Kinderbetreuung

Gewerkschaften wollen Streiks in Kitas ausweiten

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Günther Lachmann

Foto: ddp / DDP

Berufstätige Eltern müssen kommende Woche mit zusätzlichem Stress kämpfen. Die Erzieherinnen und Sozialarbeiter wollen ihre Streiks noch ausweiten. Ihr Ziel: bessere Arbeitsbedingungen. Viele Eltern und Politiker zeigen Verständnis – die Arbeitgeber zweifeln dagegen die Rechtmäßigkeit des Streiks an.

Am Montag werden Zehntausende von berufstätigen Eltern mit ihren Kindern vor verschlossenen Kindertagesstätten stehen. Denn nach dem Start einer unbefristeten Streikwelle der Erzieherinnen und Sozialarbeiter wollen die Gewerkschaften den Arbeitskampf in der kommenden Woche ausweiten.

„Wir haben einen langen Atem“, sagt der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, kämpferisch. Zwar richtet sich die Drohung des Gewerkschafts-Vorsitzenden gegen die Träger der Kindertagesstätten. Doch die Leidtragenden dieses Streiks sind Eltern und Kinder, die auf die Betreuungsangebote der Tagesstätten angewiesen sind. Insgesamt besuchen in Deutschland rund 2,25 Millionen Kinder Tageseinrichtungen. Bundesweit gibt es knapp 50.000Kitas, davon 17.000 in kommunaler Trägerschaft. Einrichtungen in privater Trägerschaft sind von der Streikwelle nicht betroffen.

Ausgelöst wurde der Streik durch offenbar beklagenswerte Arbeitsbedingungen. „Die körperlichen und emotionalen Belastungen sind groß“, sagt Bsirske. Vor allem die Lärmkonfrontation mit gemessenen Spitzenwerten von weit mehr als 100 Dezibel müsse alarmieren. „Das entspricht dem Wert eines startenden Düsenjets“, sagt er. Muskel- und Skeletterkrankungen seien verbreitet, weil die Erzieherinnen ständig Kinder hochheben müssten.

Nach Gewerkschaftsangaben können sich nur 26 Prozent der Erzieher und 58 Prozent der Sozialarbeiter vorstellen, bei den derzeitigen Arbeitsbedingungen das Rentenalter gesund zu erreichen. Deshalb streiken seit Freitag rund 11.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter in sieben Bundesländern. Erklärtes Ziel der Gewerkschaften ver.di und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) ist es, den Gesundheitsschutz tarifvertraglich zu regeln.

Die GEW fordert zudem, die derzeit bereits vier Jahre dauernde Ausbildung von Erzieherinnen an Hochschulen zu verlagern. Ähnlich äußert sich die Präsidentin des Deutschen Städtetags, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). „Mittelfristig müssen wir auch über bessere Ausbildung und die Qualität in den Einrichtungen reden“, sagt Roth.

Durch den Streik sind bislang hunderte Kita-Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Bremen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg lahmgelegt. Doch ab morgen wird auch in weiteren Bundesländern wie Bayern und Niedersachsen gestreikt, kündigt ver.di an.

Allein in Nordrhein-Westfalen wird mit 6000 Erziehern, Sozialarbeitern und Sozialpädagogen im Ausstand gerechnet. Während die Politik Verständnis für die Streiks zeigt, reagieren die Arbeitgeber mit Kritik. „Dieser Beruf muss besser in der Bewertung werden“, sagt Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Grünen-Chef Cem Özdemir sagte, die Streikenden machten zu Recht auf ihre „desolate Lage“ aufmerksam.

Die Arbeitgeber kritisierten, es gehe den Gewerkschaften gar nicht um Gesundheitsschutz, sondern um mehr Geld. Außerdem zweifeln sie an der Rechtmäßigkeit der Kita-Streiks in mehreren Bundesländern. Die Gewerkschaften hätten den Arbeitgebern keine Zeit eingeräumt. Ende März sei man erstmals mit Forderungen zum Gesundheitsschutz konfrontiert worden. Aus diesem Grund habe man über die Streitpunkte nicht einmal verhandeln können.

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