie die Reise auf den Westbalkan plante, wollte sie Lob für die erfolgreichen EU-Beitrittskandidaten in Kroatien loswerden und sanft mahnende Worte für Serbien finden. Aber nun steht die Bundeskanzlerin in dem alten sozialistischen Monumentalbau „Palast Serbien“ in Belgrad. Und der serbische Präsident Boris Tadic neben ihr, eigentlich kein Hardliner, macht die positive Stimmung wieder zunichte. „Serbien wird Kosovo nicht anerkennen“, hämmert er seine Botschaft in die Kameras und Mikrofone. Und dann wirft er der Regierung des seit 2008 unabhängigen Staates Kosovo vor, sie wolle im Nordkosovo mit einseitigen Maßnahmen Fakten schaffen. Gemeint ist der Versuch des jungen Staates, selbst die Kontrolle über den Zoll seiner Grenzen zu übernehmen. Merkel verzieht das Gesicht und schluckt für alle sichtbar ihre Verärgerung hinunter.

Minuten vorher hatte sie noch sehr freundliche Worte gefunden. „Meine Botschaft hier heute in Serbien ist: Wir wollen Serbien in der EU.“ Das sollte die notorische Angst der Serben beseitigen, man sei eigentlich im Klub der Europäer gar nicht gewollt. Damit das Land, das viele Reformen hinter sich habe, einen EU-Kandidatenstatus erhalte, müsse es aber einige Bedingungen im Verhältnis mit Kosovo erfüllen, fügte Merkel hinzu. Von einer Anerkennung war da gar nicht die Rede. Man müsse nur auch eine schwierige Vergangenheit einmal überwinden, betont sie mit Verweis auch auf die deutsche Geschichte. Sie sei Optimistin. Dann fügt die Kanzlerin nachdenklich hinzu: „Mein politisch seismograpisches Gefühl sagt mir, dass Serbiens Weg in die EU zu den eher schwierigen Problemen gehört.“ Aber dafür sei sie ja schließlich Politikerin geworden, um schwierige Probleme zu lösen.

Auch Tadic hatte zuvor vehement das Interesse seines Landes an einem EU-Beitritt und einem friedlichen Miteinander in der Region beteuert. „Ich glaube tief daran, dass es möglich ist, den Balkan politisch zu entbalkanisieren.“ Wenn es nur die Kosovaren nicht gebe, die seit 2008 unabhängig und von den meisten EU-Staaten anerkannt wären. Als Merkel am Nachmittag aus Belgrad abreist, dürfte sie eher das Gefühl haben, dass Serbien den Balkan wieder balkanisieren will.

Dabei hatte die Kanzlerin am Vortag in Zagreb erlebt, dass es auch anders geht. „Im Jahr 2014 soll unser Haushaltsdefizit nur noch bei 1,6 Prozent liegen“, sagte da Ministerpräsidentin Jandraka Kosor. Merkel nickte und schwelgte in Lob. Denn die ehemalige jugoslawische Republik Kroatien hat im Unterschied zu Serbien in den vergangenen Monaten aus Sicht der Bundesregierung so ziemlich alles richtig gemacht. Nicht nur die Finanzen stimmen. Merkel ist sichtlich beeindruckt, wie entschlossen die kroatische Regierung in aller Eile die letzten Hürden für einen EU-Beitritt aus dem Weg geräumt hatte – etwa die Grenzstreitigkeiten mit Slowenien und einige Reformdefizite im Innen- und Justizbereich.

Erfolgreiche Gespräche in Kroatien

„Schaut auf Kroatien“, sagte die Kanzlerin und pries das Land als Modell für die anderen Westbalkan-Staaten. Denn ausdrücklich hat sich die deutsche Kanzlerin nun die Beschleunigung des Beitrittsprozesses auf die Fahnen geschrieben. Europa könne nur völlig stabilisiert werden, wenn auch die alten Wunden in Westbalkan geheilt seien. Aber noch warten Länder wie Serbien, Montenegro, Mazedonien, Bosnien, Albanien und vor allem Kosovo auf einen echten Beitrittsprozess. Und nach der Stippvisite in Belgrad wächst der Eindruck, dass zumindest ein Land nicht wirklich vorankommt.

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