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So macht die Grüne Woche Familien Spaß

Schweizer Käse, polnischer Wein, Bauernhof und Gartenruhe. Die Grüne Woche ist ein wahres Genuss-Erlebnis. Morgenpost Online zeigt vier Touren durch die Messehallen für Familien und Ökobewusste, für Tierfreunde und Blumenliebhaber.

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Unter dem Eindruck des Dioxin-Skandals ist in Berlin die weltweit größte Messe für Agrarwirtschaft, die Grüne Woche, eröffnet worden.

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Bei mehr als 1632 Ausstellern aus 57 Ländern, verteilt auf 26 Hallen der Messe Berlin, ist von Freitag an für den Besucher der Grünen Woche das Wichtigste auch zugleich das Schwierigste: bloß nicht die Übersicht verlieren. Es soll ja Besucher geben, die gleich nach dem Betreten der Messe mit dem Lageplan in der Hand zielstrebig Halle 17 ansteuern (den guten Schweizer Käse kaufen), dann weiter zu Halle 11.2 laufen (einmal den seltenen polnischen Wein probieren) und sich schließlich in Halle 7.2a auf den Fußboden setzen (in einem original nachgebauten afghanischen Bazar). Doch so vorbereitet kommen die meisten eben gerade nicht auf die weltweit größte Verbrauchermesse. Sie lassen sich eher treiben von dem Besucherstrom und sind nach vier Stunden froh, sich endlich in Halle 22b im bayerischen Bierzelt erholen zu können.

Für alle, die weder zu der einen noch zu der anderen Gruppe gehören wollen, haben wir vier Rundgänge für die Grüne Woche zusammengestellt.

Das Familienprogramm

Kinder wollen sich bewegen und laut sein. Das dürfen und sollen sie in Halle 1.2, wo ein Programm mit dem Motto „Power fürs Leben“ startet. Auf einer Bühne werden Quizfragen gestellt, Köche geben Tipps und Tricks für eine gesunde und leckere Ernährung – und zwischendurch wird immer wieder Sport getrieben. Arme hoch, Schritt zur Seite und immer im Takt bleiben. Nach der Bewegung sind die Kinder hoffentlich erschöpft und empfänglich für das Zauberwort „Schokolade“. Die Halle 6.2a ist auch nur fünf Minuten Fußweg entfernt – und dort kann man den Kindern auf dem Biomarkt den Weg von der Kakaopflanze bis zur Heißen Schokolade erklären. So gestärkt, wäre es jetzt die perfekte Zeit, mit den Kleinen die Tierwelt bei der Grünen Woche zu erkunden (siehe nächster Rundgang) – oder noch eine Runde ohne die Kinder zu drehen. Im Messekindergarten „MeKi“ (Halle 3.2) werden die Kinder nicht nur „betreut“, sondern basteln zusammen mit Erziehern und finden vielleicht auch neue gleichaltrige Freunde aus aller Welt. Die Veranstalter empfehlen Familien, vor allem an den Sonntagen zu kommen (23. und 30. Januar). Dass die Messe kinderfreundlich ist, wird schon an der Kasse deutlich: Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt.

Bauernhof zum Miterleben

Gerade in Zeiten, in denen die Nahrungsmittelindustrie in einen Dioxin-Skandal verwickelt ist, wollen viele Besucher genau wissen, was denn „moderne und nachhaltige Landwirtschaft“ bedeutet. Dafür bietet sich ein 2,5 Kilometer langer Spaziergang an. Als erstes zum „ErlebnisBauernhof“ in Halle 3.2 – der vor allem auch für Kinder spannende Einblicke in die Arbeit auf dem Feld und im Stall bietet, inklusive der Tierpflege. Gleich in der benachbarten Halle 4.2 wird es etwas technischer – bei der nature.tec geht es vor allem um nachwachsende Rohstoffe. Heimeliger wird es weiter im „LebensTraum Dorf“ (Halle 21b), wo die Besucher die frische Luft des Landlebens schnuppern können. Man kann die dort anwesenden Bauern ruhig ansprechen und fragen, wie romantisch denn die tägliche Arbeit „draußen in der Natur“ wirklich ist. Das Ergebnis dieses Landlebens – also die Produkte – werden in Halle 23a vorgestellt. Noch mehr Tiere gibt es dann in der Halle 25, deren Schwerpunkt in diesem Jahr die „Bundeshengstschau der Sportponys“ (21.–23. Januar) ist. Wer nach soviel Natur auf der Grünen Woche noch immer nicht genug Grün gesehen hat, dem sei das Wald-Biotop in der Halle 26a empfohlen. Das Showprogramm „Wettangeln“ klingt zwar nach Hektik, braucht aber vor allem Ruhe. Sonst beißen sie nicht.

