Tarifverhandlungen

Erzieherinnen starten einen nationalen Kita-Streik

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Foto: ddp / DDP

Die Gewerkschaften Ver.di und GEW haben ihren Arbeitskampf für einen besseren Gesundheitsschutz in Kindertagesstätten und Sozialdiensten fortgesetzt. Hunderte Kitas, Jugendzentren und Beratungseinrichtungen blieben geschlossen. Erstmals beteiligten sich auch Mitarbeiter in Ostdeutschland und in Hamburg am Streik.

Mehr als 25.000 Erzieherinnen aus ganz Deutschland haben mit Kita-Streiks und anderen Aktionen den Druck auf die Arbeitgeber nochmals verstärkt.


Einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde am Mittwoch in Berlin betonte Ver.di-Chef Frank Bsirske vor rund 10.000 Streikenden in Wuppertal die Entschlossenheit seiner Organisation: "Wir streiken so lange, wie es nötig ist."


Sollte es am Mittwoch keine Entscheidung geben, werde der Streik fortgesetzt, erklärte der Gewerkschafter. Es könne nicht sein, dass für marode Banken Hunderte Milliarden bereitgestellt würden, für die Bildung aber nichts Ausreichendes getan werde.


Ver.di und GEW fordern für die insgesamt rund 220.000 Erzieherinnen im öffentlichen Dienst mehr Gehalt und einen Gesundheitstarifvertrag, mit dem der Arbeitsschutz verbessert werden soll. In der vergangenen Woche hatten sich laut Ver.di insgesamt 45.000 Erzieherinnen an Streiks beteiligt. An einem einzelnen Tag waren es demnach aber noch nie so viele wie am Dienstag.

10.000 Menschen bei Kundgebung in Wuppertal

Erstmals blieben am Dienstag auch kommunale Kindertagesstätten in Ostdeutschland zeitweise oder ganztags geschlossen. Erneut gingen auch Erzieher in den alten Bundesländern in den Ausstand.


Lediglich Berlin ist wegen seiner besonderen Tarifsituation von den Streiks ausgenommen, hier fand eine Solidaritätsaktion statt. In Hamburg kam es erstmalig zu Warnstreiks. Hier demonstrierten mehrere hundert Kindergärtnerinnen für bessere Arbeitsbedingungen. Die meisten Kitas der Stadt sollen auch am Mittwoch geschlossen bleiben.


Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit allein 10.000 Streikenden, die nach Wuppertal gekommen waren, und Hessen, wo 7000 Erzieherinnen im Ausstand waren. In Stuttgart beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 1500 Erzieherinnen an dem Streik.


In Bayern waren Kitas in 30 Städten und Gemeinden betroffen. Auch in den nächsten Tagen soll es im Freistaat weitere Aktionen geben. So wollten am morgigen Mittwoch in München erneut Erzieherinnen in den Ausstand treten.

Erstmals auch in Ostdeutschland

In Mecklenburg-Vorpommern ruhte in der dortigen Landeshauptstadt Schwerin in den 20 kommunalen Kitas für drei Stunden die Arbeit, wie die Gewerkschaft Ver.di mitteilte. Wegen der schlechten Verdienstmöglichkeiten im Osten seien kaum noch junge Menschen bereit, in den Kitas als Erzieher zu arbeiten, hieß es.


In Halle in Sachsen-Anhalt blieben am Dienstag 18 kommunale Kindertagesstätten geschlossen, in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt waren sechs Kindertagesstätten und zwei Krippen mit insgesamt rund 500 Kindern betroffen. Im westsächsischen Zwickau beteiligten sich rund ein Dutzend kommunale Kitas an dem Ausstand. In Erfurt und Halle gingen zudem jeweils mehrere hundert Beschäftigte für ihre Forderungen auf die Straße.


Die Eltern der bestreikten Kitas wurden vorab informiert. Sie konnten ihre Kinder in anderen Einrichtungen unterbringen, sofern sie selbst keine Betreuung organisieren konnten. Für Mittwoch haben GEW und Ver.di in Sachsen-Anhalt zu weiteren Streiks aufgerufen. Dann sollen unter anderem Kitas in Burg bei Magdeburg betroffen sein. Am Donnerstag werde Sachsen ein Schwerpunkt sein.

( AP/fsl )

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