Grüne Woche

Aigner rechnet mit steigenden Lebensmittelpreisen

Bundesagarministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Deutschen dazu aufgerufen, Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegenzubringen - und dafür auch zu bezahlen. Die Grüne Woche sollten Besucher nutzen, um ihre Essgewohnheiten zu überprüfen.

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Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) warnt vor einer „Geiz-ist-geil-Mentalität“ und will angesichts des Dioxin-Skandals für Vertrauen werben. Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) Sie appellierte an die Verbraucher, den Lebensmitteln mehr Wertschätzung entgegenzubringen. Es handele sich um „Mittel zum Leben, die ihren Preis wert sein müssen“, sagte Aigner am Donnerstag bei ihrem ersten Auftritt auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Angebot und Nachfrage auf dem Markt entschieden darüber, wie sich der Preis entwickelt.

„Ich weiß, das sehr viele Menschen in Deutschland wirklich jeden Cent umdrehen müssen“, sagte die Ministerin „Deswegen lege ich auf Wert darauf, dass alles sicher, aber auch bezahlbar ist.“ Einige sollten aber beim Einkaufen in ihrer Schwerpunktsetzung etwas nachdenken. Nun gehe es darum, für Qualität bei Lebensmitteln zu werben. Sie erwarte von den Herstellern bestmögliche Produkte auf dem Markt. Angesichts der Preissteigerung von 1,6 Prozent für Lebensmittel im vergangenen Jahr geht die Ministerin davon aus, dass sich diese Entwicklung „wohl so fortsetzen wird“.

Angesichts des Dioxin-Skandals bei Futtermitteln versicherte Aigner, dass die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern alles tue, um das verloren gegangene Vertrauen wiederherzustellen. Wichtig sei es gewesen, „den vorsorgenden Verbraucherschutz zu gewährleisten“. Deshalb seien die betroffenen Höfe gesperrt und erst dann wieder freigegeben worden, „wenn klar war, dass es keine Belastung gibt“.

Die Grüne Woche bietet nach Einschätzung von Aigner die Chance, für die Qualität von Lebensmitteln aus Deutschland zu werben und zu zeigen, „was wir können und wie vielfältig die Produktion ist“. Die Besucher hätten auf der Messe die Möglichkeit, die Vielfalt der Angebote kennenzulernen. Zugleich könnten sie ihre eigenen Essgewohnheiten überprüfen und Produkte probieren, die sie noch nicht kennen.

Verbände fordern Kehrtwende

24 Verbände aus Landwirtschaft, Tierschutz, Umweltschutz und Entwicklungspolitik stellten zum Auftakt der Agrarmesse eine gemeinsame Erklärung zum Dioxin-Skandal vor. Der Skandal könne nicht auf einzelne schwarze Schafe in der Futtermittelindustrie abgewälzt werden. Hier liege ein Systemfehler in der Landwirtschaft vor, heißt es in der Erklärung. Das Agrarbündnis legt jedes Jahr den Kritischen Agrarbericht vor. Zentrales Thema ist 2011 die Bedeutung der Vielfalt in der Landwirtschaft.

Heidrun Betz vom Deutschen Tierschutzbund machte auf den dramatischen Verlust der Vielfalt bei den Nutztieren aufmerksam. Beim Geflügel belieferten inzwischen vier Großkonzerne die gesamte Welt mit „Zuchtmaterial“. In Deutschland stammten beim Milchvieh und bei den Schweinen 97 Prozent der Tiere aus nur vier Rassen.

Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz in Deutschland (BUND), kritisierte: „Wir laufen intensiver denn je in die Industrialisierung der Landwirtschaft.“ Es sei dringend eine Kurskorrektur nötig. Heute erhielten gerade einmal 1,3 Prozent der Betriebe in Deutschland 30 Prozent der öffentlichen Förderung. Weiger forderte ein sichtbares Zeichen für eine Agrarwende und rief die Bundesbürger zu einer Demonstration am Sonnabend am Brandenburger Tor auf. Die Protestaktion steht unter dem Motto: „Wir haben es satt.“

Die Grüne Woche präsentiert sich selbst als größte Ernährungsschau der Welt. Nach der Eröffnung durch Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) am Donnerstagabend öffnet sie am Freitag ihre Tore für die Besucher.