Das Bio- und Ökoprogramm

Gerade in Berlin öffnen derzeit immer mehr Bio- und Öko-Supermärkte, die nachhaltig und ökologisch produzierte sowie fair gehandelte Lebensmittel verkaufen. Was das für den einzelnen Apfel bedeutet, kann man zunächst gleich am Stand von Polen herausfinden. Der Apfel ist nämlich das Symbol des diesjährigen Partnerlandes der Grünen Woche – und kann dort gleich probiert werden. Die Halle 11.2 befindet sich auch praktischerweise gleich neben dem Funkturm. Letztlich wird das Thema Nachhaltigkeit aber sicher von jedem Länderstand in irgendeiner Form erwähnt. Was aber genau „fairer Handel“ bedeutet, wird in Halle 6.2a erklärt: Der dortige Bio-Markt ist traditionell ein Besuchermagnet auf der Grünen Woche. Zum 14. Mal präsentiert sich die Öko-Branche in Berlin mit über 60 Ausstellern auf 3000 Quadratmetern. Neu ist der Bio-Kaffee aus unterschiedlichen Regenwaldregionen: Besonders lecker und selten in Berlin zu probieren sind die Sorten „Sidamo“ aus Äthiopien, der kräftige „Mandheling“ von der Insel Sumatra und der würzige „Kachalu“ aus Kolumbien.

Das Gartenprogramm

Es soll ja Besucher der Grünen Woche geben, denen all die echten Tiere und die exotischen Speisen nicht so wichtig sind – die marschieren dann gleich vom Eingang Ost nach links in die Blumenhalle 9. Dort werden sie in diesem Jahr erstmals musikalisch empfangen: zum Beispiel mit Robert Schumanns „Frühlingssymphonie“, Mozarts „Gärtnerin aus Liebe“ oder Tschaikowskys „Blumenwalzer“. Dann riecht es nicht nur nach Frühling, sondern klingt auch so. Über 10.000 Krokusse, ?Narzissen, Tulpen und 20.000 Rosen, Amaryllis, Lilien und Primeln sowie Beete mit Duftkräutern füllen den Konzertsaal mit ihren Aromen. Die Musik läuft übrigens nicht nur vom Band, sondern wird zum Beispiel vom Kinder- und Jugend-Chor der Musikschule Pankow vorgetragen. Wer dort noch nicht genug Informationen über Garten- und Pflanzenkunde bekommen hat, kann sich noch in den Hallen 8.1, 9, 10.1 und 11.1. weitere Infos von A wie Astschere bis Z wie Zaun, vom Swimmingpool bis zum Wintergarten besorgen. Weil diese Runde etwas kürzer ist, empfehlen wir die Happy-Hour-Karte für acht Euro, sie gilt vier Stunden, von 14–18 Uhr.

Die wichtigsten Informationen:

Die Internationale Grüne Woche findet bis zum 30. Januar 2011statt. Geöffnet von Sonntag bis Donnerstag, 10–18 Uhr, Freitag und Sonnabend 10–20 Uhr.

Die S-Bahnhöfe Eichkamp/Messe Süd, Westkreuz, Witzleben/Messe Nord sowie die U-Bahnhöfe Theodor-Heuss-Platz und Kaiserdamm liegen in der Nähe.

Die Tageskarte kostet 12 Euro, für Schüler und Studenten 8 Euro. Kinder unter sechs Jahren haben freien Eintritt. Die Happy-Hour-Karte ab 14 Uhr gibt es für 8, die Familienkarte für 26 Euro.

Das Schülerprogramm (4 Euro) von mehr als 80 Institutionen beschäftigt sich mit aktuellen Themen rund um die Land- und Ernährungswirtschaft, Heimtiere, Gesundheit und Gartenbau. Anmeldungen: Tel.: (030) 3038–2031.